400.000 t weniger Getreide

Die österreichische Getreideernte startete heuer so früh wie noch nie und fällt gegenüber dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre um 12% niedriger aus. Die Getreideproduktion (ohne Mais) wird derzeit auf knapp 2,8 Mio. t geschätzt und liegt um rund 400.000 t unter dem Durchschnitt.

Die Produktion (ohne Mais) wird auf knapp 2,8 Mio. t geschätzt - Qualität gut. (Bildquelle: top agrar )

Gegenüber der schwachen Ernte 2017 ergibt sich ein Minus von 0,5%. Damit wird das zweite Jahr in Folge eine trockenheitsbedingt geringe Getreideernte verzeichnet. Dies teilte Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender der Agrarmarkt Austria (AMA), im Rahmen der Erntebilanz mit. Als einzige Hoffnung für die Landwirte bleibt eine gegenüber dem Vorjahr erhöhte Maisernte im Herbst, so Griesmayr. Die prognostizierte Gesamtproduktion von 4,9 Mio. t (inklusive Mais) beeinflusst die österreichische Getreidebilanz negativ. Bei einem wachsenden Inlandsverbrauch von rund 6 Mio. t bleibt der Importnettobedarf auf dem hohen Niveau des Vorjahres von 1,2 Mio. t. Vorausgesetzt die Maisernte entspricht tatsächlich den derzeit guten Erwartungen.

Preise für Futtergetreide im Plus, Minus für Premiumweizen

Das abgelaufene Getreidewirtschaftsjahr 2017/2018 war geprägt von einem geringen Futtergetreideangebot und einem überproportional hohen Angebot im Qualitäts- und Premiumsegment. Für 2018/2019 wird eine ähnliche Qualitätsverteilung erwartet. Erste Notierungen der neuen Ernte für Premiumweizen an der landwirtschaftlichen Produktenbörse in Wien liegen bei 180 bis 188 Euro/t. Entsprechend dem hohen Angebot in dieser Qualitätsstufe bedeutet das einen Preisrückgang um rund 20 Euro/t zum Vorjahr. Futtergerste konnte sich jedoch entsprechend dem knappen Angebot preislich zum Vorjahr steigern und liegt bei 134 bis 148 Euro/t. Ausschlaggebend für den europäischen Getreidemarkt ist die Leitbörse Euronext in Paris. Zusätzlich wird das Ergebnis der bevorstehenden Maisernte die weitere Entwicklung der Getreidepreise beeinflussen, erläuterte Hautzinger.

Verschiebungen bei den Anbauflächen

In den vergangenen Jahren kam es im österreichischen Ackerbau zu einer deutlichen Verschiebung vom Frühjahrsanbau zum Herbstanbau und einer deutlichen Steigerung des Sojaanbaus. Diese Verschiebungen verdeutlichen eine stärkere Marktorientierung der landwirtschaftlichen Betriebe, erläuterte Griesmayr. Der im Vorjahr knappe Mahlroggen wurde vermehrt ausgesät (+6.247 ha), um die Versorgung mit inländischer Ware zu sichern. Zudem führte das geringe Angebot an Futtergetreide dazu, dass Wintergerste auf einer größeren Fläche bestellt wurde (+6.732 ha). Die Weichweizenfläche wurde mangels preislicher Attraktivität nach dem Langzeittief des Vorjahres noch einmal leicht reduziert (-655 ha). Sommergerste konnte durch den langen Winter noch spärlicher (-6.362 ha) als in den Vorjahren angebaut werden. Die Fläche dieser zum großen Teil als Braugerste verwendeten Kultur ist somit um die Hälfte geringer als noch vor zehn Jahren. Körnermais konnte die Flächengewinne aus dem Vorjahr mit leichten Verlusten halten.

Zuckerrübe auf historischem Tief, Soja auf Rekordniveau

Das massive Auftreten des Rüsselkäfers zwang die heimischen Landwirte teilweise nach mehrmaligem Wiederanbau dazu, fast ein Drittel der Zuckerrübenfläche umzubrechen. Damit sinkt der Rübenanbau auf einen historischen Tiefstwert. Auf den umgebrochenen Flächen wurden unter anderem Sojabohnen und Mais kultiviert. Die Sojabohnenfläche ist entsprechend dem mehrjährigen Aufwärtstrend mit der diesjährigen Zunahme von rund 3.200 ha die bereits viertgrößte Kultur auf unseren Äckern. Österreich ist mittlerweile der fünftgrößte Sojaproduzent aller 28 EU-Mitgliedstaaten, informierte Griesmayr.

