Diskussion um Ferkelschutzkörbe: 1200 Bauern kamen zur VÖS-Generalversammlung

Gestern setzten 1200 Schweinebauern in Wieselburg ein Zeichen, dass so mit einer Berufsgruppe nicht umgegangen werden kann. Fotos: Gerl
Gestern setzten 1200 Schweinebauern in Wieselburg ein Zeichen, dass so mit einer Berufsgruppe nicht umgegangen werden kann. Fotos: Gerl

Mehr als 1200 Landwirte kamen gestern Mittwoch zur außerordentlich einberufenen Generalversammlung des Verbandes Österreichischer Schweinebauern (VÖS) in die Erlauftal-Halle nach Wieselburg. Sie machten damit die dramatische Situation deutlich, die die Diskussion rund um die Kastenstandhaltung von Sauen ausgelöst hat.

Der VÖS informierte Mitglieder und Betroffene ausführlich über die weitere Vorgehensweise.

Es geht um die Zukunft des heimischen Schweinesektors

Bekanntlich hat Gesundheitsminister Stöger am 3. März einen Änderungsentwurf der 1. Tierhalteverordnung zur Begutachtung veröffentlicht und dabei die konventionelle Abferkelbucht und das Deckzentrum in Frage gestellt. Der Ferkelschutzkorb und die Kastenstandhaltung im Deckzentrum sollen demnach nach Schweizer Vorbild weitgehend verboten werden. Dieser Entwurf wurde mit der Landwirtschaft in keinster Weise abgesprochen, wie die Verantwortlichen im VÖS und der Landwirtschaftskammer gestern betonten. Zur Vorgeschichte: Die Volksanwaltschaft hatte am 27. September 2010 aufgrund der Beschwerde einer Bürgerin eine Missstandsfeststellung eingebracht, wonach die 1. Tierhalteverordnung wegen der Kastenstandhaltung nicht rechtskonform mit dem Bundestierschutzgesetz sei. Sie verweist dabei auf entsprechende Bestimmungen in der Schweiz. Erstmals hat der VÖS erst kurz vor Aufzeichnung der ORF-Bürgeranwalt-Sendung am 16. Dezember 2010 von dieser Missstandsfeststellung erfahren. DI Hans Stinglmayr (Ausschuss Recht und Politik im VÖS) erläuterte zur aktuellen Situation, dass nun die Begutachtungsfrist des Entwurfes bis zum 4. April laufe. Es zeichne sich ab, dass sowohl Landwirtschaft als auch Tierschutzorganisationen den Entwurf ablehnen. Die Missstandsfeststellung der Volksanwaltschaft habe aber weiter Bestand. "Der vorliegende Entwurf nehme weder auf den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse noch auf die ökonomischen Auswirkungen Bedacht", erklärte Dr. Konrad Blaas, Leiter der Abteilung Tierhaltung und Tierschutz des Lebensministeriums. Dr. Franz Jäger, Leiter der Sektion Recht im Lebensministerium stellte klar, dass ohne Zustimmung des Landwirtschaftsministeriums, der Gesundheitsminister die Verordnung nicht abändern könne. Offen ist, ob Volksanwalt Peter Kostelka und Gesundheitsminister Stöger noch weitere Schritte setzen, um die von ihnen geplanten Verschärfungen durchzusetzen. Volksanwalt Kostelka habe jedenfalls gedroht, das Thema vorm Verfassungsgerichtshof behandeln zu wollen.

Klare Beschlüsse getroffen

Für die weitere Vorgehensweise hat die Mitgliederversammlung gestern klare Bechlüsse gefasst: Die Volksanwaltschaft wird aufgefordert, den Vorwurf der systematischen Tierquälerei zurückzunehmen. Die Generalversammlung lehnt den Inhalt des Verordnungsentwurfs strikt ab und ist auch zu keinen faulen Kompromissen bereit. Notfalls steht die Generalversammlung auch zu einer Klärung durch den Verfassungsgerichtshof. Der VÖS steht zu ehrlichem Tierschutz, wehrt sich aber gegen überzogene Tierhaltevorschriften zulasten der heimischen Betriebe und ist gegen nationale Alleingänge und verlangt Weiterentwicklungen im Tierschutz auf EU-Ebene. Weiters erneuerte der VÖS sein Gesprächsangebot an Gesundheitsminister Stöger und fordert sachliche Gespräche mit nationalen und internationalen Fachleuten und Branchenvertretern. LK-Präsident Gerhard Wlodkowski bekräftigte: "Unsere Schweinebauern brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, unter denen sie im europäischen Umfeld bestehen können. Wir müssen raschest bis zum Sommer Klarheit schaffen." Die hohe Teilnehmerzahl bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung ist ein klarer Appell an Minister Stöger, die Schweinebauern ernst zu nehmen.

Schlagworte

VÖS, Generalversammlung, Stöger, Schweinebauern, Gesundheitsminister, 1200, kamen, Diskussion, Kastenstandhaltung, Situation

Kommentare

Kommentarfunktion de-/aktivieren

Kommentar hinzufügen...
Kommentieren

Bleiben Sie auf dem Laufenden