Weizenpreis 17,5% über Vorjahresniveau

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Quelle: Case IH

Dieser Woche notierte Premiumweizen mit 206 bis 210 Euro und 208 Euro/t im Mittel des Preisbandes als erster Brotweizen aus der Ernte 2017 an der Wiener Produktenbörse. Damit etablierte sich der Kassamarktpreis für den Aufmischweizen um 17,5% über den Vorjahrespreisen.

2016 startete die Wiener Premiumweizennotierung am 6. Juli bei 177 Euro/t und beendete die Saison am 14. Juni 2017 bei 190 Euro/t. Heuer startet die Notierung bei 208 Euro/t im Mittel. Generell sehe man noch weiteres Potenzial bei den Preisen, denn trotz der Anstiege gegenüber 2016/17 bewegten sich diese im langjährigen Vergleich "noch immer auf moderatem Niveau", so Marktbeteiligte.

Günstige Wettervorhersagen für die USA, ein Ende der Regenfälle in Frankreich und ein bearisher Monatsbericht des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zu den weltweiten Versorgungsbilanzen (WASDE - World Agricultural Supply and Demand Estimates) vom Mittwoch bremsten die zuvorgegangene Kursrallye bei Weizen sowie auch Mais und Sojabohnen an den internationalen Terminbörsen vorübergehend jäh ab. Der Schlusskurs des Soft Red Winter-Weizens an der Börse Chicago (CBoT) zur Lieferung im Juli verlor am Donnerstag 5,2%. Der europäische Mahlweizenkontrakt an der Euronext in Paris folgte etwas unaufgeregter: Der September-Liefertermin gab 2,4% ab und der für die laufende Ernte 2017 repräsentativere und deutlich liquidere Dezember 1,9%.

USDA-Zahlen überraschen Märkte - Spätere Abwärtsrevisionen erwartet

Die USDA-Zahlen wurden von den Märkten als bearish bewertet, da die Ernte- und Lagerbestandsschätzungen ihre Erwartungen übertroffen hätten. Marktteilnehmer gehen aber davon aus, dass das USDA die US-Weizenernte in weiterer Folge noch mehr nach unten revidieren muss, da die Folgen von Hitze und Dürre im Sommerweizengebiet im aktuellen Report noch unzureichend berücksichtigt seien. Gespannt war man, wie Fonds auf den WASDE-Bericht reagieren würden. Denn in der von Hitze und Dürre befeuerten Kursrallye sattelte außerlandwirtschaftliches Kapital massiv von Verkaufs- auf Kaufpositionen um, das heißt, man änderte die Wetten von sinkenden auf steigende Preise. Daraufhin befürchteten Analysten, die Fonds würden im Falle einer durch neue Fundamentaldaten ausgelösten Schwächephase der Kurse die Abwärtsspirale möglicherweise beschleunigen, indem sie wieder in großem Stil von "Kauf" auf "Verkauf" umschalteten.

Am Freitag startete der Euronext-Weizen aber schon wieder im grünen Bereich bei 176 Euro/t für den September- und bei 181,50 Euro/t für den Dezember-Kontrakt. Auch der vorbörsliche elektronische Weizenhandel an der CBoT wies über Nacht wieder steigende Kurse auf.

Juli-WASDE-Bericht: Weltweite Getreideproduktion 2017/18 angehoben

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA revidiert in seinem Juli-WASDE-Bericht die Prognose für die weltweiten Getreideernten nach oben. Insbesondere die Maisernte wird um 5 Mio. t höher angesetzt. Es bleibt aber insgesamt erstmalig nach vier Jahren bei einem Bestandsabbau in 2017/18. Dementgegen nimmt der Report die Weizenernte um 1,7 Mio. t zurück, geht aber gegenüber dem Juni von höheren Anfangsbeständen aus.
Die Weizenschätzungen des Ministeriums verringern sich für die USA, die EU, Australien und China, während sie für Russland und die Türkei steigen. Dem Rückgang der Weizenproduktion in den USA im Jahresvergleich um 24% auf 47,89 Mio. t liegt eine um 13% kleinere Weizenanbaufläche und ein um 12% geringerer Hektarertrag zugrunde.

