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Schweiz: Mehr Appenzeller, aber auch mehr Käse-Imitate exportiert
Donnerstag, 4. März 2010
ImageIm Jahr 2009 hat die Schweiz 62.000 t Käse im Ausland verkauft - und damit nochmals um 1,6 % mehr als im bisherigen Rekordjahr 2008. Allerdings haben die traditionellen Käsesorten wie Emmentaler, Gruyère und Co. im Ausland allesamt Marktanteile verloren. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Appenzeller, die Nummer 3 auf der Exportrangliste. Vom so genannten "anderen Halbhartkäse " wurden 2009 mit 5.200 t um 45% mehr als noch im Jahr zuvor ausgeführt. Hinter dieser Bezeichnung stecken nichts anderes als Käseimitate, berichtet das AIZ.


Die Käseimitate nehmen im Exportranking bereits den vierten Platz ein. Hinter der genannten Bezeichnung steckt vor allem Appenzeller-ähnlicher Käse. Dies erklärt Christoph Kempter, Direktor der Sortenorganisation Appenzeller, wie das AIZ berichtet.

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"Wir haben sehr zu kämpfen mit den Imitaten", so Christoph Kempter, Direktor der Sortenorganisation Appenzeller.
"Wir haben sehr zu kämpfen mit den Imitaten", so Kempter. Das Unschöne an der ganzen Sache sei, dass es vor allem Mitglieder seiner Sortenorganisation seien, die solchen Käse herstellten und damit den markenrechtlich geschützten Appenzeller - und damit sich selber - konkurrieren würden.


Überschussmilch wird zu Käse

Unter die Kategorie "anderer Halbhartkäse " fällt auch Käse, der aus überschüssiger Industriemilch produziert und exportiert worden ist. Die Produzentenorganisation Nordostmilch AG hat 2009 mehrere Millionen Kilogramm Industriemilch in verschiedenen Käsereien zu Vollfettkäse verarbeiten lassen und nach Deutschland exportiert, wie Nordostmilch-Präsident Robert Bischofsberger gegenüber dem  Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) in Bern bestätigt.

Ein Teil des Käses sei in die BRD als Schnittkäse im Detailhandel verkauft und ein anderer als Schmelzkäse in den Industriekanal geliefert worden. "Dieses Exportprojekt ist durch eine Notsituation entstanden ", erläutert Bischofsberger. Ende 2008 habe der Milchverarbeiter Emmi der Nordostmilch die Verträge gekündigt, die überschüssige Milch musste irgendwie verwertet werden.

Weniger Emmentaler exportiert

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Der Appenzeller war 2009 der einzige unter den traditionellen Käsesorten, der 2009 im Export zulegen konnte. Fotos: Werkbilder

Während der Export von Emmentaler AOC im letzten Jahr um 8,6% zurückgegangen ist, konnte "Switzerland Swiss " im Ausland leicht an Terrain gewinnen. Es handelt sich dabei um die eckige Variante des Emmentalers, die nicht nach den AOC-Richtlinien (kontrollierte Herkunft) hergestellt wird.

Besonders stark zulegen konnte die Kategorie "übriger Hartkäse ", und zwar um über 100% auf 2.333 t. Welcher Käse hinter dieser Bezeichnung steckt, weiß laut LID niemand so genau. Bei der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland geht man davon aus, dass das große Wachstum bei den Kategorien "übriger Hartkäse " und "anderer Halbhartkäse " darauf zurückzuführen ist, dass sich darunter auch Emmentaler-Anlehnungen und -Fälschungen befinden, wie Christoph Stadelmann, Sprecher der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland, betont. Weil man keinen genauen Einblick in die Exportstatistik habe, lasse sich dies jedoch nicht beweisen.

Wirtschaftskrise setzte Käseexporteure unter Druck

Die Frage, ob Imitate die traditionellen Schweizer Käsesorten auf den Exportmärkten immer stärker verdrängen, wird von Jacques Gygax, Direktor des Käserverbandes Fromarte, relativiert: "2009 waren die Käseexporteure wegen der Wirtschaftskrise und der Entwicklung des Wechselkurses stark unter Druck. Unter diesen Umständen können wir mit den Exportzahlen sehr zufrieden sein - auch wenn sie bei den traditionellen Käsesorten nach unten zeigen. "

Laut David Escher, Direktor der Marketingorganisation Switzerland Cheese Marketing, hängen die sinkenden Exportzahlen beim traditionellen eidgenössischen Käse auch von der Politik der jeweiligen Sortenorganisationen ab. Bei allen traditionellen Sorten müssen sich die Käsereien nämlich an Produktionsvorgaben halten. Für Escher sind die Zahlen zum Käseexport insgesamt ausschlaggebend - und die seien im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, betont er.
 
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