Trendwende am Milchmarkt

MOndsee
Bild von links nach rechts: Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, Dr. Klaus Dillinger, Dienststellenleiter der HBLFA Tirol – Standort Forschung und Service, Monika Wohlfahrt, Geschäftsführerin Zentrale Milchmarkt Berichterstattung GmbH, Gerhard Woerle, Gebrüder Woerle GmbH, Michaela I. – Milchkönigin von Oberösterreich, Johann Költringer, Verein zur Förderung der Österreichischen Milchwirtschaft. Foto: Lechner

"Mittlerweile zeigen die Preise für Milchprodukte international wieder eine steigende Tendenz und auch in der EU haben Molkereien teilweise schon höhere Auszahlungspreise angekündigt. Ein wichtiger Impuls dafür waren die mittlerweile rückläufigen Anlieferungen der letzten Wochen und der Beschluss der EU-weiten Reduktionsmaßnahme." Das sagte Sektionschef Rupert Lindner in Vertretung von Bundesminister Andrä Rupprechter bei der Österreichischen Milchwirtschaftlichen Tagung in Mondsee, OÖ.

Minister Rupprechter habe sich bei den EU-Agrarräten für weitere Maßnahmen und finanzielle Mittel zur Marktstabilisierung eingesetzt. Beim Agrarrat am 18. Juli in Brüssel sei dann ein weiteres 500 Mio. Euro-Hilfspaket für produktionssenkende und -stabilisierende Maßnahmen im Milchsektor beschlossen worden. "Die in Österreich zur Verfügung stehenden Mittel werden verwendet, um ausschließlich jene Betriebe zu unterstützen, die ihre Anlieferungsmenge reduzieren", erläuterte Lindner.

Milchreduktion: Antrag bis 21. September möglich

Für die Milchreduktionsmaßnahme stehen, wie berichtet, 150 Mio. Euro EU-weit zur Verfügung, damit kann ein Lieferverzicht von rund 1 Mio. t Milch mit einem Betrag von 14 Cent/kg gefördert werden. Für die "außergewöhnliche Anpassungsbeihilfe" werden 350 Mio. Euro aus EU-Mitteln bereitgestellt, Österreichs Anteil liegt bei 5,86 Mio. Euro. Auf Vorschlag der Diskussionsplattform Milch unter dem Vorsitz von Josef Moosbrugger (Vorsitzender des Ausschusses für Milchwirtschaft in der LK Österreich) wurde entschieden, die Anpassungsbeihilfe national zur Verlängerung der EU-Milchreduktionsmaßnahme auf sechs Monate zu verwenden. Alle Betriebe haben die Möglichkeit, mit einem Antrag bis zum 21. September 2016 beide Maßnahmen zu beantragen, wobei jeweils nur die geplante Reduktionsmenge anzugeben ist. Die Antragstellung erfolgt einfach und unbürokratisch über das eAMA-Portal.

Lindner zeigte sich davon überzeugt, dass die Reduktions- und die Anpassungsbeihilfe einen stabilisierenden Effekt auf die Milchanlieferung in Europa und auch in Österreich haben werden. Das Ziel dieser Maßnahmen sei die Verbesserung der Milchpreise für alle Bäuerinnen und Bauern. Die Maßnahmen zur Mengenverringerung seien auch ein Signal an den Markt, dass zumindest nicht mit einer weiteren Steigerung der Produktion zu rechnen sein wird.

Kurzfristige Unterstützungen sollen Liquidität der Betriebe verbessern

Der Sektionschef erinnerte daran, dass angesichts der schwierigen bäuerlichen Einkommenssituation verschiedene agrarpolitische Unterstützungsmaßnahmen gesetzt werden. Als Beispiele nannte er die Aussetzung eines SVB-Beitragsquartals für alle Betriebe sowie eine außerordentliche Stundungsmöglichkeit für AIK-Kredite. Damit solle den Betrieben in dieser kritischen Lage wieder mehr finanzieller Spielraum gegeben werden.

Gleichzeitig seien auch mittel- und längerfristige Maßnahmen vorgesehen: "Mehr als 100 Mio. Euro pro Jahr werden in der Ländlichen Entwicklung bis 2020 für einzelbetriebliche Investitionen zur Verfügung gestellt. Rund 60% davon sind für den Rinderbereich vorgesehen, der Großteil davon dient der Stärkung der Milchviehbetriebe", informierte Lindner. Die im Programm LE 2014 bis 2020 implementierte Vorhabensart "Verarbeitung, Vermarktung und Entwicklung landwirtschaftlicher Erzeugnisse" sei budgetär gestärkt worden, um neben dem Fleischsektor vor allem auch die Fördermöglichkeiten für den Milchsektor zu erweitern. Das zusätzliche Budget in Höhe von 4 Mio. Euro jährlich werde über einen Call zur Einreichung von Investitionsvorhaben angeboten, die im Speziellen für den Absatz auf neuen Märkten dienen sollen, so der Sektionschef.

Anreiz zur Mengenbündelung

Bundesminister Rupprechter habe bis zu 50 Mio. Euro für die Verarbeitungsbetriebe im Milchbereich in Aussicht gestellt, sofern die Branche mehrheitlich einem Plan zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Sektors zustimmt und ein entsprechendes Konzept vorlege. Mittelfristige Ziele seien eine bessere Mengenbündelung und damit ein stärkerer Auftritt gegenüber dem Lebensmittelhandel, weiters ein fokussierter Auftritt im Export sowie die Erhaltung der Steuerung des Verarbeitungssektors und damit der regionalen Wertschöpfung in Österreich. Verantwortlich für die Abholung dieser Mittel seien die Eigentümer der Genossenschaften und Molkereien, erklärte Lindner.

Betriebliche Eigenverantwortung stärken - Kosten senken

Neben der politischen Verantwortung des Agrarressorts gebe es auch die betriebliche Eigenverantwortung. Hier biete die Ländliche Entwicklung den entsprechenden Rahmen. Notwendig sei eine weitere Professionalisierung der Betriebe durch das Marktumfeld, beispielsweise durch überbetriebliche Zusammenarbeit, Kostensenkungen und so weiter. "Die Kooperation in der Wertschöpfungskette wird immer wichtiger, etwa bei Produktentwicklungen", unterstrich Lindner. -AIZ-

Schlagworte

Lindner, Mio, Maßnahmen, Euro, Rupprechter, Sektionschef, Milchsektor, Bundesminister, Betriebliche, Eigenverantwortung

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