Kanada: Fast 60 Ct/kg Milchgeld und keine Lust auf Freihandel

Milchfarm Kanada
Kanadas Milchfarmer haben angesichts des hohen Milchpreisniveaus von fast 60 Ct/kg offenbar keine Lust auf das Transpazifikabkommen TTP. Foto: Rieberer

Zwischen 55 und 58 Euro-Cent bekommen Kanadas Milchfarmer derzeit für den Liter Milch. Dies ist ein Grund dafür, warum die Milchbauern gegen den Transpazifikpakt TPP sind. Darüber sprach Wolfgang Müller mit dem kanadischen Milchfarmer Ruedi Bachmann.

Am 17. Dezember 2013 erschien mein erstes Gespräch mit Ruedi Bachmann auf top agrar Österreich online (hier nachzulesen). Jetzt hatte ich wieder Gelegenheit mit ihm über über die Situation der kanadischen Milchfarmer zu sprechen.

"Agrarsektor gegen den Transpazikpakt"

Bachmann erklärte, dass Kanadas Milchfarmer derzeit große Sorgen wegen des ausverhandelten, aber noch nicht ratifizierten, Transpazifikpaktes TPP haben. Der größte Widerstand gegen den Pakt komme von Seiten des Agrarsektors.

Ruedi Bachmann
MIlchfarmer Ruedi Bachmann

Zwar stehe die neue kanadische Regierung diesem Abkommen nicht so positiv gegenüber, wie das bei der alten Regierung der Fall war. Es bestehe auch immer noch die Hoffnung, dass das kanadische Parlament dem Pakt nicht zustimmt.

Nachteile vor allem für Milchfarmer

„Vor der Abstimmung im Parlament ist auch noch die Zustimmung aller Provinzen und Territorien einzuholen“, so Bachmann weiter. Das Abkommen würde insbesondere den Milchfarmern nur Nachteile bringen. Auf Grund des seit den 70er Jahren geltende „Supply Management System“ sei der Markt für Milch und Milchprodukte, Geflügel und Eier hinsichtlich der Erzeugerpreise als auch der jährlich erzeugten Mengen streng reguliert. Daraus resultieren gute Erzeugerpreise.
 
Zwar sei die weltweite Milchkrise auch an Kanada nicht ganz spurlos vorbei gegangen.
„Aktuell liegt unser Milchpreis zwischen 55 und 58 Euro-Cent“, so der Milchfarmer. „Die Tendenz ist aber schon wieder steigend, so dass die Hoffnung besteht, bald wieder die 60 Cent-Grenze zu überschreiten.“ Für den in Österreich derzeit bezahlten Preis von 29 bis 33 Cent wäre übrigens kaum ein kanadischer Farmer bereit, weiter zu arbeiten.
 
Im Rahmen des TTP-Abkommens müsste sich Kanada dazu verpflichten, 3,25% des Molkerei-, 2,3% des Geflügel- und 2,1% des Eiermarktes für zollfreie Importe aus TPP-Ländern zu öffnen. Um den rund 17.000 betroffenen Farmern das Abkommen schmackhaft zu machen, hat die Regierung laut Bachmann Ausgleichszahlungen für mögliche entgangene Umsätze im Umfang von 4,3 Mrd. kanadischen Dollar (3 Mrd. Euro) über einen Zeitraum von 15 Jahren in Aussicht gestellt. Diese Zahlungen reichten aber nicht aus, um die zu erwartenden Verluste auszugleichen.
 
-Wolfgang Müller-
 
 

Schlagworte

Milchfarmer, Bachmann, kanadische, Ruedi, TPP, Kanada, Wolfgang, Kanadas, Abkommen, Transpazifikpakt

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