Gemischte Gefühle zum Milchquoten-Ende

Vieles bewegt derzeit die Agrarbranche. Dazu gehört auch das Auslaufen der Milchquoten-Regelung. Wie die heimischen Agrarpolitiker dazu stehen, lesen Sie hier.

Nach der Quote: Kommt die Milch bald aus dem Kanister? (Bildquelle: )

Laut der Österreichischen Berg- und Kleinbauernvereinigung ÖBV-Via Campesina Austria" werde die Milchproduktion in der EU fortan dem Spiel der Märkte überlassen. Die Zeche dafür zahlten kleine Milchproduzenten. Deshalb demonstrierte die Gruppierung heute zusammen mit anderen Milchbauern und der IG Milch in Wien.

Das Ende der kleinbäuerlichen Milchproduktion?

„Mit dem Ende der Milchquote droht die Aufgabe der kleinbäuerlichen Milchproduktion in Österreich. Anstatt ausschließlich von Arbeitsplätzen auf großen landwirtschaftlichen Betrieben zu sprechen, die es zu sichern gelte, müssen sich die Regierungsparteien für die Lebensfähigkeit kleiner Bauernhöfe einsetzen, die ein Vielfaches an Arbeitsplätzen zu bieten hätten,“ fordert Judith Moser-Hofstadler, Milchbäuerin und Vorstandsmitglied der ÖBV-Via Campesina Austria. Eine bedarfsorientierte Milcherzeugung, die Förderung von Arbeitsplätzen auf bäuerlichen Betrieben und der Milchproduktion aus Grundfutter würden laut Moser-Hofstadler den österreichischen Milchbauern zu kostendeckenden Preisen verhelfen.

Milchpreis sinkt bereits

Die ersten Effekte des Quotenendes ortet Karl Keplinger, Präsident des Unabhängiger Bauernverbandes. So senkt die größte österreichische Molkerei Berglandmilch mit 1. April 2015 den Milchpreis um 1,68 Cent pro Liter nach den Landwirtschaftskammerwahlen in Oberösterreich, Salzburg, Niederösterreich und Tirol und trotz gegenteiliger Behauptungen der Politik, wie Keplinger in einer Aussendung kritisiert. Berglandmilch liege damit laut Keplinger um 2 Cent hinter den Bayrischen Molkereien, wie Jäger oder Bergader.

Petschar: Bekenntnis zur heimischen Milch gefordert"

Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, fordert von allen Beteiligten eine Bekenntnis zur österreichischen Milchwirtschaft. Diese biete einzigartige Qualitäten: Die Milch werde gentechnikfrei produziert und nach höchsten Standards verarbeitet. Strengste Umwelt- und Tierschutzauflagen liegen der Produktion zu Grunde. Auch gebe es keine Megabetriebe. Österreich sei das Land mit dem höchsten Bio-Anteil, über 80 % der Milch stammen aus Berg- und benachteiligten Gebieten.

Deshalb erwartet die Österreichische Milchwirtschaft mit dem Ansteigen der Milchproduktion weitere Steigerungen im Export. Aber: „Für eine weitere positive Entwicklung der heimischen Milchwirtschaft sind neben optimalen Rahmenbedingungen ein Schulterschluss aller Beteiligten – der Milchbauern, der Verarbeiter, der politischen Vertreter, des Handels und der Konsumenten – notwendig, um die österreichische Qualitätsstrategie weiter erfolgreich zu gestalten“, ergänzte Petschar.

Abentung: Ruf nach Mengensteuerung ist Ruf nach Planwirtschaft"

"Schon in den vergangenen Jahren wurden 40 % der österreichischen Milchproduktion im Ausland abgesetzt“, erklärt Bauernbund-Direktor Johannes Abentung zum heutigen Ende der Milchquote. Insgesamt mache die österreichische Milcherzeugung ganze 2 % der produzierten EU-Milchmenge aus. „Umso mehr sollten wir uns darauf konzentrieren, unsere heimische, gentechnikfrei produzierte Milch sowie Käse und andere Milchprodukte nicht nur in Österreich, sondern vermehrt auch in der EU abzusetzen.“

