Erntebilanz

Heimische Getreideernte besser als erwartet

"Überwiegend gute Qualitäten und Erträge über den Erwartungen", fasste Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender der Agrarmarkt Austria (AMA), die vorläufigen Ergebnisse für die Getreideernte 2020 zusammen. Mit rund 3,1 Mio. t (ohne Mais) liegt die Ernte auf Vorjahresniveau.

Gerstenernte

Die Gesamtproduktion (inkl. Mais) sieht die AMA aufgrund der guten Maisbestände mit rund 5,4 Mio. t auf Vorjahresniveau. (Bildquelle: Kraml)

"Österreich ist mit dem bedeutenden Grundnahrungsmittel Getreide ausreichend versorgt", betonte Griesmayr mit Blick auf die Corona-Krise. Die Ernte startete hierzulande ein bis zwei Wochen später als in den Vorjahren und zeigt große regionale Unterschiede sowie ein deutliches West-Ost-Gefälle. Wird im Zentralraum Oberösterreich von einer sehr guten Ernte gesprochen, so konnte im Osten der Regen die langanhaltende Trockenheit im Frühjahr häufig nicht mehr kompensieren. Die Gesamtproduktion (inkl. Mais) sieht die AMA aufgrund der guten Maisbestände mit rund 5,4 Mio. t auf Vorjahresniveau.

Wechsel von Sommerungen auf Winterungen

In der Kulturartenverteilung ist es auch heuer wieder zu deutlichen Verschiebungen gekommen. Gründe dafür sind, dass die Landwirte verstärkt auf Signale des Marktes reagieren und wegen der sich ändernden Witterungsbedingungen mit zunehmend ausgedehnten Trockenphasen häufig Winterungen den Sommerungen vorziehen. So folgte die Winterweichweizenfläche dem Abwärtstrend der Vorjahre (-2.119 ha) und liegt mit 246.106 ha auf dem historisch geringsten Wert. Dennoch ist Weizen weiterhin die bedeutendste Kulturart in Österreich. Die zweitwichtigste Getreideart für die Vermahlung ist Roggen, wo heuer die Fläche wegen der Preissituation um 981 ha abgenommen hat, aber trotzdem über denen der Jahre 2016 bis 2018 liegt.

Als Reaktion auf die in den letzten Jahren deutlich ausgeprägte Frühjahrstrockenheit schrumpfte heuer die Sommergerstenfläche erneut auf ihr historisch geringstes Ausmaß. In den letzten drei Jahren halbierte sich die Fläche dieser Kultur nahezu (-41%). Wintergerste konnte in der Fläche wieder zulegen. Konkret bestellten die Landwirte in der laufenden Saison 1.906 ha mehr mit dieser Getreideart, bei der durch die Ausnutzung der Winterfeuchtigkeit sowie die früheste Abreife aller Getreidearten im Juni gute Erträge erzielt werden konnten. Bei Mais haben unbefriedigende Preissignale den Aufwärtstrend in der Aussaatfläche mit einem Minus von 8.189 ha gebremst, welche aber weiterhin über jenen in den Jahren 2015 bis 2018 liegen.

Für Raps wurde aufgrund suboptimaler Anbaubedingungen im Herbst sowie einem zunehmenden Schädlingsdruck eine Flächenreduktion von 4.163 ha registriert. Die Fläche für Zuckerrüben sank 2020 laut AMA um 1.209 ha. "Flächengewinner" waren aufgrund positiver Preisimpulse Sonnenblumen (+2.270 ha) sowie Ölkürbis mit der größten Zunahme aller Ackerkulturen im Vergleich zum Vorjahr um 10.316 ha auf das Niveau knapp unter dem Rekord aus 2016 (39.470 ha). Sojabohnen konnten den Flächenrekord aus dem Vorjahr mit geringen Verlusten halten (-687 ha).

Kürbis

Ölkürbis verzeichnete mit 10.316 ha die größte Fläschenzunahme aller Ackerkulturen im Vergleich zum Vorjahr. (Bildquelle: Archiv)

Bio-Anteil an Ackerfläche weiterhin bei 20%

Die Bio-Ackerflächen konnten den Rekordzuwachs aus dem Vorjahr halten und um weitere 1.931 ha zulegen. Innerhalb der Biogetreidearten wurden einige Verschiebungen entsprechend der Nachfrage vollzogen. Bio-Futtergetreide wurde reduziert (-8.058 ha), während aufgrund der gesteigerten Nachfrage mehr Bio-Mahlgetreide (+2.437 ha) angebaut wurde. Die Kulturflächen von Bio-Hirse (+1.054 ha), Bio-Ölsonnenblumen (+1.584 ha) sowie Bio-Sojabohnen (+2.140 ha) wuchsen deutlich gegenüber dem Niveau des Vorjahres.

