Klimawandel erzwingt offenen Agrarhandel und Intensivierung

Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung
Quelle: Deter
Der Klimawandel und die damit einhergehenden Probleme der künftigen Welternährung sind nicht ohne einen freien Welthandel zu meistern. Denn ab Mitte des Jahrhunderts könnten bestimmte Produkte nur noch in den wirklichen Gunstregionen der Welt erzeugt werden und müssten dann in die Verbrauchs-Länder geliefert werden. Das erklärten Vertreter des Grain Clubs am Donnerstag auf der Grünen Woche.

Agrarhandel reduziert Klimaschäden um mehr als die Hälfte

Eingeladen hatte der Verein der Getreide-, Futter- und Ölsaatenwirtschaft Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Er hatte in einer Studie die Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft untersucht. Danach können die zu erwartenden Klimaschäden bis zu 0,8 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung erreichen. Das wären ca. 2,5 Billionen US-Dollar zum Ende dieses Jahrhunderts.
 
Der Wissenschaftler prognostiziert für das Jahr 2050 eine Steigerung der Agrarpreise um 10 bis 30 %, sofern der Klimawandel wie berechnet fortschreitet. Gerade arme Länder würden dann massive Probleme bei der Ernährung ihrer Bevölkerung bekommen, wenn Lebensmittel zu teuer werden.
 
Zur Abmilderung des Klimawandels empfiehlt Lotze-Campen neue Sorten, eine effizientere Bewässerung, neue Fruchtfolgen und Techniken und eine angepasste Bodenbearbeitung. Das alles brauche aber Vorlaufzeit. Weiter rät er zu neuen Versicherungslösungen. Mit der wichtigste Punkt sei aber ein möglichst effizienter, diversifizierter Agrarhandel, um das gesamte Agrarsystem flexibel zu halten. „Wasserintensiver Anbau muss in die Regionen verlegt werden, wo genügend Wasser vorhanden ist. Das geht dann aber nur mit einem funktionierenden Agrarhandel, um Überschüsse und Defizite auf dem Weltmarkt ausgleichen zu können“, so der Professor. Er ist überzeugt, dass die künftigen Klimaschäden durch offene Handelsbeziehungen um mehr als die Hälfte reduziert werden können.
 
Die geforderte Handelsliberalisierung muss allerdings in ordnungspolitische Maßnahmen der Politik eingebettet sein, so Lotze-Campen weiter. Die Ressourcennutzung müsse reguliert und um sozialpolitische Maßnahmen ergänzt werden, weil es bei offenem Handel Verlierer geben wird, um die sich der Staat kümmern müsse. Weitere Voraussetzung sei, dass die Entwicklungsländer ihre Infrastruktur und Logistik ausbauen und auf interationalen Standard bringen, so der Wissenschaftler weiter.

"Extensivierung und Öko stillen nicht den Hunger"

Mitglieder des Grain Clubs
Quelle: Deter
Eine klare Meinung vertritt auch Petra Sprick vom Verband OVID: „Heute reden NGOs und die Politiker nur noch über Ökolandbau und Extensivierung. Diese Produktionsweise hat ihre Berechtigung, ist aber nicht die Lösung für die anstehenden Ernährungsprobleme“, stellte sie klar.
 
Sprick wünscht sich daher von den Politikern mehr Rückendeckung für die konventionelle Landwirtschaft, denn nur sie und ihre weitere Intensivierung werde nach 2050 die Welternährung sichern. Ihr liegen Zahlen vor, wonach die heutige Agrarproduktion um 60 % steigen muss. Das gelinge mit einem effizienteren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Dünger, einer Präzisionslandwirtschaft, neu gezüchteten Sorten, neuen Techniken und Gentechnik, die mehr Protein, Fett, Vitamine in die Produkte bringt. Dazu kämen salz- und trockenheitsresistente Sorten. „Die konventionelle Landwirtschaft ist nicht nur Verursacher, sondern auch Lösung von Problemen.
 
Wiederholt geäußerte Kritik von Liberalisierungsgegnern, die EU würde mit dem Agrarexport aufstrebende Märkte in Entwicklungsländern kaputt machen, kontert Sprick: „Es gibt genau dafür Schutzzölle, die diese Länder erheben dürfen. Nur da die dortigen Regierungen nicht funktionieren, werden sie nicht erhoben. Das bleibt eine große Herausforderung.“

Und was ist mit Trumps Drohung?

Erst auf Nachfrage äußerte sich der Grain Club zu den Ankündigungen des designierten US-Präsidenten Donald Trump, den Agrarhandel mit Schutzzöllen zu belegen. Peter Rodewahn vom Verband Tiernahrung meint, bei Soja könne man ohne die USA leben, wenn der Export aus Südamerika verstärkt werde. Gar nicht vorstellen kann sich dies dagegen OVID-Vertreterin Sprick. Dazu seien die Handelsbeziehungen viel zu eng. Das mächtige Agrarbusiness werde das schon verhindern. Wörtlich sagte sie: „Die US-Sojafarmer werden auf die Barrikaden gehen, wenn ihnen der EU-Markt versperrt wird.“ Und Lotze-Campen ergänzte, dass Handel keine Einbahnstraße sei. Dennoch hält er solche Äußerungen aus den USA für „sehr bedenklich“. Ohne Freihandel sei eine positive Wirtschaftsentwicklung in den USA nicht möglich.

Quelle: top agrar Online

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