Wintertagung

Starkes Signal der Milch- und Rinderbauern

Wintertagung
Die Referenten des Fachtages (v.l.): Andreas Thurner (LK Ö), Christian Rosenwirth (Lebensministerium), Anton Wagner (ZAR), Alexander Döring (Generalsekretär Europ. Verband d. Mischfutterindustrie), Rudolf Rogl (GF ARGE Rind), Alois Rosenberger (Dir. Francisco Josephinum), Josef Fradler (ARGE Rind), Matthias Reeh (Lebensministerium), Leopold Kirner (BA für Agrarwirtschaft), Franz Sinabell (Öst. Institut f. Wirtschaftsforschung), Franz Sturmlechner (GF ZAR), Markus Gahleitner (Österreichische Jungzüchtervereinigung). Foto: ZAR/Kalcher

Einen ausgezeichneten Start legte der erstmalige Fachtag für Rinderwirtschaft der Wintertagung des Ökosozialen Forums im Francisco Josephinum in Wieselburg hin. "Mit den fachlich fundierten Referenten ist es uns in Zusammenarbeit mit dem Ökosozialen Forum und der Österreichischen Rinderbörse gelungen, die Ist-Situation für Milchproduzenten und Rindermäster darzustellen und darauf basierend Perspektiven für die kommenden Jahre zu vermitteln", so ZAR-Obmann Anton Wagner. Im Hinblick auf den zukünftigen Wettbewerb im Rahmen der neuen Finanzperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2013 wurden interessante Fakten auf den Tisch gelegt.

Die Premiere für diese Fachtagung im Rahmen der Wintertagung 2012 des Ökosozialen
Forums zum Thema „Landwirtschaft zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung“ am 15. Februar 2012 verlief mit über 300 TeilnehmerInnen für die Veranstalter mehr als zufriedenstellend. Das bis auf den letzten Platz ausverkaufte Francisco Josephinum (FJ) in Wieselburg bot für diese Fachveranstaltung eine ideale Bühne. Die gute Unterstützung durch die Mitarbeiter und Schüler vor Ort trugen wesentlich zum Erfolg der Veranstaltung bei.

Niederösterreichs Agrar- und Umweltlandesrat Stephan Pernkopf, der auch neuer Präsident des Ökosozialen Forums ist, betonte in seinem Referat, das von der Bundesregierung beschlossene Sparpaket sei zwar schmerzhaft, aber für die bäuerlichen Familien insgesamt verkraftbar. Der Agrarsektor leiste einen wichtigen Beitrag zur Budgetkonsolidierung, es sei aber gelungen, Klassenkampfparolen entschieden entgegenzutreten. Eine zukunftsorientierte Agrarpolitik müsse die Wertschätzung für die Arbeit der bäuerlichen Familien durch die Gesellschaft in den Vordergrund stellen, einen fairen Anteil an der Wertschöpfungskette für Agrarprodukte sichern und für die Agrarpolitik nach 2014 jene Rahmenbedingungen schaffen, die für die jüngere bäuerliche Generation motivierende Perspektiven zur Weiterführung der Betriebe bieten.

Rinderbestand bleibt stabil


Franz Sinabell (WIFO) behandelte die Zukunftsoptionen der Rinderwirtschaft aus Sicht der Wissenschaft. Nach einer Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts werden sich die Rinderbestände stabilisieren und 2020 mit mehr als 2 Mio. Tieren auf dem Niveau des Jahres 2000/2001 bleiben. Aktuell werden hierzulande 1,98 Mio. Rinder gehalten. Österreich habe in der Rindfleisch- und Milchproduktion einen komparativen Kostenvorteil, das heißt, es kann trotz des strukturellen Nachteils zu günstigeren Kosten produzieren als manch andere Länder, erklärte Sinabell. Eine der großen Herausforderungen der Zukunft seien die derzeit noch hohen Zölle auf Importe tierischer Produkte in die EU. Ein Wegfallen beziehungsweise eine Reduktion selbiger hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Preise am Binnenmarkt. In Bezug auf den Klimaschutz sieht der WIFO-Experte Einsparungsmöglichkeiten in einer Steigerung der Milchleistung und zugleich der Nutzungsdauer. Matthias Reeh (Lebensministerium) analysierte die aktuelle Situation am Markt sowie die langfristige Marktentwicklung und die GAP ab 2014. Als Kritikpunkte der neuen Agrarpolitik der EU nannte Reeh den wesentlich komplizierteren Systemaufbau, den damit höheren bürokratischen Aufwand sowie wenig Flexibilität bei der Modellgestaltung. Die österreichischen Rinderbetriebe sowie Prognosen aus betriebswirtschaftlicher Sicht nahm Leopold Kirner (Bundesanstalt für Agrarwirtschaft) genauer unter die Lupe. Die Zukunft des landwirtschaftlichen Betriebes würde nicht in erster Linie in Brüssel oder Wien entschieden, sondern auch durch richtige Entschlüsse auf den Höfen. Die unternehmerische Eigenverantwortung der Bäuerinnen und Bauern werde immer mehr zunehmen.

