Profil-Artikel über Pestizide löst Unmut aus

Autor: Beate Kraml

Pflanzenschutz
Pflanzenschutzarbeit geschieht in Österreich sachkundig. Die Anwender sind geschult, Spritzgeräte sind periodisch zu überprüfen.
Quelle: LK OÖ

Als schlampig recherchiert bezeichnet die Landwirtschaftskammer OÖ den Beitrag "Das leise Sterben" im Profil. Darin geht es um die Pflanzenschutzstatistik, in der die Ergebnisse deutlich verzerrt wurden, so die Kammer. LK-Präsident Franz Reisecker stellt die wichtigsten Punkte klar.

„Wenn es darum geht, die Landwirtschaft in ein schlechtes Licht zu rücken, sie als Verursacher nahezu aller Umweltprobleme darzustellen und letztlich eine Minderheit (Bäuerinnen und Bauern) gegen eine Mehrheit (Konsumentinnen und Konsumenten) aufzuwiegeln, scheint manchen Journalisten jedes Mittel recht zu sein“, empört sich Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Reisecker über die Titelgeschichte im „Profil“ Ausgabe 3/2019 mit dem Titel „Das leise Sterben“. Besonders ärgerlich ist laut Kammer der Absatz „Pestizide: zu Tode gespritzt“:

Originaltext Profil: Dabei hat Österreich mit 20 Prozent so viele Biobauern wie kein anderes Land in Europa. Sie können freilich nicht kompensieren, was die konventionelle Landwirtschaft anrichtet: 2013 verteilten die heimischen Bauern 3.101 Tonnen Biozide auf ihren Feldern, 2017 waren es 4.626 Tonnen, so viele wie noch nie.

Der Absatz ist ein Musterbeispiel für schlampige Recherche und tendenziöse Berichterstattung: Folgendes Faktum wurde dabei bewusst oder unbewusst ignoriert: Seit 2016 wird in der zu publizierenden Wirkstoffstatistik CO2 als Begasungsmittel gegen Vorratsschädlinge in geschlossenen Räumen erfasst – vorher nicht. CO2 ist dabei der mit Abstand meistverwendete Wirkstoff. (Man könnte diskutieren, warum das überhaupt erfasst wird – auch unsere Atemluft besteht zu 0,03 Prozent aus CO2). Die verwendete Menge CO2 im Jahr 2016 allein betrug 962,6 Tonnen. Damit machte CO2 allein 21 Prozent der in Österreich ausgebrachten Pflanzenschutzwirkstoffe des Jahres 2016 aus. Das heißt: Die dramatischen Steigerungen bei den ausgebrachten Pflanzenschutzmitteln im Zeitraum 2013 bis 2016 sind im Wesentlichen durch die Hineinnahme von CO2 in die Wirkstoffstatistik begründet.

Backpulver als Pflanzenschutzmittel

Schwefel und Kupfer – auch in der biologischen Landwirtschaft verwendete Fungizide – brachten es auf 968,4 Tonnen. Besonders interessant ist weiters Kaliumhydrogenkarbonat (Backpulver), welches in der Wirkstoffstatistik mit 135,6 Tonnen das sechstmeist verwendete Pflanzenschutzmittel im Jahr 2016 war. Kaliumhydrogenkarbonat wird im biologischen Spezialkulturenanbau als Fungizid verwendet. Nachdem es chemisch das Gleiche wie Backpulver ist, darf es als unbedenklich betrachtet werden.

„Man kann Statistiken auch tendenziös fehlinterpretieren. Dies ist im Artikel des ,Profil‘ geschehen. Die korrekten Zahlen, Daten und Fakten wären durch korrekte Recherche und Gegenrecherche leicht eruierbar gewesen. Ein Anruf bei der in Österreich zuständigen Behörde – dem Bundesamt für Ernährungssicherung – hätte genügt“, stellt Präsident Reisecker abschließend fest.

Schlagworte

Profil, CO2, Tonnen, Reisecker, Pestizide, leise, Sterben, Artikel, Kammer, Wirkstoffstatistik

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