Zum Wien-Aktionstag einer bäuerlichen Randgruppe" meint der Bauernbund-Direktor: „Damals haben einige Bauern gegen die Einführung der Quote protestiert, heute wird gegen ihre Abschaffung demonstriert. Es ist aber nicht die Mengensteuerung, die einen guten Preis macht. Der Ruf nach einer neuen Quote, ist eigentlich Planwirtschaft, die den unterschiedlichen Betriebsgrößen und Produktionssparten in Österreich gar nicht gerecht werden kann.“ Die österreichischen Bauern verstehen sich als Unternehmer, die sich nach den Chancen am Markt ausrichten und nicht an ein Mengenkontingent gebunden sein wollen. Außerdem sei auch die bisherige Milchquote von den Bauern massiv überliefert worden.

Darüber, dass ausgerechnet eine einzelne Vermarktungsinitiative dieser Randgruppe (die Freie Milch Austria, Anm.) von „gerechten Preisen“ rede und gleichzeitig zu Dumping-Preisen verkaufe und dadurch nicht nur sich selbst, sondern dem Milchpreis für alle schade, kann sich Bauernbund-Direktor Abentung nur wundern: „Im Gegensatz zu den Bauernmilch-Preisen, die von den genossenschaftlichen Molkereien gezahlt werden, ist der Preis, der dort gezahlt wird, um mehr als 10 Cent niedriger als der momentane durchschnittliche Milchpreis von 34 Cent. Darin sehen wir absolut kein Zukunftsmodell.“ Rund 31.500 heimische Milchbauern liefern laut Abentung erfolgreich an österreichische Molkereien. Demgegenüber verwehrt sich der Bauernbund in einer Aussendung, dass eine Gruppierung, der einige Hundert Milchbauern in ganz Österreich angehören, eine Art Alleinvertretungsanspruch erhebt.

Kast: Kennzeichnung ausbauen, Interventionspreis anheben"

Die Österreichische Jungbauernschaft betrachtet das Quoten-Ende differenziert: „Einerseits sollten wir die neue Situation als Chance betrachten, immerhin ist sie mit neuen Wachstumsmöglichkeiten für junge, investitionsfreudige Betriebsführer verbunden. Andererseits braucht es Begleitmaßnahmen für die Erzeuger in den benachteiligten Regionen wie etwa den alpinen Gebieten, die über 80% der heimischen Kuhmilch produzieren. Hier muss auch in Zukunft gesichert sein, dass etwa die Abholung der Milch auch von Kleinstbauern erfolgt“ so Jungbauernobmann Stefan Kast zum Ende der Milchquote. Einen weiteren Vorteil sieht er in den wegfallenden Strafzahlungen für überliefernde Betriebe.

Agrarexperten würden der Milchwirtschaft stärkere Preisschwankungen und steigende Produktionskosten in ungünstigen Lagen prophezeien. „Diesen Prognosen müssen wir mit einer maßgeschneiderten Qualitätsstrategie begegnen: die „Milch-Marke Österreich“ steht für höchstmöglich Qualität, gepaart mit Gentechnikfreiheit und weiteren Assets wie Regionalität. Mit diesen Eigenschaften muss es uns gelingen, das Premium-Segment im globalen Wettbewerb zu besetzen“ so Kast weiter.

Er fordert daher den weiteren Ausbau einer lückenlosen Nachverfolgbarkeit sowie der umfassenden Kennzeichnung. Das AMA-Gütesiegel etwa stehe für hohe Qualität, nachvollziehbare Herkunft und unabhängige Kontrolle. Zudem fordert die Jungbauernschaft eine Anhebung des Interventionspreises, damit allfällige Preisschwankungen im Milchsektor gedämpft werden. Derzeit sichere der EU-Interventionspreis für Butter und Magermilchpulver nur einen Milchpreis von rund 21 Cent. „Schon aufgrund der jährlichen Inflationsrate braucht es hier unbedingt eine rasche Anpassung“ so Jungbauernobmann Kast abschließend.

Artikel geschrieben von

Weninger Lukas

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