Windisch: Stimmung zwischen Hoffen und Bangen

"Die Stimmung in der Landwirtschaft war in den vergangenen Monaten zwischen Hoffen und Bangen, da es sich hier nicht um eine 'Knopfdruck'-Produktion, sondern um eine Werkstatt unter freiem Himmel handelt. Der Witterungsverlauf in der aktuellen Saison war nach achtwöchiger knallharter Trockenheit 'Spitz auf Knopf'. Die Bauern reagieren auf die wiederkehrenden langanhaltenden Schönwetterphasen mit hohen Temperaturen ohne Niederschlagsereignisse und wechseln zunehmend von Sommerungen auf Winterungen. Haben Sommerkulturen in der Regel nur vier Monate Vegetationszeit zur Verfügung, so sind es bei den Winterkulturen neun Monate stressfreie Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig arbeiten immer mehr Landwirte wassersparend, das heißt pfluglos, eine flache Bodendurchmischung von maximal 5 bis 6 cm, der Anbau von Begrünungskulturen für eine gute Schattengare sowie die Steigerung des Humusgehaltes, wodurch der Boden mehr Wasser aufnehmen kann", berichtete Franz Windisch, Verwaltungsratsvorsitzender der AMA, aus der Praxis.

Hinsichtlich der diesjährigen Getreidequalität sprach Windisch von einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen den vier Qualitätsstufen Futter-, Mahl-, Qualitäts- und Premiumgetreide. "Jeder Bedarf der einzelnen Verarbeiter kann entsprechend gedeckt werden", so Windisch. Die Kornausbildung sei "wunderbar" gewesen und auch die Siebung bei Winterbraugerste sei teilweise mit 97% feldfallend nicht mehr überbietbar gewesen. "Der ergiebige Regen kurz vor der Ernte hatte keinen negativen Einfluss auf die Qualitäten", ergänzte Griesmayr, der dies mit einer physiologisch noch nicht abgeschlossenen Entwicklung während der Niederschläge begründete. Die Fallzahlen und Hektolitergewichte seien dementsprechend gut.

Ernteergebnisse der Hauptkulturen

Die Erntemenge von Weichweizen - die Kultur mit dem höchsten Flächenanteil in Österreich - wird demnach rund 1,5 Mio. t betragen und liegt somit um 1,6% unter dem Fünfjahres-Durchschnitt und auf Vorjahresniveau. Sie zeichnet sich heuer durch eine ausgewogenere Qualitätsverteilung von Mahl-, Qualitäts- und Premiumweizen sowie herausragende Hektolitergewichte (Erhöhung der Kornausmahlung) aus. Erste Ergebnisse der Untersuchungen aus der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung in Wien weisen bis dato sehr gute Knet- und Backeigenschaften auf. Bundesweit wird die Qualitätsverteilung derzeit auf rund 50% Premium- und Qualitätsweizen sowie 50% Mahlweizen geschätzt. Daher bestehen laut AMA weiterhin gute Chancen für die Vermarktung an die inländische Mühlenindustrie und den Export, vor allem nach Italien.

Die Erntemenge von Hartweizen (77.000 t) liegt - durch reduzierte Hektarerträge sowie Flächenverluste - um 6% unter dem Vorjahr und um 19% unter dem Fünfjahres-Mittel. Die Versorgung ist weiterhin gesichert. Die Qualitätseigenschaften für die Teigwarenherstellung sind wieder hervorragend.

Roggen - nach Weizen das zweitwichtigste Brotgetreide in Österreich - liefert auf den bisher geernteten Flächen zufriedenstellende Erträge (4,8 t/ha), wofür Züchtungsfortschritte mitverantwortlich sind (Hybridzüchtung). Es wird eine Produktionsmenge von 206.000 t erwartet, welche über dem Vorjahr (+6%) und dem Fünfjahres-Mittel (+19%) liegt.

