Jüngste Bienen-Studien mit wissenschaftlichen Defiziten?

Die österreichische IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) zweifelt die wissenschaftliche Qualität der jüngst veröffentlichten Bienen-Studien an. Sie erwartet von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), den Inhalt, die Aussagen und das Forschungsdesign kritisch zu prüfen.

Christian Stockmar

Christian Stockmar, Obmann der IG Pflanzenschutz, kritisiert die Aussagekraft der beiden jüngsten Bienenstudien. (Bildquelle: )

Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) fordert eine kritische Prüfung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für jene beiden Studien, die aktuell die Diskussion um die Auswirkungen des Einsatzes neonikotinhaltiger Pflanzenschutzmittel befeuern und in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurden. Für die in den Studien Kessler et al. und Rundlöf et al. untersuchten Substanzen gilt in der EU aktuell ein Verbot der meisten landwirtschaftlichen
Anwendungen.

IGP Obmann Christian Stockmar begrüßt in einer Aussendung jeden sachlichen und wissenschaftlich fundierten Beitrag zur Diskussion. Es gelte, etwaige Datenlücken zur Sicherheit der Substanzen zu schließen, die die EFSA nach wie vor moniere und die vor zwei Jahren das Aussetzen der Wirkstoffgenehmigungen begründeten. Stockmar: „Ob diese Studien jedoch einen wissenschaftlich wertvollen Beitrag zur Datensammlung leisten, muss kritisch hinterfragt und untersucht werden, denn bei einer ersten Durchsicht zeigen sich zahlreiche Mängel. Wir erwarten von der EFSA eine Bewertung der beiden Studien.“

"Studien stehen im Widerspruch mit der Praxis"

Kessler et al. haben laut der IGP etwa unrealistisch hohe Konzentrationen des Wirkstoffs verwendet. „Daraus lassen sich keine validen Aussagen für den Einsatz in der Landwirtschaft ableiten“, so Stockmar.
Rundlöf et al. wiederum hätten mit ihrer Feldstudie belegt, dass es unter realistischen Freilandbedingungen keine Auswirkungen von Neonikotinoiden auf Honigbienenvölker gebe. Zu diesem Ergebnis kamen bereits frühere Studien, so die IGP. Hinsichtlich der Auswirkungen auf Wildbienen bestünden Zweifel an der Methodik und an den spekulativen Aussagen, die die Autoren selbst einräumten.
Stockmar: „Die Studien stehen im Widerspruch mit der Praxis. Das ist aufgrund der wissenschaftlichen Defizite keineswegs verwunderlich. Wir erwarten uns jedoch, dass die EFSA ihre Bewertungen von Neonikotinoiden auf eine ganzheitliche wissenschaftliche Betrachtung stützt und nicht auf einzelne, emotionalisierende Beiträge zum Diskurs.“

Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) ist die Interessengemeinschaft der pflanzenschutzmittelproduzierenden Unternehmen in Österreich. Ihre Kernaufgabe sieht sie in einer offenen und sachlichen Information rund um das Thema Pflanzenschutz. Dabei steht die IGP als Gesprächspartner für Politik, Verwaltung und Umweltorganisationen zur Verfügung. Die 15 Mitglieder der Gruppe sind die wichtigsten Produzenten und Händler von Pflanzenschutzmitteln in Österreich. Sie beschäftigen rd. 370 Mitarbeiter und erwirtschaften pro Jahr ca. 130 Mio. € an Umsatz.

Mehr dazu lesen Sie in der top agrar-Meldung Neue Bienenstudien werfen Fragen auf".


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