NASA/PIK

Bauern müssen sich bereits jetzt auf neue Klimarealität einstellen

Wenn sich die derzeitigen Trends der globalen Erwärmung fortsetzen, sind in den kommenden zehn Jahren spürbare Auswirkungen auf den Anbau der wichtigsten Kulturpflanzen zu erwarten.

Neue Computersimulationen sagen tiefgreifende Veränderungen in den Anbaubedingungen und Erträgen der wichtigsten Kulturpflanzen schon in den nächsten 10 Jahren voraus, wenn sich die derzeitigen Trends der globalen Erwärmung fortsetzen.

In den wichtigsten Kornkammern der Welt kann es viel schneller als bisher erwartet zu gravierenden Veränderungen kommen, so dass sich die Landwirte in aller Welt schon jetzt an die neuen klimatischen Gegebenheiten anpassen müssen.

Bis Ende 2100 könnten global die Mais-Erträge um fast ein Viertel zurückgehen, während die Weizenerträge möglicherweise weltweit um etwa 17 % steigen könnten. Das teilt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) mit.

Klimawandel hat erheblichen Einfluss

„Wir stellen fest, dass die neuen Klimabedingungen die Ernteerträge in immer mehr Regionen erheblich beeinflussen. Die menschengemachten Treibhausgasemissionen führen zu höheren Temperaturen, veränderten Niederschlagsmustern und mehr Kohlendioxid in der Luft", erklärt der Hauptautor Jonas Jägermeyr, Klimawissenschaftler am Goddard Institute for Space Studies (GISS) der NASA, am Earth Institute der Columbia University in New York City und am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Das hat seiner Meinung nach Folgen für das Pflanzenwachstum. "Wir sehen, dass in vielen wichtigen Kornkammern der Welt anormale Jahre schon innerhalb des nächsten Jahrzehnts oder kurz danach zu normalen Jahren werden. Für uns ist das der Zeitpunkt, an dem das Klimawandel-Signal klar alles historische Rauschen übertönt", so Jägermeyr.

Laut dem Klimafachmann müssten sich die Landwirte viel schneller anpassen, indem sie zum Beispiel den Zeitpunkt der Aussaat verändern oder andere Pflanzensorten verwenden. So ließen sich schwere Verluste vermeiden, aber auch Gewinne erzielen, etwa in den höheren Breitengraden.

Mais drohen Verluste, Weizen kann gewinnen

Die Forscher stellten fest, dass es schon sehr bald und in sehr vielen wichtigen Anbauregionen zu erheblichen Veränderungen kommen wird. In Nord- und Mittelamerika, Westafrika, Zentral- und Ostasien könnten die Maiserträge in naher Zukunft um mehr als 20 % zurückgehen.

Bei Weizen hingegen, der am besten in gemäßigten Klimazonen gedeiht, könnte die Produktivität in den derzeitigen Anbauregionen unter dem Klimawandel steigen, so etwa in den nördlichen Vereinigten Staaten und Kanada sowie in China.

Klimaeffekte in der Landwirtschaft verschärfen Unterschiede

„Unsere Daten zeigen deutlich, dass ärmere Länder wahrscheinlich die stärksten Rückgänge bei den Erträgen ihrer wichtigsten Grundnahrungsmittel verzeichnen werden. Das verschärft die bereits bestehenden Unterschiede in der Ernährungssicherheit und im Wohlstand", sagt Christoph Müller, Mitautor und ebenfalls Forscher am Potsdam-Institut.

Unter dem Strich würden die Zuwächse bei Weizen im globalen Norden die Verluste bei Mais im globalen Süden nicht ausgleichen. Den armen Ländern und natürlich den betroffenen Kleinbauern selbst fehlten oft die Mittel, sich ihre Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt zu beschaffen.

Während einige im globalen Norden von dem prognostizierten grundlegenden Wandel der landwirtschaftlichen Produktionsmuster profitieren dürften, könnte er im globalen Süden zu einem Risiko für die Ernährungssicherheit werden.

Klima-Anpassung in jedem Fall nötig

Die Temperatur ist nicht der einzige Faktor, der für künftige Ernteerträge von Bedeutung ist, so das PIK weiter. Ein höherer Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre wirke sich positiv auf das Pflanzenwachstum aus, insbesondere bei Weizen.

Andererseits könne sich dadurch auch der Nährwert der Pflanzen verringern. Steigende globale Temperaturen stehen auch in Verbindung mit veränderten Niederschlagsmustern und der Häufigkeit und Dauer von Hitzewellen und Dürren, die die Gesundheit und Produktivität der Pflanzen gefährden. „Selbst unter optimistischen Klimaszenarien, bei denen alle sich heftig ins Zeug legen, um den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen, wird sich die globale Landwirtschaft einer neuen Klimarealität stellen müssen", so Jägermeyr.