IG Milch Demo in Wien: Auf der Suche nach Wegen aus der Krise

Milchsee
Vor dem Raiffeisenhaus errichtete die IG Milch heute einen "Milchsee" aus einem Wasser-Milchpulver-Gemisch. Fotos: Altmann

„Der Durst nach Überschüssen wird gelöscht!“ Mit diesen Worten kommentierte IG Milch-Obmann das Überlaufen eines vor dem Raiffeisenhaus in Wien angelegten kleinen „Milchsees“. Errichtet wurde dieser von etwas mehr als 50 Mitgliedern des Vereins der Rinder- und Grünlandbauern heute während einer Traktordemo durch die Bundeshauptstadt.

Die IG Milch sowie weitere NGOs demonstierten damit gegen die Krise am Milchmarkt und gegen die ihrer Meinung dafür Mitverantwortlichen, Branchenvertreter aus Landwirtschaft und Milchindustrie. Für Grünzweil und Mitstreiter steht fest, dass das Abschaffen der Milchquote zu einer vorhersehbaren Überproduktion geführt und die Milchpreise auf Talfahrt geschickt habe.

"Amokläufer unter den Milchbauern"

Die falschen Weichenstellungen hätten u.a. dazu geführt, dass „unter den österreichischen Bauern etliche Amokläufer sind, die wie verrückt melken, obwohl wir die Milch gar nicht brauchen“, erklärte Grünzweil.

Grünzweil
Grünzweil: "Mit der Demonstration vor dem Raiffeisenhaus sind wir an der richtigen Adresse, weil hier die meisten Bauern Mitglied sind.

Die Molkereien könnten es jetzt in die Hand nehmen, hier wirksam gegenzusteuern. Einige mutige seien hier auch bereits vorangegangen. Als Beispiele nannte der IG Milch-Obmann die Gmundner Milch und die Ennstal Milch, die bereits Mengenbegrenzungs-Systeme eingeführt haben. Grünzweil betonte, dass die Milchmenge bei der Gmundner Milch nach seinen Informationen bereits gedrosselt worden sei. Mit der Pinzgauer Molkerei werde ab morgen, den 1. April, ein drittes Unternehmen ein System zur Mengenreduzierung einführen.


Költringer: "Unsere Aufgabe ist es, die angelieferte Menge bestmöglich zu vermarkten"

Bei der Demo vor dem Raiffeisenhaus bat Grünzweil auch Johann Költringer, GF der VÖM, zu Wort.

Költringer
Johann Költringer sieht die Krise nicht zuletzt durch das Russland-Embargo, Rückgänge der Exporte nach China und die reduzierte Kaufkraft infolge weltweit niedriger Rohstoffpreise begründet.
Dieser sagte, dass die österreichischen Molkereien ihre Aufgabe darin sehen, die angelieferte Menge bestmöglich zu vermarkten. 

Bei dem Bemühen, dass weniger Milch geliefert werden solle, „sehen wir uns als Verband aber nicht gefordert“, betonte der VÖM-Geschäftsführer. Die VÖM habe aber auch kein Unternehmen ermuntert, die Milchmengen auszudehnen.
 
Zum Abschluss der Wien-Demo präsentierten IG Milch, ÖBV Via Campesina, die Grünen und Fian bei einem Milchfest am Morzinplatz ein Milch-Manifest. Dieses solle dazu beitragen, einen nachhaltigen Weg aus der Krise zu finden. Die 10 Punkte des Manifestes:

  1. Fairness gegenüber kleinen und extensiven Betrieben und Arbeitskraftförderung
  2. Investitionszuschüsse ausschließlich für Modernisierungen und Umbauten und keinesfalls für neue Produktionskapazitäten
  3. Neue tiergerechte Zuchtziele und wiederkäuergerechte Fütterungsstandards
  4. Wiedereinführung der Mutterkuhprämie und Umstellungsförderung für Neueinsteiger in die biologische Milchproduktion
  5. Abkehr von Exportorientierung
  6. Mindestpreise für gesunde österreichische Milch
  7. Marktbeobachtungsstelle mit Durchgriffsrecht
  8. Reform der landwirtschaftlichen Ausbildung
  9. Bürokratie-Abbau in der Landwirtschaft
  10. Milchdialog.
Kuh in Milchsee
Die überlaufenden Kannen sollten laut IG Milch die für die Milchschwemme mitverantwortlichen Institutionen symbolisieren.

Alle Details des Manifestes können sie sich hier herunterladen.

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