Glyphosat-Studie zur "Unstatistik des Monats" gewählt

Die vor zehn Tagen von verschiedenen Umweltorganisationen präsentierte Studie zum Thema "Glyphosat im Harn " stößt nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch bei anerkannten Wirtschafts- und Statistikexperten auf heftige Kritik. In Deutschland wurde eine entsprechende Meldung des Südwestrundfunks vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI zur "Unstatistik des Monats " erklärt.

round up

(Bildquelle: )

Die Meldung des Südwestrundfunks titelte Bei 70% aller deutschen Großstädter konnte das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat im Urin nachgewiesen werden." Die oben genannte Zahl stammt aus einer Erhebung von Umweltorganisationen (Global 2000 usw.) und dem Netzwerk Friends of the Earth , wobei im Zeitraum März bis Mai 2013 Urin-Proben von insgesamt 182 Testpersonen aus 18 europäischen Ländern auf den Wirkstoff Glyphosat untersucht wurden. Zehn Personen stammten aus Deutschland.

Verunsicherung und Panikmache

Die Aussagen dieser Studie wurden von zahlreichen Medien (auch in Österreich) übernommen, sie sind jedoch laut RWI aus mindestens zwei Gründen als grober statistischer Unfug einzuordnen: Zum einen ist es schlicht unmöglich, aus einer Stichprobe von zehn Personen auf die gesamte deutsche Großstadtbevölkerung rückzuschließen. Zum anderen sagt allein die Existenz eines Schadstoffs noch nichts über dessen Gefahrenpotenzial aus , so die Experten. Dieser Zusammenhang werde in der Medienberichterstattung über Umweltgifte in aller Regel ignoriert und zur Verunsicherung und Panikmache genutzt . Derartige Giftfunde seien in erster Linie ein Hinweis auf die immer präziseren Analysemethoden.

Mit der Unstatistik des Monats hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Alle Unstatistiken sind im Internet unter www.unstatistik.de zu finden.

"profil lässt Volk über Pflanzenschutzmittel abstimmen

Die genannte Studie hatte, wie berichtet, auch in Österreich für große Aufregung gesorgt. Die Umweltorganisation Global 2000 hatte die Erhebung Mitte Juni unter dem Titel Gefährliches Pestizid im menschlichen Körper nachgewiesen präsentiert. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) stellte dazu sofort klar, dass bisher keine Überschreitungen der zulässigen Höchstgehalte an Glyphosat nachgewiesen wurden. Selbst bei Überschreitung der Rückstandshöchstgehalte ist daraus eine gesundheitliche Auswirkung auf den Menschen nicht unbedingt abzuleiten, da bei deren Festlegung große Sicherheitsfaktoren einbezogen werden , so die AGES.

Sie verweist auch auf eine Untersuchung des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), aus der hervorgeht, dass die im Urin nachgewiesenen Konzentrationen sehr gering sind und keinen Hinweis auf die Aufnahme gesundheitsgefährdender Mengen dieses Wirkstoffes geben .

Diese Klarstellungen fanden hierzulande in der medialen Berichterstattung zu dem Thema kaum Berücksichtigung. Daher ist das Ergebnis einer heute veröffentlichten (vom Nachrichtenmagazin profil in Auftrag gegebenen) Umfrage wenig überraschend: 84% der Österreicher sind dafür, den Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff Glyphosat zu verbieten. -AIZ-


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