Unkrautbekämpfung

10 Tipps zum optimalen Striegeln und Hacken

Bei der mechanischen Unkrautbekämpfung entscheiden Know-how und Fingerspitzengefühl. Worauf es genau ankommt, haben wir Biobauern und Produktspezialisten gefragt.

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Entwicklungsstadium der Kultur, Bodenzustand, Geschwindigkeit und der Zinkendruck wirken sich auf das Ergebnis aus. (Bildquelle: Pressebild)

Wenn man sieht, dass man losfahren müsste, ist es eigentlich schon zu spät und der Effekt ist am besten, wenn es fast schon ein Tick zu aggressiv war.“ So fasste einer unserer Ansprechpartner die Tücken der mechanischen Unkrautbekämpfung zusammen.

Wir wollten wissen, worauf es genau ankommt und haben u.a. mit dem Biobauern Moritz Reimer sowie mit Spezialisten von Einböck, Horsch, Lemken und Schmotzer gesprochen. Um nicht den Überblick zu verlieren, konzentrieren wir uns hier auf den klassischen Zinkenstriegel und die Scharhacke.

Unsere Experten waren sich nicht in allen Punkten einig, meistens wenn es um unterschiedliche Gerätebauweisen ging. Doch den folgenden zehn Einsatzgrundsätzen stimmten alle zu.

Wenn Sie Unkraut mechanisch in Schach halten möchten, sollten Sie sich dem Thema von verschiedenen Seiten nähern. Neueinsteiger müssen bereit sein, Dinge auszuprobieren und dabei auch Verluste zu akzeptieren. Bodenzustand, Wetter, Stadium der Kultur, Besonderheiten des jeweiligen Geräts: Alles wirkt sich auf Bekämpfungsergebnis und Kulturen aus. Ein weiteres, sehr wichtiges Element ist die Fruchtfolge. Manche Pflanzen passen besser zur mechanischen Unkrautbekämpfung als andere, z.B. bei Getreide: Weizen besser als Gerste, Gerste besser als Roggen.

Damit Sie bei den ersten Gehversuchen nicht den Überblick verlieren, sollten Sie über Ihre Maßnahmen Buch führen. Schreiben Sie alle Rahmenbedingungen und das Ergebnis auf. Steigen Sie häufiger vom Traktor ab und schauen Sie nach, was passiert. Stellen Sie neu ein, versuchen Sie andere Taktiken. Wenn Sie Anfänger sind und die ersten Flächen gestriegelt haben: Gehen Sie die ersten Tage nicht hin, um nachzuschauen. Denn die Bestände sehen zuerst arg mitgenommen aus. Die positiven Effekte stellen sich oft erst mit Abstand ein.

Kalkulieren Sie eventuelle Verluste durch den mechanischen Einsatz ein. Viele Praktiker arbeiten mit 5 bis 10% mehr Aussaatmenge, wenn mehr als ein Striegelgang durchgeführt wird.

Auf der anderen Seite kann die mechanische Unkrautbekämpfung auch die Vitalität der Bestände fördern: Brechen von Krusten, belüften der Böden, bessere Erwärmung, intensivere Bestockung. Und auch Herbizide können die Kulturen beeinträchtigen.

Wie immer gilt: So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig. Denn jede weitere Überfahrt kostet Geld und Zeit, belastet die Kultur, macht den Boden noch feiner und stört eventuell Bodenbrüter. Fahren Sie nicht dem letzten Unkraut hinterher. Nach jedem Striegeleinsatz müssen Sie den Kulturpflanzen Zeit geben, sich wieder fest zu verwurzeln.

Mechanische Unkrautbekämpfung erfordert etwas mehr Toleranz gegenüber den Beikräutern. Wenn aber alles klappt, sind sehr saubere Bestände möglich. Generell gilt: Überprüfen Sie die Einstellung Ihrer Geräte mehrmals. Schon kleine Änderungen bei den Rahmenbedingungen wirken sich aus – positiv und negativ.

1. Start Stoppelbearbeitung

Die ersten Weichen stellen Sie bei der Stoppelbearbeitung nach der Vorfrucht. Gute Strohverteilung ist wichtig. Beim Stoppelsturz flach (max. 5 cm) und ggf. mehrmals arbeiten. Es geht darum, so viel Samenpotenzial wie möglich zum Auflaufen zu bringen. Vorteil zu diesem Zeitpunkt: Sie brauchen keine Rücksicht auf wachsende Kulturen zu nehmen.

2. Exaktes Saatbett

Größte Sorgfalt ist beim Saatbett wichtig. Es kommt auf eine möglichst ebene Oberfläche an. Denn später sollen Striegel und Hacke so exakt wie möglich arbeiten – und das geht nicht bei Wellen, Dämmen oder großen Kluten. Falls der Boden nicht ganz eben ist, kann ein Walzengang sinnvoll sein.

Wenn Sie die Wahlmöglichkeit haben, nutzen Sie eine Walze, die nur einen geringen Krümeleffekt hat. Denn je nach Boden darf das Saatbett nicht zu fein sein. Jeder Striegelgang oder Hackeneinsatz beeinflusst die Bodenstruktur zusätzlich. Geht der Boden schon zu fein an den Start, kann er später verschlämmen bzw. verkrusten.

Ein Trick, der auch im konventionellen Anbau immer beliebter wird, ist das Scheinsaatbett. Sie machen den Acker zwei bis drei Wochen vor der eigentlichen Saat komplett saatfertig, ohne aber wirklich zu säen. Jetzt beobachten Sie genau, wann sich die Unkräuter regen, fast wie ein Angler. Im Fadenstadium – also, wenn der Keimling noch weiß ist und den Boden gerade durchstoßen will – ist er besonders empfindlich. Dann schlagen sie mit dem Striegel zu – bei Bedarf zweimal. Dabei möglichst flach arbeiten und möglichst wenig Erde bewegen.

Auch bei der anschließenden Saat versuchen Sie, so wenig Boden wie irgend möglich zu bewegen. Jede Bewegung, jede Bodenbearbeitung bringt neue Samen zum Keimen. Je exakter Sie bei der Saat arbeiten, desto gleichmäßiger ist der Feldaufgang. Gleichmäßige junge Bestände lassen sich viel gezielter bearbeiten.

3. Wie wirkt ein Striegel?

Die Wirkung des Striegels beruht auf dem Herausreißen und zu mehr als 50 % auf dem Verschütten unerwünschter Keimlinge. Der Boden muss also in jedem Fall schüttfähig sein. Eine gute Kalkversorgung unterstützt die Schüttfähigkeit. Striegeln bei feuchtem Boden erzeugt nur Rillen.

Wind und Sonne trocknen ausgerissene Unkräuter aus. Bei warmem Wetter sind die Pflanzen elastischer und vertragen das Striegeln besser. Nicht bei Frostgefahr striegeln! Nach dem Einsatz sind die Kulturen mindestens 24 bis 32 Stunden frostempfindlich.

4. Striegeln ist Terminarbeit

Wer bei der mechanischen Unkrautbekämpfung das richtige Zeitfenster nicht nutzt, kommt später vielleicht nicht mehr hinterher.

Einige unserer Ansprechpartner haben festgestellt, dass vor...


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