Burgenländische Rübenbauern kochen

Autor: Torsten Altmann

Rübenbauern Vollversammlung
Über 200 Landwirte waren heute bei der 56. Vollversammlung des burgenländischen Rübenbauernbundes. Viele von ihnen zeigten ihren Unmut über die nicht erteilte Notfallzulassung von Neonics in diesem Bundesland.
Quelle: Altmann

Die Mitglieder des burgenländischen Rübenbauernbundes brachten heute auf der Vollversammlung lautstark ihren Unmut über die verweigerte Notzulassung von Neonics zum Ausdruck. Einer der anwesenden Bauern rief seine zahlreich erschienenen Kollegen sogar dazu auf, heuer ganz auf den Rübenanbau zu verzichten!

"So aufgebracht habe ich die burgenländischen Rübenbauern auf einer Vollversammlung noch nie erlebt. Sonst ging es immer viel ruhiger zu." Mit diesen Worten brachte heute ein Landwirt gegenüber top agrar Österreich die aufgeheizte Stimmung im bumvollen Saal des Gasthauses zur Linde in St. Andrä auf den Punkt.

Grund für die Wut der Landwirte: Während in den Bundesländern NÖ, OÖ und Steiermark die Neonic-Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam für den Rübenanbau 2019 über eine Notfallregelung zugelassen sind (mehr dazu hier), haben sich die Landesregierungen in Wien und Burgenland dagegen ausgesprochen. Allein im Burgenland bauen knapp 400 Landwirte bisher rund 4.000 ha Rüben an.  

Demonstrationen in Eisenstadt gefordert

Die burgenländischen Bauern befürchten durch diese Benachteiligung erneut große Verluste beim heurigen Anbau. Schließlich hat 2018 der Rüsselkäfer in vielen Anbaugebieten riesige Schäden angerichtet.

Einige der anwesenden Landwirte forderten, vor der Landesregierung in Eisenstadt gegen die Vorgangsweise zu demonstrieren. Und ein Landwirt meinte: "So kann es doch nicht weitergehen, das können die doch nicht einfach mit uns machen." Er rief seine Kollegen deshalb dazu auf, ein deutliches Zeichen zu setzen."Ich rufe alle Kollegen dazu auf, heuer keine Rüben anzubauen, erklärte er unter dem Applaus vieler anwesender Bauern, denen er damit offensichtlich aus der Seele sprach.

LK-Präsident Niki Berlakovich zeigte Verständnis für die Sorgen der Bauern. Er sei auch dafür, mit geeigneten Maßnahmen auf die unbefriedigende Situation der Rübenanbauer hinzuweisen. Berlakovich meinte in Richtung Präsident Markus Fröch: "Ich hoffe, dass der Rübenbauernbund in den wenigen verbleibenden Wochen bis zum Anbau noch eine geeignete Strategie findet."

Ein Mitarbeiter der Agrana erklärte zu den Forderungen der Bauern: "Die Empfehlung, heuer keine Rüben anzubauen, kann ich nicht teilen. Damit schießt ihr euch ins Knie."

"Ministerin Köstinger hatte Unterstützung zugesagt"

Laute Kritik gab es von den Landwirten auch an Ministerin Köstinger. "Warum handelt die Ministerin hier nicht in unserem Interesse?", fragte ein Landwirt. Rübenbauernpräsident Ernst Karpfinger erklärte, dass die Ministerin hierzu keine Entscheidungen treffen könne. Denn ihr Vorgänger Rupprechter habe damals beschlossen, die Entscheidungsbefugnis  den Bundesländern zuzusprechen. Allerdings meinte Karpfinger auch: "Köstinger hätte auf Brüsseler Ebene für den Einsatz der Neonics stimmen müssen. Dazu ergänzte Landwirt Alfred Wukovich: "Ministerin Köstinger war vor einiger Zeit hier in der Region und hat uns damals ihre Unterstützung zugesagt." Von Unterstützung sind die burgenländischen Rübenanbauer allerdings jetzt meilenweit entfernt.

Ein Landwirt erklärte in der Diskussion darüber hinaus sein Unverständnis darüber, dass in der vergangenen Ernteperiode immer wieder Rüben aus Ungarn auf seinem  Rübenlieferplatz abgekippt wurden. "Es ist bekannt, dass dies gemacht wurde", erklärte Markus Fröch. Die Agrana habe hier einmalig bestimmte Mengen aus Ungarn und der Slowakei verarbeitet, um die Auslastung zu erhöhen. "In Zukunft wird es das aber nicht mehr geben", so Fröch.

Schlagworte

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