Heimischer Rübenanbau in schwerer Krise

Ein massiver Schädlingsbefall, ausbleibende Niederschläge in den Sommermonaten, das Verbot des wichtigsten Insektizids und ein ruinöser Wettkampf am Zuckermarkt mit halbierten Zuckerpreisen. Damit warnen die Rübenbauern 2018 konfrontiert.

Landwirt Georg Maier musste heuer 25 ha Zuckerrüben wegen des Rüsselkäfers nachbauen. (Bildquelle: Schwaiger )

In St. Pölten fand heute die 19. Generalversammlung der Österreichischen Zuckerrübenverwertungs- genossenschaft (ÖZVG) statt. Diese Genossenschaft bündelt die Beteiligung der Rübenbauern an der Agrana Beteiligungs AG und verwaltet die handelbaren Lieferrechte ihrer Mitglieder. 

Durch den massiven Schädlingsbefall nach dem Rübenanbau wurden im traditionellen Rübenanbau ein Viertel und im Biorübenanbau knapp 90% vernichtet. Bei derart dramatischen Flächenverlusten sollte endlich allen klar sein, dass eine verlässliche landwirtschaftliche Produktion ohne modernen Pflanzenschutz nicht möglich ist, betonte der Obmann der ÖZVG, Präsident Ernst Karpfinger.

Abschaffungsmaschinerie stoppen

"Leider wird dieses Faktum von den Entscheidungsträgern der Europäischen Kommission ignoriert, die das Tempo bei den Vorschlägen zur Abschaffung von Wirkstoffen erhöht. Die Vertreter der Mitgliedsländer stimmen meist den Vorschlägen ohne Berücksichtigung der Tragweite der Entscheidung unter dem öffentlichen Druck weniger NGOs zu. Diese Abschaffungsmaschinerie muss sofort gestoppt werden und grundsätzlich dem vermeintlichen Risiko der volkswirtschaftliche Nutzen gegenübergestellt werden, so wie dies bei Medikamenten der Fall ist, forderte Karpfinger.

Aktuell wird in der EU-Kommission über die Abschaffung zweier weiterer unbedingt notwendiger Wirkstoffe zur Unkrautunterdrückung diskutiert. Wenn das Verbot kommt, gibt es praktisch nur mehr händisches Unkrautjäten. Dazu fehlen aber allein in Österreich die notwendigen rund 40.000 Arbeitskräfte und das würde somit das Ende des österreichischen und europäischen Rübenanbaus bedeuten, warnte der Obmann.

Grundsätzliches Umdenken in der Pflanzenschutzmittel-Diskussion gefordert

"Lebensmittel waren noch nie so gesund und sicher wie heute. Der moderne Pflanzenschutz, der Pflanzen vor Krankheiten wie etwa Pilzbefall schützt, liefert der Bevölkerung gesunde Nahrungsmittel. Das hat zweifellos dazu geführt, dass wir immer gesünder älter werden. Trotzdem wird von einigen angstmachenden und spendenorientierten Organisationen permanent das Gegenteil behauptet, kritisierte der Obmann. Mehr als 90% der Bevölkerung kaufen gesunde, geprüfte und leistbare Lebensmittel aus der traditionellen Landwirtschaft. Wenn in Österreich die Produktion dieser Lebensmittel durch permanente Verbote von Pflanzenschutzmitteln unmöglich gemacht wird, wird das dem Konsumenten zunächst nicht auffallen. Die Regale werden dann eben mit Produkten von irgendwo in der Welt gefüllt sein, denn bei Importen kontrolliert die EU nicht, ob die Lebensmittel zu den von ihr verordneten Standards hergestellt wurden, so Karpfinger.

Fortschritt auch in der Landwirtschaft

"So wie alle Bereiche in der Technik und der Wirtschaft hat sich auch die Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten ständig weiterentwickelt. Wer jetzt verlangt, man solle in der Lebensmittelproduktion das Rad der Zeit zurückdrehen und ohne modernen Pflanzenschutz die Bevölkerung ernähren, der blendet die Realität aus und vergisst, wie es früher war: Vor den Errungenschaften des modernen Pflanzenschutzes hat nämlich jeder Zweite in der Landwirtschaft hart gearbeitet und die Bevölkerung musste die Hälfte des Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Dazu wird aber heute niemand mehr bereit sein, zeigte sich Karpfinger überzeugt. Es müsse daher wieder Sachlichkeit in der Diskussion einkehren und die Hysterie gegenüber Pflanzenschutzmitteln in der EU beendet werden".

Artikel geschrieben von

Beate Kraml

Redaktion

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