Nervosität am Getreidemarkt

Angesichts der engen Marktversorgung, einer lang anhaltenden Frühjahrstrockenheit und kräftig gestiegener Preise ist die Nervosität am Getreidemarkt fast mit den Händen greifbar. Die Verunsicherung hat nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) inzwischen die gesamte Wertschöpfungskette erfasst, denn immer häufiger werden höhere Kosten für Brotweizen, Futtergetreide und Braugerste auch für den Preisanstieg bei Lebensmitteln verantwortlich gemacht.

Ob die Kurve der Rohstoffpreise ihren Scheitelpunkt erreicht hat, wird maßgeblich vom Getreideangebot in der kommenden Saison abhängen. Neben der Entwicklung auf den Feldern vor unserer Haustür spielen dabei vor allem die Angebotsaussichten in den wichtigsten Anbauregionen der Welt USA, Australien und der Schwarzmeerregion eine Rolle, heißt es weiter. Einen ersten Vorgeschmack auf die zukünftige Versorgungssituation lieferte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) in dieser Woche. Es prognostizierte eine ausgeglichene Weizenbilanz. Begründet werde diese Annahme mit deutlich höheren Ernten in der Schwarzmeerregion, Indien und der EU. Auch für Mais, bei dem andere Analysten bislang von einer weiteren Verschärfung der ohnehin äußerst knappen Versorgungslage ausgegangen seien, erwarte das amerikanische Landwirtschaftsministerium eine deutliche Entspannung und sogar einen Aufbau von Beständen. Diese Aussagen konnten laut AMI an den internationalen Terminmärkten allerdings nur kurzzeitig für nachgebende Kurse sorgen.

Trockenheit sorgt für Ertragseinbußen

Erhebliche Verzögerungen bei der US-Maisaussaat und irreversible Trockenschäden bei Weizen im Süden der USA sowie in Teilen Europas ließen bereits Zweifel an den vorgelegten Prognosen aufkeimen, die jüngst in aktuellen nationalen Schätzungen für Europas Haupterzeugungsländer Unterstützung fanden. Vor allem in Westen Europas mehren sich die Anzeichen für trockenheitsbedingte Ertragseinbußen. In Großbritannien und Frankreich wurden bereits Maßnahmen zur Bekämpfung der Dürre bzw. zum Wassersparen getroffen. Für Frankreich geht der Marktanalyst Strategie Grains bei Weizen von einem Ertragsrückgang um 7 % gegenüber dem Vorjahr aus, in Großbritannien werden Einbußen von bis zu 15 % für möglich gehalten, in Deutschland korrigierte der Deutscher Raiffeisenverband e.V. (DRV) die Getreideprognose auf 40,7 Mio. t und damit 8,2 % unter Vorjahreslinie.

Turbolente Wochen stehen bevor

Insgesamt wurde die Weizen-Ernteschätzung für die EU-27 gegenüber dem Vormonat um 3,6 Mio. t auf 131,5 Mio. t zurückgenommen, so das AMI weiter. Das wären allerdings immerhin noch 4 % mehr als im Vorjahr. Mit seiner ersten Schätzung hat das USDA die Messlatte also recht hoch gelegt - Abwärtskorrekturen seien in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich. Jede Absenkung der Ernteprognosen werde aber angesichts der engen Bilanzen entsprechende Preiswirkung entfalten. Landwirten, Verarbeitern und Handel stehen wohl weitere turbulente Wochen bevor.

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