Die Ölrapsfläche bleibt auf demselben niedrigen Niveau wie 2017, während die Sonnenblumenfläche einen Teil der Zugewinne aus dem Vorjahr abgibt (-516 ha). Beim Öl- und Speisekürbis wurde die Fläche nach der vorjährigen Halbierung in geringem Ausmaß erweitert (+503 ha).

Bio-Ackerfläche: Positiver Trend hält an

Die Bio-Ackerfläche legte heuer, dem mehrjährigen Trend folgend, erneut zu, und zwar um 10.359 ha (+7%), das entspricht einem Anteil von 18% an der gesamten Ackerfläche. Im Bio-Landbau verzeichnet Weichweizen das größte Flächenplus (+3.841 ha). Die zweitgrößte Zunahme unter den biologischen Feldfrüchten verzeichnet Roggen (+2.963 ha). Die Bio-Wintergerstenfläche wurde ebenfalls ausgedehnt (+1.678 ha). Bio-Dinkel setzt die im Vorjahr begonnene Flächenabnahme weiter fort (-2.454 ha), da die Preise nach dem Minus im Vorjahr weiter gesunken sind. Unter den im Herbst zu erntenden Bio-Feldfrüchten können Körnermais (+2.785 ha) und Sojabohne (+1.534 ha) die größten Zugewinne für sich verbuchen.

Frühjahrstrockenheit wirkte sich deutlich aus

"Nach einem langen Winter wirkte sich heuer der besonders trockene und warme April negativ auf die Entwicklung des Getreides aus. Die Trockenheit im östlichen Niederösterreich und im Nordburgenland war ähnlich gravierend wie im Vorjahr, in Oberösterreich wurden wesentlich weniger Niederschläge als im langjährigen Mittel verzeichnet. Im Süden des Bundesgebiets hingegen kam es teilweise zu sintflutartigen Niederschlägen. Verzögerungen bei der Kürbis- und Maisaussaat sowie liegende Getreidebestände waren die Folge der großen Regenmengen, berichtete der Verwaltungsratsvorsitzende der AMA, Franz Stefan Hautzinger. Durch hohes Fachwissen, vielfältige Fruchtfolgen, Begrünungen und schonende Bodenbearbeitung haben unsere Bäuerinnen und Bauern einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit geleistet. Wenn sich die Böden nicht in einem gesunden Zustand mit einer guten Wasserspeicherfähigkeit befinden würden, wären die Ertragseinbußen aufgrund der Niederschlagsdefizite in manchen Gebieten noch viel gravierender, so Hautzinger.

Weichweizen: Menge um 20% unter dem Fünfjahresdurchschnitt

Was die Ernteergebnisse der Hauptkulturen betrifft, so wird bei Weichweizen - die Kultur mit dem höchsten Flächenanteil in Österreich - die Menge rund 1,3 Mio. t betragen und somit um etwa 20% unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegen. Es zeichnen sich abermals gute Qualitätsmerkmale - überdurchschnittlich hohe Proteingehalte und hohe Fallzahlen - ab. Erste Ergebnisse der Untersuchungen aus der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung in Wien weisen bis dato sehr gute Knet- und Backeigenschaften auf. Bundesweit wird die Qualitätsverteilung derzeit auf rund 75% Premium- und Qualitätsweizen sowie 25% Mahlweizen geschätzt und liegt somit deutlich über dem Fünfjahresmittel. Daher bestehen weiterhin gute Chancen für die Vermarktung an die inländische Mühlenindustrie und im Export, vor allem nach Italien.

