Intransparente Milchpreis-Gestaltung

Autor: Torsten Altmann

Intransparente Milchpreise
Während die Preisspanne beim Bauernmilchpreis nur bis zu 20 % ausmacht, sind es im Milchregal der Supermärkte bis zu 180 %!, so die Verbraucherorganisation Foodwatch. Foto: Altmann

Höhere Milchpreise im Supermarkt kommen nicht bei Bauern an. Das kritisiert heute in Deutschland die Verbraucherorganisation Foodwatch. Damit weist die Organisation die Argumentation von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) zurück, Konsumenten könnten mit ihrem Einkaufsverhalten die Verdienste der Milchbauern beeinflussen.

Auch wenn Verbraucher im Supermarkt "zu einer teureren Milch greifen - beim Landwirt schlägt sich das praktisch nicht nieder", erklärte Sophie Unger von Foodwatch am Montag. Die Organisation hatte nach eigenen Angaben Preise von 31 Milchmarken aus dem Kühlregal und von H-Milch verglichen und ihnen die Preise gegenübergestellt, die von den Molkereien an die Bauern bezahlt werden.

Preisspanne im Supermarkt bis zu 180 %, bei Bauern nur bis zu 20 %

Demnach betrug die Preisspanne im Supermarkt bis zu 83 Cent pro Liter oder 180 Prozent. Die Auszahlungen an die Bauern variierten aber nur um maximal fünf Cent oder 20 Prozent. Am ehesten würden höhere Supermarktpreise bei Bio-Milch an die Landwirte weitergereicht, erklärte Foodwatch.

"Es ist beim Einkaufen von Milch vollkommen intransparent, wie viel vom Verkaufspreis beim Bauern ankommt", kritisierte Unger. Bei teureren Marken zahlten die Verbraucher "vor allem für Werbung und Marketing", während die Landwirte fast immer einen niedrigen Auszahlungspreis erhielten. Aus Verbrauchersicht sei es daher "völlig vernünftig", die billigere Variante zu kaufen.
Dagegen erklärten der Einzelhandelsverband HDE und der Lebensmittelhandelsverband BVLH am Montag, der Kunde habe "die Wahl, durch das eigene Einkaufsverhalten seinen Beitrag zu leisten". Der Lebensmittelhandel "hält in allen Bereichen des Molkereisortiments preislich und qualitativ ein breites Angebot vor".

100 Mio. € Soforthilfe für Deutsche Milchbauern

Die deutschen Milchbauern sollen angesichts drastisch gesunkener Preise Soforthilfen von mindestens 100 Millionen Euro bekommen. Über die genaue Höhe werde er noch Gespräche führen, erklärte der Landwirtschaftsminister heute nach einem „Milchgipfel“ mit Vertretern von Bauern, Molkereien und Handel in Berlin. Schmidt hat bereits im Vorfeld des Gipfels Bürgschaften, Kredite sowie steuerliche Erleichterungen für die Landwirte angekündigt, jedoch noch keine Summe genannt (www.topagrar.com/news). Grund für die niedrigen Preise ist ein Überangebot an Milch - nicht nur in Deutschland, sondern in Europa und weltweit.                    -AFP/Bild online-

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