Jungzüchter fordern Planungssicherheit

Im Rahmen der Podiumsdiskussion forderte Markus Gahleitner (Obmann der österreichischen Jungzüchter) verlässliche Rahmenbedingungen für die bäuerlichen Betriebe. Dabei sollte das Hauptaugenmerk im Rahmen der neuen GAP vor allem auf die Sicherstellung der Investitionsförderung zur Erleichterung der Hofübernahmen sowie auf alternative Strategien zur Vorbereitung des Auslaufens der Milchquoten gelegt werden. Neben der finanziellen Planungssicherheit sind Motivation und Freude an der Arbeit die wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Rinderzuchtbetriebe.

Milch: Geringe Margen bei Bauern und Verarbeitern

Christian Rosenwirth (Lebensministerium) stellte den Wertschöpfungsanteil von Produzenten, Verarbeitern und Vermarktern an der gesamten Wertschöpfungskette "Milch " dar. Er zeigte auf, dass die Nettomargen, also der Gewinn sowohl beim Bauern als auch beim Verarbeiter, sehr gering sind. Höhere Produktionskosten des Rohstoffes Milch werden durch die Verarbeitungsindustrie ausgeglichen. Die Ermittlung des Wertschöpfungsanteils des Lebensmitteleinzelhandels sei eine gemeinsame Aufgabe für die Zukunft. Josef Braunshofer, Geschäftsführer der Berglandmilch, wies auf die Bedeutung der Eigentümerstruktur eines Milchverarbeitungsunternehmens hin. Nicht die Rechtsform sei entscheidend, sondern ob das Unternehmen auch tatsächlich den Milchbauern gehört. Aufgrund der schnellen Verderblichkeit des kostbaren Rohstoffes Milch seien langfristige Lieferverträge auch im Interesse der Milchbauern.

Herausforderungen für die Mischfutterindustrie


Josef Fradler (Obmann ARGE Rind) sieht in der österreichischen Rinderproduktion eine Erfolgsgeschichte. Denn es sei gelungen, mit Rinderzucht, Produktion und guten Marken die Handelsketten ins Boot zu holen und dementsprechende Marktpreise für qualitativ hochwertiges Rindfleisch zu lukrieren. Rudolf Rogl (Geschäftsführer ARGE Rind) zeigte die Anforderungen und vor allem Chancen der österreichischen Rindfleischproduzenten auf. Regionalität spielt im Lebensmitteleinzelhandel dabei eine große Bedeutung, rund 97% des angebotenen Rindfleisches kommen aus Österreich. Klaren Nachholbedarf sieht Rogl in der Gastronomie.

Die Herausforderungen für die europäische Mischfuttermittelindustrie unter Berücksichtigung des GAP-Reformprozesses, der Bioenergiepolitik sowie der EU-GVO-Gesetzgebung analysierte Alexander Döring, Generalsekretär des Europäischen Verbandes der Mischfutterindustrie in Brüssel. Dieser Verband vertritt rund 4.500 Betriebe industrieller Mischfutter- und Vormischungshersteller. Die zukünftige Versorgung mit Futtermitteln zu wettbewerbsfähigen Preisen ist für Döring mit der aktuell diskutierten Grünbrache von 7% nicht vereinbar. Vor allem in Hinblick darauf, dass es in den letzten 20 Jahren bei Getreide keine Ertragssteigerungen gab (AIZ).

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