Die gesamte Gerstenproduktionsmenge wir auf 824.000 t geschätzt. Wintergerste erzielt erneut Spitzenerträge (6,7 t/ha) und erreicht den Produktionsrekord aus dem Vorjahr von rund 700.000 t. Die Sommergerstenernte von rund 124.000 t litt unter der Frühjahrstrockenheit und fiel ertraglich (2020: 4,0 t/ha) unter das Vorjahr (-17%). Die Braugerstenqualität ist jedoch durch die gute Kornfüllungsphase zufriedenstellend.

Die geerntete Rapsmenge von 76.000 t liegt durch ein Zusammenspiel aus Flächentief und niedriger Hektarerträge (2,4 t/ha) auf einem sehr geringen Niveau (-29% zum Vorjahr). Trockenheit und Schädlingsbefall wirkten negativ auf diese bedeutende Ölsaat. Das Angebot an Körnererbsen verringert sich durch niedrige Hektarerträge (2,3 t/ha) sowie einer ohnehin schon kleinen Kulturfläche auf 11.500 t.

Inlandsverarbeitung gestiegen

"Die österreichische Getreidebilanz ist im industriellen Sektor von einer Ausweitung der Weichweizenverarbeitung (Weizenstärke) und der konstant hohen Maisverarbeitung geprägt. Der Mischfuttersektor weist steigende Verarbeitungsmengen von Gerste und Mais auf. Im Mühlensektor ist über das gesamte abgeschlossene Wirtschaftsjahr (inkl. der Steigerungen im März 2020) nur ein geringer Anstieg zu verzeichnen", informierte Windisch. Die Reichweiten der Mahlgetreidelager während der COVID-19-Krise konnten sieben Monate Vermahlung abdecken. Der während der Krise aufgetretene Mehlabsatz führte zu einer deutlich erhöhten Produktion (+26%), welche jedoch durch die gesunkene Vermahlung in den Folgemonaten kompensiert wurde. Während der COVID-19-Krise im März 2020 wurden 39% mehr Hartweizen (Teigwaren), 27% mehr Weichweizen, 24% mehr Dinkel und 10% mehr Roggen vermahlen, teilte Windisch mit.

Im laufenden Wirtschaftsjahr 2020/2021 werden die Exporte von der AMA auf 1,4 Mio. t geschätzt, die Importe sinken nur leicht auf 2,5 Mio. t. Die Ausfuhren erreichten in den letzten Jahren 1,4 bis 1,8 Mio. t, die Importe - je nach inländischer Erntemenge - zwischen 2,1 und 2,7 Mio. t. Vor allem die Lieferungen von hochwertigem Premium- und Qualitätsweizen nach Italien bilden die Basis für eine erfolgreiche Außenhandelsbilanz.

Der Bio-Anteil an der Gesamtgetreideproduktion beträgt 10%, an der Verarbeitung 6% und an den Lagerbeständen 16%. "Die Lager für Biogetreide sind mit Ware aus der letztjährigen Ernte gut gefüllt, daher besteht weiterhin ein Exportbedarf, um den Markt zu entlasten", so Windisch.

Mais

Die heurige Witterung ist für den Mais ideal. (Bildquelle: Archiv)

Gute Aussichten für die Herbsternte

Für die Kulturen der Herbsternte (Mais, Sojabohne, Sonnenblumen) stelle sich das Jahr 2020 (bis dato) als nahezu ideal dar. Die anfängliche Trockenheit zur Aussaat (April/Mai) wurde durch das rasche Wachstum ab Mitte Mai kompensiert. Danach sorgten die ausreichenden Niederschläge (im Juni und Juli), in Kombination mit mäßigen Temperaturen, für eine ideale, ertragsentscheidende Wachstumsphase (Blühphase) von Mais.

Weizenpreise stabil - COVID-19 verunsichert Exportmarkt

Die ersten Notierungen für Premiumweizen der neuen Ernte liegen - mit geringfügigen Steigerungen - auf dem Niveau der alten Ernte. Premiumweizen kann heuer laut AMA eine deutliche Qualitätsprämie von 10 Euro/t gegenüber Qualitätsweizen und von 16 Euro/t gegenüber Mahlweizen - aufgrund einer geringeren Verfügbarkeit für diese Qualitätsstufe - erzielen. Der Preis für Futtergerste sei bedingt durch das große Angebot in Österreich und Europa rückläufig. Mais (Ernte 2019) konnte in den letzten Monaten - beeinflusst von internationalen Preissprüngen - zulegen. Zuvor sei die Notierung durch Rückgänge der Bioethanol-Produktion in den USA deutlich gedrückt worden.


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