Getreidemärkte 2014: Berg- und Talfahrt der Preise

Im Erntejahr 2014 hat sich am Feld und an den Warenterminbörsen viel getan. Martin Ziegelbäck, Geschäftsführer der Saatbau Preisgut GmbH, im Interview über die Entwicklungen an Warenterminbörsen und über die Gewinner und Verlierer im Erntejahr 2014.

Mag. Martin Ziegelbäck ist Geschäftsführer der Saatbau Preisgut GmbH. Diese ist eigenen Angaben zufolge Makler an 85 Terminbörsen weltweit, von Getreide und Ölsaaten über Milch und Fleisch bis hin zu Biodiesel und Dünger. (Bildquelle: )

Herr Ziegelbäck, Sie sind Makler an Warenterminbörsen. Wie sahen Sie die Preisentwicklung an den Getreidemärkten in diesem Jahr?
Die landwirtschaftlichen Produzenten in Österreich und Europa gingen frohen Mutes in das Erntejahr 2014. Die Getreidebestände kamen in gutem Zustand aus einem milden Winter und die Preise der vergangenen Jahre nährten die Hoffnung auf solide Erlöse. Diese Hoffnung wurde befeuert durch den Ukrainekonflikt und durch ein sehr trockenes Frühjahr in den nordamerikanischen Weizenanbaugebieten. Notierte die neue Ernte Anfang Februar an der Pariser Börse noch bei knapp 182 €/to, so folgte ein dreimonatiger Preisanstieg auf 210 €/to. Vielen Betriebsführern war Anfang Mai bereits klar, dass es zu einer europäischen Rekordernte kommen wird. Diejenigen, die einer disziplinierten Rechnung folgten, vermarkteten zu diesem Zeitpunkt Teilmengen über Vorkontrakte. Was danach folgte, ist hinlänglich bekannt. Zwar traf die erwartete Rekordernte ein, Qualitäten und Preise enttäuschten jedoch. Der Tiefstkurs an der MATIF lag Ende September bei rund 150 €/to.

Ein Jahr, um daraus Lehren für zukünftige Vermarktungsstrategien zu ziehen?
Definitiv. Die Erlösunterschiede betragen oftmals 500 €/ha. Am wirtschaftlichsten agiert haben jene Betriebe, die sich mit den Märkten beschäftigen. Eine vorausschauende Vermarktung ist tendenziell immer vorteilhafter.

Gibt es in der Vermarktung Grundregeln, die beachtet werden können?
Preise, die einen positiven Deckungsbeitrag versprechen, sollen abgesichert werden. Von der Hoffnung auf weiter steigende Preise kann man nicht leben und nicht wirtschaften. Vor der Ernte werden in der Regel Risikoprämien eingepreist, die Landwirte nützen sollten. Grundsätzlich ist zu sagen, dass Landwirte zu Preisen vermarkten sollten, mit denen Sie ihren Betrieb weiterentwickeln können.
Des Weiteren sollen Landwirte keine Qualität garantieren, die sie nicht liefern können. Wenn Betriebsführer Qualitätskriterien in Vorkontrakten nicht erfüllen können, werden sie mit empfindlichen Abzügen bestraft. Werden diese übererfüllt, wird dies in der Regel nicht abgegolten. Terminkontrakte hingegen beschreiben eine Standardqualität. So entgehen Landwirte diesem Risiko.
Empfehlenswert ist es für den Landwirt, Mindestpreise und Preisbänder fest zu legen. An Terminbörsen können gegen Bezahlung einer Prämie Mindestpreise fixiert werden. So kann man weiterhin von steigenden Preisen profitieren und ist gleichzeitig nach unten abgesichert. Das kostet zwar ein paar Euro pro Tonne – aber ein Landwirt oder eine Betriebsführerin würde auch nicht auf eine Pflanzenschutzmaßnahme verzichten, wenn diese notwendig ist.

Welche Vorteile haben Terminkontrakte gegenüber Vorkontrakten?
Die Aufgabe eines jeden Unternehmers ist es, nach vorne zu denken. Chancen müssen aktiv genutzt werden. Das erfordert oftmals ein kalkuliertes und rasches Handeln. Terminkontrakte bieten die notwendige Flexibilität in der Vermarktung. Man könnte auch sagen, Terminkontrakte sind die besseren Vorkontrakte.

Artikel geschrieben von

Weninger Lukas

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Kommentar: Selbstverursachtes Bio-Chaos

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