OÖ: Neue Versicherungsmöglichkeiten für landwirtschaftliche Kulturen präsentiert

Reisecker, Hiegelsberger, Weinberger
LK OÖ-Präsident Franz Reisecker, Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger und Dr. Kurt Weinberger, Generaldirektor der Österreichischen Hagelversicherung, bei der Vorstellung der neuen Versicherungsmöglichkeiten für landwirtschaftliche Kulturen. (Foto: Land OÖ/Stockinger)

Weil Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen durch Unwetter scheinbar zunehmen, haben Agrarpolitik und Hagelversicherung Details zu Entschädigungen angepasst. Die Hagelversicherung stellte dazu drei Neuerungen für 2017 vor.

"Die Agrarpolitik hat einen wichtigen Schritt für die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft in Zeiten des Klimawandels gesetzt: Die staatliche Förderung von Versicherungsprämien wurde zur Jahresmitte 2016 gesetzlich auf weitere Risiken ausgedehnt. Neben Hagel und Frost werden nun auch Versicherungen gegen die Folgen von Dürre, Sturm und starken oder anhaltenden Regenfällen mit je 25% der Prämie von Bund und Ländern bezuschusst – und das für alle landwirtschaftlichen Kulturen. Gleichzeitig entfallen künftig die Entschädigungen des Katastrophenfonds für versicherbare Risiken. Damit erhalten Landwirte einerseits eine preiswerte Möglichkeit der Eigenvorsorge, die andererseits langfristig Staat und Steuerzahler entlastet." Dies teilte gestern Oberösterreichs Agrarlandesrat Max Hiegelsberger in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit LK-Präsident Franz Reisecker und dem Generaldirektor der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger, mit.

Hagelversicherung mit Neuerungen in 2017

Weinberger stellte vor Journalisten drei Produktneuerungen vor: Neben den bestehenden Dürreindex-Versicherungen für Grünland und Mais werden ab 2017 auch Dürreindex-Versicherungen bei den Kulturen Winterweizen und Zuckerrübe angeboten. Dabei wird der zehnjährige Niederschlagsdurchschnitt mit dem Wert im aktuellen Jahr unter Berücksichtigung der Verteilung und von Hitzetagen verglichen. Entschädigungen werden ab bestimmten Abweichungen ausbezahlt.

Die zweite Neuerung betrifft Überschwemmungen: Bislang waren bei Schäden ausschließlich die Wiederanbaukosten gedeckt. Künftig sind auch Ertragsverluste durch Überschwemmung versichert, die zu einem Totalschaden an der Pflanze führen oder wenn der Qualitätsverlust so groß ist, dass eine Vermarktung nicht möglich ist. Auch neue Frostversicherungen bei Obst gibt es. Im Jahr 2016 waren Äpfel, Birnen, Haselnüsse und Erdbeeren gegen Frost versicherbar. Künftig sind auch Frostversicherungen bei Stein- und Beerenobstarten möglich. Das betrifft die Obstarten Kirschen, Weichseln, Pfirsich, Nektarinen, Marillen, Zwetschken sowie Brombeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren und Aronia.

Absicherungsmodelle gewinnen an Bedeutung

"Die Wetterextreme haben in Oberösterreich zu großen Schadensereignissen geführt. Dies zeigt, dass Absicherungsmodelle und Risikovorsorge in Zeiten des Klimawandels enorm an Bedeutung gewinnen", stellte Hiegelsberger fest. In Oberösterreich wurde das Agrarbudget 2017 im Bereich der Versicherungsmöglichkeiten aufgestockt. Diese Aufwendung beträgt 6,01 Mio. € anstelle der bisher aufgewendeten 5,6 Mio. €. Die Prämie wird dabei zu 50% von der öffentlichen Hand gestützt – je 25% entfallen dabei auf den Bund und die Länder. "Damit ist es gelungen, künftig bei Katastrophenereignissen im Bereich landwirtschaftlicher Kulturen nicht mehr auf den Katastrophenfonds des Landes zugreifen zu müssen. 2016 wurden knapp 1 Mio. € aus diesem Fonds beglichen. Das wird künftig über die Hagelversicherung abgedeckt", so der Landesrat.

