Mit Pheromonen gegen den Maiswurzelbohrer

Autor: Lukas Weninger

Maiswurzelbohrer

Eine weltweit neue Methode zur Eindämmung des Maiswurzelbohrers kommt heuer erstmals in der Steiermark großflächig zum Einsatz. Das Pheromon-Präparat „CornProtect“ wird ab Mitte Juni bis Ende Juli in die Maisblüte gespritzt. Dieses soll die Anzahl der befruchteten Eier und damit den Larvenschlupf im nächsten Jahr reduzieren. Das Land Steiermark schießt dafür eine Förderung zu.

CornProtect enthält den weiblichen Sexualduftstoff des Maiswurzelbohrers. Dieser soll die Männchen derart verwirren, dass sie die Weibchen schwerer finden und befruchten. Dadurch würden diese weniger befruchtete Eier ablegen, was den Larvenschlupf im Folgejahr eindämmen soll.

Land Steiermark fördert Bekämpfung mittels Pheromonen

Die Landwirtschaftskammer forderte für diese neue Bekämpfungsmethode eine finanzielle Unterstützung von der Landesregierung, die diese auch gewährt hat. Das Land Steiermark fördert Landwirte bei der Bekämpfung des Maiswurzelbohrers per Pheromonen mit einem Budget von 500 000 €. Die Unterstützung beträgt 50 €/ha bis 10 000 ha bzw. 40 €/ha bis max. 12 500 ha. Alle Infos zur Förderung (Anmeldung, Abwicklung) finden Sie hier.

So erfolgt die Bekämpfung des Maiswurzelbohrers mittels Pheromonen:

Schadensschwelle: Ab 1 Käfer bei 10 Maispflanzen in jedes Maisfeld unabhängig von der Vorfrucht und der Kultur nach Mais.

1. Anwendung mit dem eigenen Traktor (nur Pheromon) zur Reduktion der Eiablage oder einem Lohnspritzenunternehmer mit „normalem Traktor“

Wer die Pheromone ohne Insektizid anwenden möchte, kann ab jetzt (Mitte Juni) mit seinem eigenen Traktor und eigener Spritze, wenn der Mais ca. 1,4 bis 2,0 m hoch ist, in den Bestand fahren. Am Nachmittag ist der Mais nicht spröde, biegt sich um und steht später zur Gänze wieder auf. Das ist die kostengünstigste Variante und kann auch auf Hanglagen, oder bei geringem Befall angewendet werden. Wer keine moderne Spritze oder GPS hat, wendet sich an seinen Maschinenring und bekommt einen Lohnspritzenunternehmer vermittelt. Achtung, da der Mais in dieser Phase sehr schnell wächst steht nur eine kurze Zeit zur Anwendung zur Verfügung, die genutzt werden muss! Diese Anwendungsform ist schon ab 20 ha sehr wirksam, so der Vertreiber von CornProtect.

Anbauspritze

2. Anwendung mit der „Stelzentraktorspritze“ (nur Pheromon) zur Reduktion der Eiablage

Wenn im Flachland ein größeres Gebiet mit dem Pheromon gespritzt wird, wenden Sie sich an einen Lohnspritzenunternehmer bzw. ihren Maschinenring. Der optimale Anwendungszeitpunkt ist in den ersten beiden Wochen nach Beginn des Käferfluges (Mitte bis Ende Juni), was zur deutlichen Reduktion der Eiablage über den Sommer führt. Durch den Pheromoneinsatz im Maisacker, wird auch die Eiablage in den angrenzenden andern Kulturen reduziert, was zur Reduktion der Population von größter Bedeutung ist. Diese Anwendungsform soll ebenfalls schon ab 20 ha sehr wirksam sein.

Ab Ende Juni ist das Pheromon-Präparat "CornProtect" mit dem Insektizid Biscaya zu kombinieren. Das soll die Blüte des Maises schützen und die Eiablage deutlich reduzieren.

3. Anwendung mit der „Steltzentraktorspritze“(Pheromon + Insektizid) zum Schutz der  Blüte bzw. Befruchtung des Maises und zur Reduktion der Eiablage

Wer mit einem stärkeren Befall durch den Maiswurzelbohrer zur Blüte des Maises rechnet, sollte CornProtect mit Biscaya gemeinsam anwenden. Eine einmalige Biscayaanwendung ohne CornProtect ist nicht anzuraten. Gerade bei dieser Anwendung (Ende Juni bis Ende Juli) ist es sehr wichtig, dass ein möglichst großes zusammenhängendes Gebiet von mehr als 100 ha behandelt wird (da der Zuflug den Erfolg ansonsten zu stark beeinträchtigt).

Selbstfahrspritze

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Maiswurzelbohrerbekämpfung im Sommer:

1. Wie wirkt CornProtect?
Mit CornProtect wird der weibliche Sexualduftstoff des Maiswurzelbohrers (Pheromon) in geringsten Mengen (0,4g/ha) ausgebracht und dann über 8 bis10 Wochen kontinuierlich abgegeben. Durch das ständige „riechen nach Weibchen“ wird die Lust zur Paarung deutlich reduziert. Die Folge ist laut Hersteller eine um 30 % bis 60 % reduzierte Eiablage der Weibchen.

