Deutschland sucht 10.000 neue Biobauern

Biobauer in Zwischenfrucht-Bestand

Um den inländischen Bedarf mit eigenen Erzeugnissen bedienen zu können, braucht Deutschland 10.000 neue Biobetriebe. Das verdeutlichte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) auf seiner diesjährigen Bilanzpressekonferenz unmittelbar vor Beginn der BioFach 2012. Derzeit wächst der deutsche Markt nämlich stärker als die Bioanbaufläche.

Demnach hat der bundesweite Umsatz mit Bioprodukten 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 9 % auf 6,59 Mrd. € zugelegt. Wie BÖLW-Geschäftsführer Alexander Gerber vor Journalisten weiter berichtete, ist gleichzeitig die Bioanbaufläche aber lediglich um etwa 2,3 % auf rund 1,013 Mio. ha gestiegen. Damit habe sich das Wachstum gegenüber dem Vorjahr etwa halbiert, wobei Ackerland jedoch erstmals stärker zugelegt habe als Grünland, ergänzte Gerber. Er führte dies auf die Nachfrageseite zurück, die verstärkt Getreide und Hülsenfrüchte verlangt habe.

Die Importanteile am Inlandsverbrauch belaufen sich nach den Worten des BÖLW-Geschäftsführers bei Getreide auf 15 % und bei Kartoffeln auf 28 %. Ferner würden 48 % der Biokarotten und 50 % der Bioäpfel nach Deutschland geliefert. Mit Blick auf die Einfuhrquoten bei Milch, Eier und Schweinefleisch, die bei 15 %, 20 % beziehungsweise 22 % liegen, wies Gerber darauf hin, dass zwar gerade diese Grundnahrungsmittel im Inland erzeugt werden könnten. Doch durch die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland sei die Bioproduktion wirtschaftlich gesehen immer weniger konkurrenzfähig.

Biolandbau braucht „einen Schub“
Vor dem Hintergrund der wachsenden Importe forderte der BÖLW von der Politik, die Anstrengungen zu intensivieren, um die Zahl der Biobetriebe zu erhöhen. Nach Einschätzung des BÖLW-Vorstandsvorsitzenden Dr. Felix Prinz zu Löwenstein sind 10.000 neue Biobetriebe erforderlich, um die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot für heimische Ökoprodukte zu schließen. Die biologische Land- und Lebensmittelwirtschaft schaffe neue Arbeitsplätze, verbessere die Wertschöpfung und Lebensqualität im ländlichen Raum, belaste die Umwelt nicht und sei tier- sowie klimafreundlich. Daher stelle sie die nachhaltigste Form der Nahrungsmittelproduktion dar und schaffe zugleich einen ökonomischen und sozialen Mehrwert, stellte Prinz Löwenstein klar. Er forderte einen Politikwechsel im Biolandbau, damit dieser „einen Schub erhält“. (AgE)

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