6.000 ha vom Rüsselkäfer geschädigt: Ein Vorgeschmack auf die Nach-Neonic-Zeit

Von einer wahren Rüsselkäfer-Invasion sind Bauern vor allem im Tullnerfeld und im Weinviertel betroffen. Aktuell sind bereits rund 6.000 ha von dem Käfer in Mitleidenschaft gezogen worden. „Über 2.000 ha davon sind unwiederbringlich verloren und müssen mit Soja oder Mais bestellt werden“, so Markus Taferner vom Rübenbauernbund. Wir zeigen das Ausmaß an einem Beispiel.

Rüsselkäfer

Schon 2017 gab es teils große Ausfälle auf Rübenschlägen wie hier, wo im Hintergrund noch der Restbestand von weitem grün schimmert. Heuer arten die Schäden zur Katastrophe aus. (Bildquelle: Die Rübenbauern )

Nachdem der Rüsselkäfer-Druck bereits 2017 ziemlich groß war, kommt es heuer zu einem Massenauftreten des Schädlings. Zu Anfang dieser Woche waren laut Rübenbauernbund schon 15 % der insgesamt 40.000 ha Rübenfläche von dem Käfer befallen. Die rasche starke Erwärmung auf über 20° C bietet dem Schädling prächtige Entwicklungsmöglichkeiten. Ab dieser Temperatur beginnt er nämlich zu fliegen und legt somit weitere Strecken spielend zurück. „Bei diesem massiven Druck reicht nicht einmal mehr der Schutz durch die Neonics in der Pille aus“, so Taferner.

Wobei Johann Hager von der Rübensamenzucht ergänzt, dass die Rübenpillen schon seit Jahren immer mit der höchstmöglichen Aufwandmenge an Neonics gebeizt sind. Der Einsatz sei nicht auf Druck der Umweltschutz-Lobby reduziert worden, wie manche Bauern vermuten. 

Laut Hager liege das Massenauftreten neben der Witterung an dem seit etwa vier Jahren grundsätzlichem Anstieg der Population. Der Fachmann sieht aufgrund der aktuellen Erfahrungen schwarz für den Rübenanbau, wenn das Neonic-Verbot am 27. April in Brüssel beschlossen wird (siehe den aktuellen Kommentar in top agrar Österreich)
 
Ein Landwirt aus dem Weinviertel schickte uns einige Fotos, die zeigen, wie katastrophal die Situation in den betoffenen Regionen ist:

Rüben 1

"So sah der Bestand letzte Woche aus", schreibt der Landwirt. Insgesamt hat er heuer etwas mehr als 15 ha Rüben angebaut. (Bildquelle: zVg)

Rüben 2

Der gleiche Bestand am Freitag letzte Woche. Erste kleine Anzeichen vom Rüsselkäfer waren bereits erkennbar. (Bildquelle: zVg)

Rüben 3

Am Samstag waren deutliche Fraßschäden zu sehen. Der Landwirt setzte das per Notfallzulassung freigegebene Biscaya ein. (Bildquelle: zVg)

Rüben 4

Der Bestand am Anfang dieser Woche. In kürzester Zeit "grasten" die Käfer den Bestand ab. "Was nach der Rüsselkäferattacke bleibt", schreibt dazu der Landwirt. (Bildquelle: zVg)

rüben 5

"Der Bestand jetzt", schreibt der Landwirt weiter. "Es bleiben nur Stängel und die Käfer (neben dem Stängel zu sehen)." (Bildquelle: zVg)

Der Weinviertler Bauer hat einen Ausfall durch den Käfer von insgesamt 70 % seiner angebauten Fläche zu beklagen. Zwar wird er diese Flächen heuer noch einmal anbauen. Unterm Strich ist dies aber mit Mehrkosten für Saatgut, Spritzmittel, Arbeit und Maschinen von schätzungsweise 500 €/ha verbunden. Zudem rechnet er durch den späteren Aussaattermin mit geringeren Erträgen. Und ob der Zweitanbau" überhaupt gelingt, sei erst abzuwarten. Der Landwirt will es mit einer künstlichen Beregnung als Mittel gegen den Rüsselkäfer" versuchen. Unterm Strich dürfte der Rübenanbau heuer zum Minusgeschäft für ihn werden.

Den Verantwortlichen für das Verbot von Neonics in Rüben sei gesagt: Die heurige katastrophale Situation in den betroffenen Anbaugebieten bietet einen Vorgeschmack auf die Zeit nach dem Neonic-Verbot. Branchenkenner schätzen, dass wohl mindestens 30 % aus der Rübenproduktion aussteigen könnten.


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