OÖ: Bessere Mais- und Sojaernte als gedacht

Autor: Markus Schwaiger

Maisernte
Die Maisernte hat so früh wie noch nie begonnen.
Quelle: LK Oberösterreich

Die Mais- und Sojaernte ist heuer in Oberösterreich deutlich besser ausgefallen als aufgrund der Trockenheit befürchtet. Die Bandbreite der Erträge war wegen der Hitze und Dürre groß.

Existenzielle Probleme durch die Trockenheit haben vor allem die heimischen Grünland- und Futterbaubetriebe. Hier wird im Jahresschnitt mit Ertragseinbußen von 40% gerechnet. Zudem verursacht die Larve des Maikäfers, der Engerling, in vielen Grünlandgebieten des Bundeslandes momentan enorme Schäden. Dies teilte heute Landwirtschaftskammer (LK) Oberösterreich-Präsident Franz Reisecker mit.

Wunderpflanze Mais

"Die Maisernte hat so früh wie noch nie begonnen. Schon in der ersten August-Dekade wurde der erste Körnermais geerntet - eigentlich fünf Wochen zu früh. Ausgenommen von den guten Ertragsergebnissen sind die extrem leichten, schottrigen Böden wie etwa in der Welser Heide. Die Adaption des neuen Sortiments der Maissorten an heiße, trockene Sommer scheint schon recht gut gelungen zu sein. Es macht sich bezahlt, wenn bei einer Kulturpflanze viel Forschung und Entwicklungstätigkeit passiert", berichtete Christian Krumphuber, Leiter der LK-Abteilung Pflanzenproduktion. Tatsache sei, "dass das heutige Maissortiment extrem leistungsstark ist, die Bäuerinnen und Bauern mit Mais sehr gut umgehen können und deshalb diese Kultur in Zukunft noch eher an Bedeutung zulegen wird".

Soja bleibt zentrale Kultur für Eiweißstrategie

Die Sojaernte war in Anbetracht von Hitze und Dürre mit knapp 3 t pro ha besser als erwartet. Die Bandbreite der Erträge war extrem groß - von fast Totalausfall bis knapp 4 t pro ha war heuer vieles möglich. "Für die Zukunft des Sojaanbaus ist die LK OÖ optimistisch. Soja bleibt die zentrale Kultur für die Eiweißstrategie", so Krumphuber.

Die Zuckerrübe hat heuer auch in Oberösterreich unter Trockenheit gelitten - mit erwarteten 80 t Hektarertrag liegt man aber im guten Bereich. Aktuell werden zusätzliche Interessenten für den Rübenanbau gesucht, weil aufgrund der Derbrüssler-Plage in Ostösterreich 10.000 ha Anbauflächen weggebrochen sind.

Grünland und Futterbau: Trockenheit und Engerlinge bringen enorme Einbußen

Das bestimmende Thema des Jahres 2018 war die massive Trockenheit, die vor allem die heimischen Grünland- und Futterbaubetriebe vor existenzielle Probleme stellt. Im Jahresschnitt rechnet die LK OÖ mit Ertragseinbußen von zirka 40%. In vielen Gebieten fiel schon der erste Schnitt sehr schwach aus. Hitze und Trockenheit haben dem Grünland mehr als allen anderen Kulturen zugesetzt.

"In manchen Gebieten wird - wenn das heurige Jahr Normalität werden sollte - die bisherige Grünlandbewirtschaftung in Frage gestellt. An der Luzerne werden wir als trockenresistente Futterpflanze nicht vorbeikommen. Auf den Wirtschaftswiesen haben sich das Knaulgras und der Rotklee als relativ tolerant gegenüber weniger Niederschlägen gezeigt", erläuterte Krumphuber. Zunehmend werde der Engerling des Maikäfers für die Wiesen zu einem ernsten Problem. Die vor 15 Jahren begonnene Massenvermehrung steuere in den kommenden sechs Jahren auf ihren Höhepunkt zu. Gefördert durch die lang andauernde Trockenheit seien heuer landesweit teils schwere Fraßschäden auf dem Grünland festgestellt worden, so der Experte.