Braugerstenangebot stark gesunken

Hartweizen erreicht heuer niedrige Erträge, die unter dem trockenen Vorjahr liegen. Die Qualitätseigenschaften für die Teigwarenherstellung sind wieder hervorragend. Wintergerste fällt zum Vorjahr nur leicht ab. Die rasche Entwicklung ermöglichte es dieser Kultur, die Trockenheit besser zu überstehen als Weizen. Das Braugerstenangebot ist durch eine stark verminderte Aussaat, schwache Erträge und Qualitätsmängel (zu hohe Proteingehalte) stark zurückgegangen. Roggen - das zweitwichtigste Brotgetreide in Österreich - liefert auf den bisher geernteten Flächen im Hauptanbaugebiet Waldviertel bessere Erträge als im Vorjahr. Zudem stehen den heimischen Mühlen durch die ausgeweitete Fläche rund 50% mehr Roggen zur Verfügung als im Vorjahr. Raps liegt auf dem unterdurchschnittlichen Ertragsniveau des Vorjahres. Das Angebot an Körnererbsen verringert sich heuer durch niedrige Hektarerträge und einer stagnierenden Fläche.

Inlandsverarbeitung forciert

"Auch in einem schwachen Erntejahr wie heuer ist es unser Ziel, den Rohstoffbedarf für den Lebensmittelsektor zu decken - trotz der steigenden Verarbeitungsmengen, stellte Hautzinger fest. Im Mühlensektor kam es in den letzten Jahren zu einer Ausweitung der Weichweizen- und Hartweizenvermahlung (Teigwaren) sowie einem Vermahlungsplus bei Bio-Getreide. Der Mischfuttersektor weist ebenfalls eine höhere Bio-Getreideverarbeitung auf, während beim konventionellen Getreide im Vorjahr mehr Gerste und weniger Weizen verarbeitet wurde. Die heurige Braugerstenernte fällt, bedingt durch Flächenreduktionen und niedrige Hektarerträge und Qualitätseinbußen, deutlich unter den Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Aus derzeitiger Sicht ist die Versorgung mit österreichischer Braugerste für die inländische Verarbeitung nicht gesichert, so Hautzinger.

Im Wirtschaftsjahr 2018/2019 werden die Getreideexporte auf 1,6 Mio. t geschätzt, die Importe dürften auf 2,8 Mio. t zulegen. In den letzten Jahren machten die Exporte 1,1 bis 1,7 Mio. t aus und die Importe - je nach inländischer Erntemenge - zwischen 2,0 und 2,7 Mio. t. Vor allem die Lieferungen von hochwertigem Premium- und Qualitätsweizen nach Italien bilden die Basis für einen wertmäßig positiven Außenhandelssaldo.

Direktzahlungen und Risikomanagement weiterhin wichtig

Die bescheidene Getreideernte und die erwarteten Preisanstiege - allerdings auf einem niedrigen Niveau - würden ohne Direktzahlungen zu einem Nullsummenspiel für die Landwirte werden. Zu verdienen gebe es bei Deckungsbeiträgen von rund 90 Euro je ha für Weichweizen oder 35 Euro bei Hartweizen kaum etwas. Daher hätten die Direktzahlungen für die Betriebe nach wie vor eine große Bedeutung, so Hautzinger.

"Die Landwirte hoffen jetzt auf eine gute Herbsternte. Die Kulturen Mais, Sonnenblume und Sojabohne fanden bis zum jetzigen Zeitpunkt überwiegend gute Bedingungen vor. Derzeit wird von einer Steigerung der Maisernte gegenüber dem Vorjahresergebnis um 4% ausgegangen, informierte Hautzinger. Es mache sich heuer wieder die Strategie der Landwirte bezahlt, mit einer vielfältigen Fruchtfolge aus Kulturen der Sommer- und der Herbsternte Risiken einzelner Ernteausfälle abzumildern. Nachdem im Biobereich noch höhere Deckungsbeiträge zu erzielen seien, könne er sich einen Ausbau der Bioproduktion vorstellen, der Markt würde das zulassen. Mittelfristig werde angesichts zunehmender Witterungsextremereignisse das Risikomanagement an Bedeutung gewinnen, hier sollte die öffentliche Hand bei den Prämien Unterstützung leisten. Sinnvoll wäre auch eine forcierte Herkunftsstrategie bei Getreideprodukten.
 

Artikel geschrieben von

Markus Schwaiger

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