Borkenkäfer: Eskalation der Lage ist zu befürchten

Der Fichtenborkenkäfer hält Oberösterreichs Waldbesitzer in Atem. Jetzt liegt Fokus darauf, die verbleibenden gesunden Fichten zu schützen. Dazu sollen die vom Borkenkäfer befallenen Bäume möglichst schnell entfernt oder unschädlich gemacht werden. Unterstützung kommt dabei von der Landwirtschaftskammer und vom Waldverband.

Vor allem im Zentralraum und im unteren Mühlviertel bringt der Borkenkäfer zahlreiche Fichten zum Absterben. (Bildquelle: LK OÖ )

Das ausgeprägte Niederschlagsdefizit der letzten Monate hat an den Fichten in Form brauner, abgestorbener Kronen bereits sichtbare Spuren hinterlassen. Besonders der Zentralraum und das untere Mühlviertel sind stark betroffen. Hier hat die Regenmenge teilweise nicht einmal die Hälfte des langjährigen Durchschnitts betragen. Dadurch konnte sich die Fichte kaum gegen den Borkenkäfer zur Wehr setzen. Umgekehrt ist die Entwicklungsgeschwindigkeit der Käfer von der Umgebungstemperatur gesteuert. Somit gedeihen die unter der Rinde fressenden Insekten umso schneller, je wärmer es ist. Aktuell entwickelt sich bereits die zweite Käfergeneration des heurigen Jahres. Im Sommer wird eine weitere Generation folgen. Auch die aktuell kühlere Witterung kann diese Entwicklung nicht aufhalten.

Öffentliche Gelder zur Schadensmilderung

Von Bundesministerin Elisabeth Köstinger wurde für ganz Österreich ein Drei-Millionen-Euro-Hilfspaket in Aussicht gestellt. Dabei handelt es sich um Geldmittel aus dem Programm der Ländlichen Entwicklung. „Es ist zu begrüßen, dass die Waldbesitzer im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten ein Förderinstrumentarium erhalten, um die finanziellen Belastungen durch den Borkenkäfer abzumildern“, so Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ. Dieses Förderprogramm beinhaltet auch die bereits vor einigen Wochen vorgestellten Maßnahmen aus dem Zehn-Punkte-Paket des Landes OÖ.

Folgende Vorhaben werden im Programm der Ländlichen Entwicklung aktuell gefördert:

Ziel ist es, dass die gewährten Fördergelder den betroffenen Waldbesitzern rasch zur Verfügung stehen. „Die Forstberater der Landwirtschaftskammer unterstützen bei der Förderantragstellung, um die Gelder auch auf die Fläche zu bringen“, hebt Reisecker das Service der Landwirtschaftskammer hervor. Es handelt sich in erster Linie um Fördermöglichkeiten, welche die weitere Verbreitung des Borkenkäfers eindämmen sollen und den damit einhergehenden Aufwand abgelten. Wermutstropfen für die Waldbesitzer bleibt, dass der Schaden, der durch die Entwertung des Rundholzes und den einhergehenden reduzierten Holzerlös verursacht wird, in vollem Umfang selbst zu tragen ist. „Die Landwirtschaftskammer setzt sich deshalb dafür ein, dass geeignete Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Borkenkäfer, wie etwa die Anlage von Nasslagern, auch aus dem Katastrophenfonds gefördert werden“, betont Reisecker.

Lagerndes Käferholz im Auge behalten

Im Wald lagerndes Käferschadholz stellt eine große Gefahr für gesunde Fichten dar. Unter der Rinde wachsen die Larven zu Käfern heran, die dann neuerlich gesunde Fichtenbestände in der Umgebung befallen. Das Gebot der Stunde ist es daher, Holz möglichst weit weg vom nächstgelegenen Waldrand zu lagern. Wissenschaftliche Untersuchungen besagen, dass der Hauptaktionsradius von einem Großteil der Käfer im Bereich von rund 500 Metern liegt. Vom Borkenkäfer befallene Energieholzhaufen sind umgehend zu verhacken und die Hackschnitzel auf Lager zu legen oder in den Wald zu verbringen. Wo eine Lagerung von Schadholz in ausreichender Entfernung zum nächsten Fichtenbestand nicht möglich ist, muss das befallene Holz in geeigneter Weise gegen Borkenkäfer behandelt werden. Aus gegebenem Anlass forscht das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) an Fragestellungen, die durch die forstliche Praxis im Zusammenhang mit geeigneten Behandlungsweisen aufgeworfen wurden. Bei einem Abstimmungstreffen mit dem BFW betonten Vertreter von Landwirtschaftskammer und Landesforstdienst nochmals die Wichtigkeit derartiger Forschungsaktivitäten.

