Mit „bunter Landwirtschaft“ Artenvielfalt garantieren

Ihre Initiative "Bunte Landwirschaft" für mehr Biodiversität stellten jetzt die Gutsverwaltung Hardegg, das Marktforschungsinstitut Karmasin Behavioural Insights und das Pflanzenschutz- und Saatgut-Unternehmen Syngenta vor.

Gemeinsam mit Dr. Helene Karmasin und Dr. Christian Stockmar stellte Landwirt DI Maximilian Hardegg (l.) das neue Projekt "Bunte Landwirtschaft" vor. (Bildquelle: zVg )

Abseits der teils von Klischees und Vorurteilen bestimmten Diskussion rund um die Themen der Landwirtschaft und Ernährung wäre es nötig, die dahinter liegenden Motive, Werthaltungen und Wünsche objektiv zu beleuchten, um daraus neue Ansätze bei der nachhaltigen Ausrichtung landwirtschaftlicher zu entwickeln. Doch kann man Ansätze finden, die sich weniger an ideologisch festgefahrenen Positionen orientieren, sondern vielmehr auf wesentliche und gesellschaftlich gewünschte Ziele, wie Nahrungs- und Ernährungssicherheit, genauso, wie Artenschutz und Biodiversität, abstellen?
 
„Geht nicht, gibt´s nicht!“, dachte sich einmal mehr der bekannte Landwirt DI Maximilian Hardegg aus dem nördlichen Wienviertel. Schon seit Jahren beschäftigt sich Hardegg auf seinem Gut – neben dem Ackerbau, der Schweinezucht und dem Bio-Weinbau – auch mit Klimaschutz und Biodiversität und tritt als Mahner der Agrarpolitik und der Gesellschaft auf.
 
Projekt „Bunte Landwirtschaft“
 
Gemeinsam mit der Marktforscherin Dr. Helene Karmasin und Dr. Christian Stockmar, dem Österreich-Leiter des Agrarkonzerns Syngenta, stellte Hardegg nun das Projekt „Bunte Landwirtschaft“ auf die Beine. Das gemeinsame Ziel: Bewusstseinsschärfung für Artenvielfalt und Biodiversität bei den Landwirten und der Bevölkerung zu schaffen.
 
So verzichtet Hardegg zwischen April und Juli – der Hauptbrützeit zahlreicher Singvogelarten auf den Feldern – aufs Mulchen. Normalerweise werden die Felder abgemäht und das zerkleinerte Mulchgut liegen gelassen. „Das ist wie ein Staubsauger, der alle Insekten und alle Vögel wegsaugt. Danach ist alles tot, so Hardegg. Bei ihm wird in dieser Zeit deshalb prinzipiell nicht gemulcht.
 
Hardegg setzt aber auch weitere Maßnahmen um, die dem Rückgang der Artenvielfalt auf den Äckern entgegenwirken sollen. So füttert er die heimischen Vogelarten ganzjährig mit eigenen Futterstellen und bietet den Tieren Ruhebereiche und Biotope an. Dazu betreibt die Gutsverwaltung eine alternative Fruchtfolge auf ihren Äckern und Wiesen, um den Lebensweisen der unterschiedlichen Tierarten entgegen zu kommen.
 
„EU-weit sind die Singvogelbestände seit den 1980er-Jahren um bis zu 60 Prozent zurückgegangen“, berichtet Hardegg.  Daher dürfe man die Felder nicht nur nach ökonomischen Kriterien bestellen, sondern muss auch Rücksicht auf die Bedeutung einzelner Feldkulturen für unsere Wildtiere nehmen“, zeigt sich der Gutsverwalter überzeugt. So suchen Wildtiere besonders gern Schutz im Raps oder zwischen Sonnenblumen suchen. Auch ungemähte Wegböschungen sind wichtige Lebens- und Rückzugsbereiche für einzelne Tierarten, die Hardegg diesen bietet.
 
Agrarpolitik ist gefordert 
 
Was er im Sinne der Biodiversität und Artenschutz mache, passe für ihn und seinen Betrieb. Einzelne Maßnahmen können aber auch andere Bauern leicht umsetzen. Dafür möchte er Vorbild sein, so Hardegg und sieht das Projekt „Bunte Landwirtschaft“ durchaus als Geschenk für alle an. Vor allem die Politik sei gefordert, Biodiversität zu einem agrarpolitischen Kernthema zu machen – und könnte dieses auch ganz stark während der EU-Ratspräsidentschaft promoten.
 
Allerdings sollen die Landwirte „selber entscheiden können, wie sie zur Biodiversität auf ihren Feldern beitragen, meint Stockmar. Neue bürokratische Hürden dürfe es da für die Bauern nicht geben. „Unsere Landwirte sollen zudem nicht länger als Subventionsempfänger, sondern vielmehr als Erbringer von Leistungen wahrgenommen werden, fordert der Syngenta-Chef. Denn dadurch prägen sie die Kulturlandschaften und somit das Landschaftsbild.
 
Wertschätzung und Honorierung nötig
 
Gerade auf die „wahrgenommene Natur“ sind die Österreicher besonders stolz“ zeigte Karmasin an Hand ihrer Umfrage auf. 77 Prozent der Befragten nehmen im Vergleich zu früher Veränderungen in der Natur wahr und für 75 Prozent ist sehr wichtig, dass die. Artenvielfalt erhalten bleibt.
 
„Dass drei Viertel der Befragten es sehr gut finden, wenn die Landwirte Biodiversitäts-Maßnahmen setzen, ist sehr erfreulich. Wir können das auch und tun es. Aber es muss dafür die gesellschaftliche Anerkennung und letztlich auch ein Leistungsentgelt geben“, so Maximilian Hardegg abschließend.
 

Artikel geschrieben von

Torsten Altmann

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