Unser Grünland steht am Scheideweg Plus

Grünland ist derart geduldig und tolerant, dass jahrelange Mängel in der Bewirtschaftung kompensiert werden – bis es unter extremen Stressbedingungen zusammenbricht. Genau das droht unseren Wiesen und Weiden. Ein Weckruf von Peter Frühwirth.

Ein Horrorszenario: Trockenheit, Hitzeperioden von noch nie dagewesenem Ausmaß und Engerlinge in Massen. Das Grünland stirbt ab auf tausenden Hektar. Tierbestände müssen abgestockt werden. Futterzukauf, Engerlingbekämpfung und Neuanlage des Grünlandes fordern die finanziellen Kapazitäten vieler Betriebe. Und das dreimal in fünf Jahren, 2015, 2018 und 2019. Ist das das Ende der Grünlandwirtschaft?

Ende der Grünlandwirtschaft?

Ja, es ist das Ende einer Grünlandwirtschaft, wie sie seit vielen Jahren betrieben wurde. Oder sollte es vielmehr sein. Das Ausmaß der Dimension an austrocknenden und absterbenden Grünlandbeständen durch sinkende Niederschläge und steigende Temperaturen in der Vegetationsperiode und die sich deswegen katastrophal auswirkenden Schädlingskalamitäten hat tieferliegende Ursachen, deren viele sich noch nicht bewusst sind.

Klimawandel und Engerlingfraß lassen die Folgen einer jahrzehntelangen – vorsichtig ausgedrückt – suboptimalen Bewirtschaftung des Grünlandes mit Vehemenz zu Tage treten. Der Aufbau eines an die Schnitthäufigkeit angepassten Pflanzenbestandes und vor allem die entzugsorientierte Nährstoffversorgung an Stickstoff, Phosphor und Kalzium waren und sind in der breiten Praxis kaum ein Thema, dem man sich ernsthaft in der Umsetzung gewidmet hat. Trotz aller Informationsbemühungen. Das Grünland ist auch so immer noch grün geworden.

Das große Manko in der Grünlandwirtschaft ist, dass keine Erträge gemessen werden. Die Folgen des Tuns oder...

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