Forstberater und Waldhelfer als Krisenmanager

Forstberater und Waldhelfer sind häufig die ersten Ansprechpartner, wenn es darum geht, vom Borkenkäfer befallenes Holz aufzuarbeiten und zu vermarkten oder über Fördermöglichkeiten zu beraten. Die effizienteste Maßnahme, um eine weitere Borkenkäferausbreitung zu verhindern, ist es, befallenes Holz schnell zu entdecken und aus dem Wald zu bringen. Die Holzabfuhr läuft derzeit beim Waldverband Oberösterreich auf hohem Niveau. Dennoch sind zusätzliche Bekämpfungsmaßnahmen notwendig, da die Abfuhr bei derartigen Käfermengen nicht schnell genug möglich sein wird. „Sollte die heurige Menge um ein Viertel höher sein als im Vorjahr, wird trotz aller Bemühungen eine zeitnahe Abfuhr der gesamten anfallenden Käferholzmengen nicht möglich sein“, befürchtet Franz Kepplinger, Obmann des Waldverbandes Oberösterreich. „Unabhängig von der Holzmarktsituation gilt es, gesunde Fichten zu schützen, indem befallene Bäume entfernt werden“, appelliert Kepplinger an die Waldbesitzer.

Darüber hinaus betreibt der Waldverband auch sogenannte Trockenlager, sofern es regional geeignete Lagermöglichkeiten gibt. Anton Frantal betreut als Waldhelfer Waldbesitzer im Bezirk Steyr, Kirchdorf und Linz-Land. Er ist Betreuer eines solchen Trockenlagers. „Zwei Aspekte stehen im Vordergrund: Befallenes Holz soll möglichst schnell aus dem Wald gebracht werden, um es dann in weiterer Folge effizient zur Säge- oder Papierindustrie transportieren zu können“, fasst Frantal den Zweck der Zwischenlagerung zusammen. Aufgrund der großen Holzströme stellt der Transport mittels LKW zu weiterverarbeitenden Betrieben eine große Herausforderung dar. Die Frächter kommen mit ihren verfügbaren Kapazitäten an ihre Grenzen. Einzeln angefallene Käferbäume müssen daher von den Waldbesitzern zu größeren Lagern vorkonzentriert werden, um die Logistikkette zu optimieren.

Klimafitte Wälder bestehen aus Baumarten, die mit dem zukünftigen Klima zurechtkommen. (Bildquelle: LK OÖ)

Wälder jetzt klimafit machen!

Je mehr Baumarten in den heimischen Wäldern vorkommen, umso wahrscheinlicher ist es, dass es Bäume gibt, die mit neuen Klimabedingungen zurechtkommen. Dabei setzen die Waldbesitzer auf Baumarten, die mit wärmeren und trockeneren Bedingungen besser zurechtkommen. Zu nennen sind insbesondere die heimische Stiel- und Traubeneiche, die Weißtanne sowie die vor mehr als hundert Jahren wieder eingeführte Douglasie. „Die Forstberater der Landwirtschaftskammer nehmen sich in vielen Beratungsgesprächen darum an, auch kleine Waldflächen klimafit zu machen“, so Reisecker abschließend. Der Anteil der Fichte an Oberösterreichs Waldfläche hat innerhalb von zehn Jahren zugunsten von Mischbaumarten um sieben Prozent abgenommen. In Anbetracht der Borkenkäferplage ein Trend, der sich weiter fortsetzen wird.

Artikel geschrieben von

Beate Kraml

Redaktion

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