Neue EU-Zulassungsverordnung bedroht den Pflanzenschutz

Auch die österreichische Pflanzenschutzindustrie ist alarmiert. Tritt das 2009 von der Europäischen Union beschlossene Pflanzenschutzpaket in Kraft, können kaum mehr Pflanzenschutzmittel zugelassen werden, warnte kürzlich Martin Schöpfer, Landesleiter von Bayer CropScience, während einer Pressekonferenz in Wien.

(Bildquelle: )

"Die Landwirte wissen nicht, was auf sie zukommt, so Schöpfer. Während die EU-Zulassungsverordnung 1107/2009 durchaus auch positive Aspekte habe, seien die Ausschlusskriterien (Cut Offs) bei der Wirkstoffgenehmigung verheerend. Die Umsetzung der Verordnung sei im Detail aber noch nicht abgeschlossen. So sind etwa die Zulassungskriterien noch nicht endgültig definiert. Zudem befinden sich die Regeln für die Risikobewertung für Bienen noch in der Abstimmung und die Liste der Substitutionskandidaten ist noch offen, erklärte Schöpfer.

Das neue Pflanzenschutzpaket trifft für Registrierung und die Zulassung neuer Wirkstoffe zu. Weiter ihre Gültigkeit behalten Wirkstoffgenehmigungen, die nach der Vorgänger-Richtlinie 91/414 erlassen wurden. Hier ändert sich zunächst nichts. Nach derzeitigem Stand sind aktuelle Zulassungen solange gültig, bis sie auslaufen. Allerdings erwarten wir 2017 ein großes Paket erneuter Wirkstoffüberprüfungen und dann gelten die neuen Zulassungskriterien, was zu einer enormen Verschärfung und einem großen Verlust an Pflanzenschutzmitteln führt, so der Landesleiter von Bayer CropScience. Die Industrie sei aber nicht in der Lage, Wirkstoffverluste mit Innovationen in einer derartigen schnellen Geschwindigkeit zu kompensieren. Für die Entwicklung eines neuen Wirkstoffes brauche es mindestens zehn Jahre.

Dramatische Ausdünnung an verfügbaren Wirkstoffen

Wie ein Expertenteam des deutschen Industrieverbandes Agrar e.V. ermittelt hat, würden in Deutschland neun der zehn meisterverkauften Getreidefungizide wegfallen, wenn die Kriterien zu Endokrinen Disruptoren dem Entwurf der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission entsprächen. Zur Bekämpfung der Krautfäule bei Kartoffeln wäre nur noch jedes zweite Produkt am Markt - im gleichen Ausmaß trifft es auch die Kartoffelherbizide. Diese Zahlen lassen sich auch auf Österreich umlegen. Das Resistenzmanagement ist in Gefahr, mahnte Schöpfer und ergänzte: Bei den Kartoffelfungiziden haben wir ohnehin nur wenige Produkte, gleichzeitig wird für diesen kleinen Markt auch nicht mit Hochdruck geforscht."

Durch neue Studien- und Datenanforderungen bei Insektiziden sei es praktisch unmöglich, ein neues Produkt zugelassen zu bekommen. Und im Falle einer neuen Schwarzen Liste" zu Substitutionskandidaten bleiben diese Wirkstoffe zwar zugelassen, aber auf Druck von Handel und NGOs könne es passieren, dass sie praktisch nicht mehr eingesetzt werden, was auch nicht ohne Auswirkungen auf den Biolandbau bleibe, so der Österreich-Leiter von Bayer CropScience.

"Kommen die verschärften Kriterien zum Einsatz, werden bezahlbare regionale Lebensmittel in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Pflanzschutzindustrie kämpft jedenfalls um jeden Wirkstoff, so Schöpfer. (AIZ)

Lesen Sie dazu auch den Beitrag "Droht ein Wirkstoff-Kahlschlag aus Brüssel?" sowie den Kommentar "Pflanzen bald ohne Schutz?" von top agrar-Redakteur Matthias Bröker.

Artikel geschrieben von

Weninger Lukas

Schreiben Sie Weninger Lukas eine Nachricht

Kommentar: Selbstverursachtes Bio-Chaos

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen