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Führender Getreidehändler empfiehlt höhere Agrarproduktion |
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Mittwoch, 10. Februar 2010 |
Auf den zusätzlichen Nahrungsmittelbedarf durch die wachsende Weltbevölkerung wies heute Klaus-Dieter Schumacher auf dem Ackerbautag der Wintertagung des Ökosozialen Forms in der Landwirtschaftsschule Hollabrunn hin.
Schumacher kennt mit 25 Jahren Erfahrung
bei Toepfer-International (mit 40 Mio. t Getreidehandel im Jahr) die Zusammenhänge und sieht die Agrarzukunft insgesamt
optimistisch. Hoch und Tief der ackerbaulichen Produktion der
vergangenen zwei Jahre waren laut Schumacher überwiegend naturbedingt.
Erhöhte Getreidenachfrage und die bis 2007 weit abgebauten Vorräte
sowie teilweise auch Spekulation, die oft überschätzt werde, führten
nach den Rekordernten von 2008 und 2009 wieder zu einem Preisrückgang,
der die Erzeuger hart treffe, so der Experte. Die weltweit ideale
Witterung habe 2008 die bisher höchste Getreideernte von 2,2 Mrd. t
beschert und im vergangenen Jahr mit der bisher zweitgrößten Ernte auch
die Vorratslager weiter aufgefüllt.
Auch eine Produktionserweiterung in
der Schwarzmeerregion sei zunehmend spürbar. "Die Weltgetreidevorräte
stiegen so von rund 15 auf über 21% des Verbrauchs und dies trotz hohem
Bedarf. Die Preisentwicklung war dementsprechend ", erläuterte
Schumacher.
Weizenmarkt: Erneuter Aufbau der Bestände
Wirklich hoch sei
im Verhältnis zum Absatz derzeit auch nur das Weizenangebot. "Die
Maisernte war auch groß, doch hier wirkt sich der steigende Bedarf an
nachwachsender Energie bereits aus: In den USA werden schon etwa 40%
der letzten Maisernte, die durch Trockenheit etwas geringer war, zu
Ethanol verspritet. In der EU steht eine hohe Getreideernte niedrigen
Exportmöglichkeiten gegenüber. Dazu kommt noch geringerer Futterabsatz,
da der Fleischkonsum durch Finanzkrise und gebietsweisen
Tourismusrückgang in den südeuropäischen Ländern leidet. Hier werden
bis zu 6 Mio. t Gerste und auch ein Teil des Weizens in die
Intervention gehen ", erläuterte Schumacher.
Rekordernten gab es auch
bei Ölfrüchten mit 430 Mio. t (+16 Mio. t). Brasilien konnte rund 70
Mio. t Soja (statt 65 Mio. t) einfahren und Argentinien erntete nach 32
Mio. t um 20 Mio. t mehr. Bei Ölfrüchten wirkt ebenfalls teilweise die
Energienachfrage. In Deutschland landen laut Schumacher fast drei
Viertel des Rapsöls als Biodiesel-Beimischung in den Treibstofftanks.
Auch in Italien und Frankreich steigt diese Beimischung. Als Ursachen
für die schwankenden Agrarpreise nannte der Getreidefachmann keineswegs
nur die Ernteschwankungen. Auch der schwache Dollar, der Anleger in
Sachwerte wie etwa Agrarprodukte trieb, sowie stark sinkende
Frachtraten wirkten sich aus. Auf der Bauernseite kamen stark steigende
Betriebmittelkosten hinzu.
Agrarproduktion muss erhöht werden
Von einer
Verringerung der Agrarproduktion riet Schumacher überzeugend ab,
"intensivieren statt nachlassen ", lautete seine Empfehlung. Die von
6,5 auf 9 Mrd. Menschen wachsende Weltbevölkerung werde um 70% mehr
Lebensmittel brauchen und zugleich noch besser leben wollen; Fleisch
werde weiter gefragt sein. Auch nachwachsende Treibstoffe würden
vermehrt notwendig, wobei die als Nebenprodukt anfallenden
Eiweißfuttermittel ebenfalls bedeutend seien. Zur Gentechnik sagt
Schumacher, er verstehe den Standpunkt in Österreich, "aber die Welt
hat anders entschieden ". -AIZ-
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