2. Sind Pheromone für Menschen und Tiere ungefährlich?
Jede Rasse hat Ihre eignen Duftstoffe. Da diese Duftstoffe rassenspezifisch sind, reagieren weder Menschen noch Tiere auf „fremde“ Pheromone. CornProtect ist völlig ungiftig und ungefährlich und beeinträchtigt keine anderen Tiere und auch nicht den Menschen. Der Mais könnte unmittelbar nach der Anwendung geerntet oder gegessen werden.

3. Wann bzw. wie oft paart sicher der Maiswurzelbohrer?
Das Weibchen paart sich ca. 1 Woche nach der Geburt innerhalb einer Woche max. 1 bis 3 mal und dann nie mehr im Leben. Das Sperma wird (wie bei der Bienenkönigin) in einem Spermasack gespeichert. Aus diesem Sack befruchtet sich das Weibchen über 8 bis 10 Wochen selbst, wo es ca. 50 bis 60 Eier pro Woche in den Boden ablegt. Wird die Paarung verhindert, legt das Weibchen später, wenn es den Maisacker verlässt auch in den andern Kulturen keine befruchteten Eier ab.

4. Wie groß muss die Anwendungsfläche mindestens sein?
Wenn man Cornprotect im Juni anwendet, ist bereits ab einer Mindestfläche von 10 ha, mit einem sehr guten Wirkungsgrad zu rechnen. Wenn man Cornprotect im Juli anwendet, ist eine möglichst große Fläche – am besten über 100 ha sinnvoll, da es ansonsten zum Zuflug bereits befruchteter Weibchen kommt.

5. Ist genug CornProtect verfügbar?
Derzeit ist noch genug Ware verfügbar. Es wird aber aus andern Bundesländern und Ländern, wie Ungarn oder die Slowakei ständig Ware nachgekauft – nur wer rasch kauft bekommt das Produkt 2015 sicher.

6. Was bringt das Insektizid?
Das Insektizid schützt die Blüte und Befruchtung des Maises – was bei starkem Befall sehr wichtig ist und führt auch zu einer Reduktion der Population. Die kurze Wirkungsdauer ist aber der große Nachteil.

7. Wie bekomme ich die Förderung?
Senden Sie das Formular „Anmeldung zum Pheromoneinsatz“ per Mail an das Pflanzenschutzreferat der Landwirtschaftskammer. Wichtig ist der überbetriebliche und möglichst großflächige Einsatz. Alle weiteren Infos zur Förderung erhalten Sie hier.

8. Was mache ich, wenn der Nachbar nicht mitmacht?
Es ist sehr wichtig, dass ein möglichst großflächiger und möglichst lückenloser Einsatz erfolgt. Versuchen Sie Ihren Nachbaren mit den vielen genannten Argumenten zu überzeugen. Wer nicht mitmacht, verzichtet auf die Vorteile des Pheromoneinsatzes.

9. Wie komme ich zu einem Lohnspritzunternehmer?
Wer selbst keinen Lohnspritzenfahrer kennt, wendet sich am besten an seinen Maschinenring oder an Star Agro.

10. Weitere Infos unter stmk.lko.at sowie auf www.staragro.at

Weitere Hintergrundinfos

Bei einem Befall von nur 1 Käfer pro Maispflanze werden 20.000.000 Eier pro ha abgelegt. In dieser Menge liege das Problem in der Bekämpfung. Um eine Reduktion der Population zu erreichen, müssen alle Bekämpfungsmaßnahmen kombiniert werden:

Reduktion der Population:

  • Bodengranulat: 20 % bis 30 %
  • Insektizidanwendung: 10 % bis 20 % 
  • Pheromonanwendung: 30 % bis 60 %
Warum Fruchtfolge allein nicht reicht

Die Fruchtfolge ist eine effektive Bekämpfung – vorausgesetzt der Maiswurzelbohrer legt seine Eier im Mais ab und nicht in den anderen Kulturen. Im Bezirk St. Pölten liegt der Maisanteil in der Fruchtfolge bei 40 % bis 45 %. Die Fangzahlen zeigen, dass die Population durch die Fruchtfolge einige Jahre unter der Schadschwelle geblieben ist. Das Resultat ist aber wie in der USA (dort spricht man vom fruchtfolgeresistenten Maiswurzelbohrer), dass der Maiswurzelbohrer ab 2010 begonnen hat, seine Eier nicht nur im Mais, sondern auch in anderen Kulturen ab zu legen. Diese Entwicklung führte zu einem großen Anstieg der Population und zu Schäden in den letzen Jahren (siehe folgende Grafik).

Fangzahlen
(Quelle: Staragro)

Wenn man den Maiswurzelbohrer nur mit Fruchtfolge bekämpfen will, darf man maximal 25 % Mais in der Fruchtfolge haben. Darüber hinaus muss der Maiswurzelbohrer konsequent bekämpfen. Auf Grund der Käferzahlen im Vorjahr ist 2015 in der Steiermark mit weiteren Schäden und einem Anstieg der Maiswurzelbohrerpopulation zu rechnen. Dem soll der Pheromoneinsatz, teil kombiniert mit einem Insektizid, entgegenhalten.

Schlagworte

Maiswurzelbohrer, Steiermark, Pheromon, CornProtect

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