Risikomanagement wird wichtiger

Warum diese strategische Weichenstellung in der Risikovorsorge erforderlich wurde, begründete Weinberger so: "Die Produktionsbedingungen der Bauern werden durch den Klimawandel immer schwieriger. Wetterextreme sind mittlerweile keine Jahrhundert-Ereignisse mehr, sondern treten in immer kürzeren Abständen und intensiver auf. Die Landwirte sind eine Berufsgruppe, die gar nicht genug geschützt und abgesichert werden kann, denn sie produzieren unsere tägliche Nahrung. Ihre Leistungen sind daher unverzichtbar und alternativlos. Das erfordert allerdings Vorsorge und Vorkehrungen", so der Generaldirektor. "Um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu gewährleisten, sind Versicherungssysteme unerlässlich, die auf Private-Public-Partnership aufbauen. Das Zusammenwirken von Landwirtschaft, Versicherungswirtschaft und öffentlicher Hand wird aufgrund der Risikovielfalt immer wichtiger. Internationale Modelle zeigen den Weg zu einem umfassenden Risikomanagement: In Amerika bezahlt der Landwirt 35% der Prämie und der Staat übernimmt die restlichen 65%", erklärte Weinberger.

Klimawandel: Landwirtschaft muss sich anpassen und vorsorgen

"Die Landwirtschaftskammer ist sehr froh, dass es in Österreich mit der Hagelversicherung ein Unternehmen gibt, das sich inzwischen zu einem Vollanbieter für wetterbedingte Risiken entwickelt hat", stellte Präsident Reisecker fest. "Für die bäuerliche Interessenvertretung sehe ich die Verantwortung darin, dass wir intensiv an einer Strategie zur Anpassung der Landwirtschaft an die Herausforderungen durch den Klimawandel arbeiten müssen. Es ist absehbar, womit wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu rechnen haben. Wenn wir uns darauf vorbereiten, die richtigen Schlüsse ziehen und die richtigen Entscheidungen treffen, wird die Anpassung machbar, wenn auch schwierig", so Reisecker.

Auch in zehn Jahren werde das Kulturarten-Spektrum im Pflanzenbau in etwa gleichbleiben. Es werde aber moderate Verschiebungen hin zu Kulturen mit geringerem spezifischen Wasserverbrauch geben oder zu Sorten, die mit Trockenheit besser zu Rande kommen. Bei Mais sei schon länger ein klarer Trend zu spätreifenden Sorten mit längerer Vegetationszeit zu bemerken. Die klimatischen Änderungen hätten außerdem den Anbau von Sojabohne erst möglich gemacht. Die LK OÖ hat sich intensiv mit Versuchen im Hirseanbau beschäftigt, diese Kultur könnte künftig in Oberösterreich eine größere Bedeutung im Anbau bekommen. Hirse ist sehr gut an trockene Bedingungen angepasst, weil sie pro Kilogramm erzeugter Trockensubstanz weniger Wasser verbraucht.

Veränderungen im Grünland

"Im Grünland- und Futterbau könnte die trockenheitstolerante Luzerne mehr Bedeutung bekommen, auch wenn diese Futterpflanze aufgrund ihrer groben Struktur von den Rindern nicht so gerne gefressen wird wie Heu oder Gras. Ob in Gegenden, in denen die Niederschläge kontinuierlich abnehmen und die Böden zumeist über geringe Bodenmächtigkeit verfügen, der Trend zur Fünf-Schnitt-Wiese fortgesetzt werden kann, ist zu hinterfragen. Einerseits ist im Grünland mit längeren Vegetationsperioden zu rechnen, andererseits ist in manchen Regionen davon auszugehen, dass die Landwirtschaft mit deutlich weniger Niederschlägen auskommen muss", so Reisecker. Eine weitere Langfrist-Strategie sei es, die Bodenfruchtbarkeit durch gezielten Humusaufbau zu fördern. (aiz)

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