ÖPUL-Begrünungen: Doch kein Schneewalzer

Wenn Winterbegrünungen abgefrostet sind, müssen diese vor einem Herbizideinsatz nun doch nicht mehr mechanisch beseitigt werden. Die ursprüngliche Regelung traf auf wenig Verständnis in der Praxis.

Alles Walzen und viel Vergnügen: Letzteres hatten Ackerbauern hierbei sicher nicht (Foto: LK OÖ). (Bildquelle: )

Wenn der Amtsschimmel wiehert, dann ordentlich. Davon konnten sich im vergangenen Winter viele Ackerbauern überzeugen.
Denn wie von top agrar-Österreich exklusiv berichtet, dürfen Winterbegrünungen (samt Durchwuchsgetreide und Beikräutern) nach dem Begrünungszeitraum nicht mehr „totgespritzt“, also mittels zugelassenen Herbiziden beseitigt werden. Stattdessen müssen diese vorher „mechanisch beseitigt“ werden, wie es auf amtsdeutsch heißt und im Entwurf des neuen ÖPUL 2015 (nach Aufforderung der EU-Kommission) festgehalten ist.

Um dem genüge zu tun, waren daher viele Landwirte mit Walzen und anderer Gerätschaft auf die Felder ausgerückt. Das dies angesichts ohnehin abgefrorener bzw. zugeschneiter Begrünungen völlig sinnbefreit ist, hat die Bauern auf die Barrikaden steigen lassen. Denn abgesehen vom zusätzlichen Dieselverheizen und damit CO2-Ausstoß mit kaum einem Gegenwert sinkt die Erosionsschutzwirkung eines bearbeiteten Zwischenfruchtbestandes.

Das hatte Wirkung: Denn nach Protesten der Landwirtschaftskammer hat sich diese gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium und der AMA auf eine praxistaugliche Regelung geeinigt, die wie folgt aussieht:

  • Im Begrünungszeitraum ist weiterhin jeglicher Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Zwischenfrüchten verboten.
  • Danach dürfen zugelassene Herbizide erst dann eingesetzt werden, wenn die Begrünungsbestände vorher mechanisch beseitigt wurden.
Als mechanische Beseitigung gilt dabei:

  • Wenn die Begrünung vollständig abgefrostet und niedergebrochen ist. Dann ist keine zusätzliche Bearbeitung erforderlich.
  • Eine Bodenbearbeitung mittels Pflug, Grubber, Kreiselegge, Scheibenegge oder Messerwalze.
  • Die Einsaat von Folgekulturen mittels Direktsaat, Mulchsaat oder Strip-Till-Verfahren.
  • Ein bodennahes Häckseln oder Mähen nach dem Begrünungszeitraum.
  • Das Walzen von Zwischenfrüchten im gefrorenem Zustand (auch innerhalb des Begrünungszeitraumes), wobei eine vollständige Zerkleinerung erzielt werden muss.
Nicht als mechanische Beseitigung gilt:

  • Das Einkürzen bzw. Nutzen (Mahd und Abtransport) von Zwischenfrüchten im Herbst zur Masseverringerung sowie
  • Striegeln.
Ein vollständig abgefrorener Zwischenfruchtbestand gilt somit als mechanisch beseitigt, was einen Herbizideinsatz ohne vorheriger Bodenbearbeitung erlaubt.
Diese Regelung gilt sinngemäß auch für die Begrünung „System Immergrün“. Ab Beseitgung der Begrünung beginnt jedoch ein unbegrünter Zeitraum, der bis zum Anbau der Folgekultur max. 30 Tage lang sein darf.

Zur Erinnerung: Der Begrünungszeitraum nach der Zwischenfrucht"-Variante 5 endet mit 1. März, jener der Variante 6 am 21. März. Begrünungen nach der Variante 4 dürfen seit 15. Februar bearbeitet werden.

Artikel geschrieben von

Weninger Lukas

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