Pflanzenschutz auf ökologischen Vorrangflächen ab 2018 verboten

Würgt die EU-Kommission den Anbau von Eiweißpflanzen ab? EU-Agrarkommissar Phil Hogan hatte vorgeschlagen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) zu verbieten. Das Verbot soll ab 2018 gelten – und soll so gut wie fix sein. Kritiker befürchten einen drastischen Rückgang des Leguminosen-Anbaues.

In Österreich könnten ab 2018 bis zu 10.000 ha weniger Sojabohnen angebaut werden. (Foto: Archiv) (Bildquelle: )

Hogans Vorschlag würde vor allem Sojabohne, Körnererbse und Ackerbohne treffen, deren Anbau als Greeningfläche angerechnet werden kann. Von einer Attacke auf Leguminosen – kurioserweise im Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte 2016 – spricht etwa Christian Krumphuber, Leiter der Abteilung Pflanzenproduktion in der LK OÖ. In Österreich wären rund 10.000 ha Sojabohne betroffen, schätzt der Fachmann. Die Landwirtschaftskammer geht in Summe aller Eiweißpflanzen gar von 15.000 ha allein in Österreich aus.

Das PSM-Verbot hätte aus ökologischer Sicht laut Krumphuber keine Vorteile: Denn die dann nötige mechanische Unkrautbekämpfung fördere selbst bei nur geringer Hangneigung Erosionen. Außerdem würden die Landwirte vermehrt auf Getreide, Mais oder Raps umsteigen – allesamt Kulturen, in denen der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf die Fläche bezogen höher sei als bei Sojabohne.

„Die Gesellschaft will weniger GVO-Soja aus Übersee, mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Wenn man den Eiweißpflanzen-Anbau nun so massiv sabotiert, kann man sich künftig millionenschwere Forschung zum Schließen der Eiweißlücke sparen“, wettert Krumphuber. Er sieht das drohende Verbot „getrieben vom Lobbying der Umwelt-NGOs“.

Umsteigen auf Zwischenfrüchte, Brachen oder UBB (bis 15. Dezember 2016)?

Der Leguminosen-Anbau soll zwar weiterhin auf ökologischen Vorrangflächen möglich sein. Durch Wegfall des Pflanzenschutzes werde dieser aber kaum mehr wirtschaftlich sinnvoll sein. Als Alternativen bleiben nur der Anbau von Greening-Zwischenfrüchten bzw. -Brachen.

Schnellentschlossene Landwirte können nur mehr bis 15. Dezember 2016 (!) in die ÖPUL-Maßnahme Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung (UBB)" einsteigen. Mit dieser sind die Greening-Auflagen ebenfalls erfüllt, um weiterhin Direktzahlungen aus der ersten Säule zu erhalten. Hier geht es zu den detaillierten UBB-Auflagen. Die UBB-Maßnahme ist übrigens Voraussetzung für weitere ÖPUL-Maßnahmen.

Laut Landwirtschaftskammer sollen rund zwei Drittel der Mitgliedsstaaten gegen das drohende Pflanzenschutz-Verbot sein. Dennoch scheint es beschlossen zu werden. Als Grund für das drohende Verbot gibt die EU-Kommission mehrere Punkte an: Die Greening-Zahlungen sollen so mehr gerechtfertigt sein. Pflanzenschutz auf ökologischen Vorrangflächen sei aus Sicht der Gesellschaft nicht vereinbar. Zudem hätten Umwelt-NGOs dieses Verbot massiv gefordert. ÖVF seien kein Instrument zur Förderung der Eiweißpflanzenproduktion. Außerdem soll das PSM-Verbot die Verwaltung vereinfachen.

Artikel geschrieben von

Weninger Lukas

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