Weizenbilanz global komfortabel und in der EU sehr eng

Die Weizenmenge in der EU sieht das USDA bei 150 Mio. t (2016: 145,47 Mio. t), wobei die Endlager 2017/18 um 750.000 t auf 10,08 Mio. t oder knapp 8% des Verbrauchs abschmelzen sollen. Weltweit nimmt das USDA nur mehr einen geringen Lageraufbau beim Weizen an, wobei die Ratio von stock to use bei 35,44% eine sehr komfortable Versorgung ausdrückt. Eine Maisernte von 61,6 Mio. t macht die EU bei einem Verbrauch von 74,7 Mio. t weiterhin zum Nettoimporteur.

Strategie Grains nimmt Ernteschätzung für EU zurück

Die französische Analyse Strategie Grains nahm am Donnerstag ihre Ernteschätzung für die EU nach dem Juni ein weiteres Mal zurück. Ausschlaggebend dafür seien die Hitze und Trockenheit in Frankreich und Spanien. Dagegen sehe es im Osten des Kontinents besser aus und hoben die Analysten die Weizenprognosen für Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien an. In Summe kürzt Strategie Grains die Weichweizenproduktion 2017 in der EU gegenüber Juni um knapp 1 Mio. t auf 140,7 Mio. t. Das wären nur noch um 3,4% mehr als 2016, wo die schlechteste Weizenernte in Frankreich seit drei Jahrzehnten für ein äußerst mageres Ergebnis von 136,1 Mio. t gesorgt hat. Schon im Juni machte die Analyse Abstriche von 1,1 Mio. t bei der EU-Weizenernte. Hitze und Dürre setzen auch dem Mais zu, weshalb der Herausgeber Tallage die Ernteerwartung im Monatsabstand um 1,2 Mio. t auf 58,8 Mio. t zurückschraubt. Damit würde die EU heuer das Vorjahresergebnis von 59,9 Mio. t verfehlen.

Einige heimische Mühlen offensichtlich knapp mit Rohstoff versorgt

Wie es am Markt heißt, seien einige heimische Mühlen offensichtlich knapp an Rohstoff, um den Anschluss an die neue Ernte zu schaffen. Somit notierten diese Woche in Wien auch Mahlroggeneinfuhren aus dem EU-Ausland, wofür CPT Niederösterreich (inklusive Transport zum Abnehmer) 170 Euro/t genannt wurden. Auch Futtergerste zog an der Wiener Produktenbörse gegenüber der Letztnotierung - ebenfalls aber schon für die neue Ernte - um 7,50 Euro/t auf 128,50 Euro/t an.

Das Erntewetter war die letzten Tage nach Hitze und Dürre von Gewittern geprägt. Daraus entstandene Fallzahlschäden würden aber keine registriert. Generell hört man, dass mit Fortschreiten der Ernte auf spätere und tiefergründige Standorte die Qualitäten zunähmen. Dies gelte für die Hektolitergewichte beim Weizen, die sich stabilisierten, wie auch für die Siebung von Sommergerste. Bei den Braugersten hätten überhaupt die Wintersorten überzeugt, weil diese die Winterfeuchtigkeit hätten "mitnehmen" können. Vom Durum-Drusch werden - regional sehr unterschiedlich - Mindererträge zwischen 20 und 50% berichtet.

EU-Getreidebestände werden abgebaut

Mit einer mäßigen Getreideernte von knapp unter 300 Mio. t in der EU in diesem Jahr rechnet auch die EU-Kommission in ihrer kurzfristigen Markteinschätzung. Da dies die zweite Ernte in Folge weit ab von den Spitzen der Jahre 2014 und 2015 wäre, sinken die Getreidebestände. Demnach ging die EU mit 39 Mio. t Getreide in das neue Wirtschaftsjahr 2017/18 hinein und werde an dessen Ende über Vorräte von nur noch 35 Mio. t verfügen. Die Exporte setzt die EU-Kommission auf 38 Mio. t Getreide an, davon 26,5 Mio. t Weichweizen. Der Bestandsabbau bei Getreide werde kaum Einfluss auf die Preise ausüben, da weltweit mit einer reichlichen Versorgung zu rechnen sei. Die Rapsernte liegt nach Schätzungen der EU-Kommission bei 22 Mio. t, das wären 10% mehr als im Vorjahr. Vor allem in osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten wird mehr Raps produziert. -AIZ-

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