Obstbau: Insgesamt erfreuliche Ergebnisse

Das Obstbaujahr 2018 war für Oberösterreich insgesamt erfreulich - bis auf die Erdbeerproduktion. Es wurde eine kontinuierliche Ausweitung bei Kern-, Stein- und Beerenobst verzeichnet. Die Apfelernte ist noch in vollem Gange. Die Niederschläge im Spätsommer und Frühherbst reichten aus, um die entsprechenden Fruchtgrößen, welche der Markt verlangt, weitestgehend zu erreichen. Der Streuobstbau bringt nach zwei verhaltenen Jahren höchste Erträge. Die Obstverarbeitungsbetriebe nützen die Chance und produzieren größere Mengen an Most, Cider, Fruchtsaft und Edelbrand. Da auch die Konzentratlager weitgehend leer sind, kauft auch die Fruchtsaftindustrie Streuobst auf, auch der Biopressobstmarkt floriert.

Gemüsebau: Saisonarbeiterbeschäftigung ist bestimmendes Thema

Für den Gemüsebau war das Jahr 2018 hinsichtlich Menge und Qualität in Anbetracht des heißen Sommers vergleichsweise noch zufriedenstellend. Witterungsbedingte Schäden durch Trockenheit gab es vor allem auf den nicht bewässerungsfähigen Flächen, insbesondere bei Industriegemüseprodukten. Dort, wo beregnet werden konnte, liegen die Kosten dafür vielfach bei über 1.000 Euro pro Hektar und drücken das Betriebsergebnis bei vielen Gemüsearten ins Minus. Massiv zu kämpfen hatten die Betriebe auch mit einem enormen Auftreten von tierischen Schädlingen. Das bestimmende Thema ist aktuell die Situation der Saisonarbeiterbeschäftigung, die die Betriebe bei allen handarbeitsintensiven Kulturen in eine gegenüber den Nachbarstaaten fast ausweglose Situation manövriert. "Produktionskostenunterschiede von bis zu 7.500 Euro pro Hektar können weder durch effizientere Technisierung, strengere Sortierungen oder sonstige Optimierungsschritte kompensiert werden", gab Reisecker zu bedenk en.

Der oberösterreichische Weinbau boomt. Die Weinbaukatasterfläche beträgt derzeit 82 ha, dazu kommen weitere Rebflächen für den Eigenbedarf. Rund 50 Winzer bewirtschaften diese Flächen. Die Zuckerwerte liegen heuer weit über den üblichen guten Werten von 17 bis 18 Graden. Erstere wurden bereits ab Mitte August gemessen, weshalb die Weinlese heuer um zirka drei Wochen früher startete als im Schnitt der Jahre. In trockenen, heißen Sommern wie heuer punkten die oberösterreichischen Winzer besonders mit frisch-fruchtigen Weißweinen auf ihren tonhaltigen, schwereren Böden.

Die Mühlviertler Hopfenbauern hatten heuer eine leicht unterdurchschnittliche Ernte von ca. 240 t bei einer Fläche von 160 ha. Vereinzelt gab es aber auch Ausfälle von bis zu 40%. Insgesamt entwickelt sich aber der Hopfenanbau erfreulich, denn die heimischen Brauereien legen zunehmend Wert auf Regionalität der Rohstoffe. Die traditionelle Hopfenbonitur findet erst kommende Woche statt - die Qualität der Ernte 2018 dürfte aber sehr gut geworden sein, so Krumphuber.

Klimawandel bedroht die landwirtschaftliche Produktion

"Die diesjährige Erntesituation zeigt erneut, dass die landwirtschaftliche Produktion unter Witterungsstress und Klimawandel immer stärker leidet und dass die Entwicklung schneller als ursprünglich angenommen voranschreitet. Das vor wenigen Jahren prophezeite Szenario, dass gegen Ende des Jahrhunderts in Oberösterreich 30 Hitzetage vorkommen würden, ist mittlerweile erreicht oder Normalität. Im Zentralraum, etwa in Enns, gab es heuer 33 Hitzetage", gab Reisecker zu bedenken.Zudem würden Schadorganismen, vor allem Insekten, mehr werden und stärkere Schäden verursachen. Die Bekämpfung ist schwierig, kostenintensiv und nicht immer von Erfolg gekrönt. "Das Thema wird uns noch länger verfolgen, da etwa der Maikäfer in Zyklen auftritt", erläuterte der LK-Präsident.

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