Kartoffelmarkt

Heimische Ernte abgeschlossen

Hohe Aussortierungen verringern das heimische Angebot. Zudem gerät der EU-Markt wegen der Coronakrise unter Druck, eine Flächenreduktion im nächsten Jahr könnte die Folge sein.

Laut AMA stieg heuer in Österreich die Produktionsfläche von Frühkartoffeln um 11% und jene von Speisekartoffeln um 6%. (Bildquelle: pixabay)

Die österreichische Erdäpfelernte konnte in den letzten Tagen vielerorts schon abgeschlossen werden. Die Arbeiten auf den noch verbleibenden Feldern werden sich durch die ergiebigen Niederschläge am Wochenende wohl noch etwas in die Länge ziehen. Der Großteil der Ernte ist jedoch eingefahren, sowohl bei den Händlern als auch bei den Landwirten sind die Lager entsprechend gut gefüllt. Es ist aber zu befürchten, dass die gut durchschnittliche Bruttoerntemenge durch überdurchschnittlich hohe Aussortierungsverluste noch deutlich dezimiert wird, berichtet die Interessengemeinschaft Erdäpfelbau.

Derzeit kaum heimische Exporte

Die Nachfrageseite zeigt sich unverändert zu den Vorwochen. Der Inlandsabsatz läuft stetig auf meist zufriedenstellendem Niveau. Exporte werden weiterhin kaum getätigt. Einerseits sind die meisten potenziellen Importländer noch gut mit eigener Ware eingedeckt, andererseits ist heuer der Exportmarkt stark umkämpft. Die Erzeugerpreise verharren auf dem Niveau der Vorwochen. In Niederösterreich werden für mittelfallende Ware meist 12 €/100 kg bezahlt. Übergrößen werden um 5 bis 8 €/100 kg übernommen. Für drahtwurmfreie, kleinpackungsfähige Premiumware mit AMA-Gütesiegel sind bis zu 18 €/100 kg zu erzielen.

Am deutschen Speisekartoffelmarkt hat sich die Nachfrage nach den gut angenommenen Aktionsverkäufen in den letzten Wochen wieder abgeflacht. Auch am Exportmarkt gibt es weiterhin nur wenig Interesse an Importware aus Deutschland. Auf der Angebotsseite stehen mehr als ausreichende Mengen zur Verfügung. Die Ernte ist im gesamten Bundesgebiet bereits weit fortgeschritten, im Westen der BRD mussten die Erntearbeiten in der letzten Woche aber auch witterungsbedingt gänzlich eingestellt werden. Qualitativ ist die Speiseware meist in Ordnung. Regional haben Fraßschäden und mechanische Beschädigungen weiter zugenommen. Bei den Erzeugerpreisen gibt es keine Änderung zur Vorwoche. Im Durchschnitt wurden für Speisekartoffeln zu Wochenbeginn meist zwischen 10 und 12 €/100 kg bezahlt.

EU-Speisekartoffelmarkt unter Druck

Die Gesamternte an Konsumkartoffeln wird heuer in den fünf wichtigsten europäischen Erzeugerländern (Deutschland, Frankreich, Niederlande, Belgien und Großbritannien) auf 27,9 Mio. t geschätzt, im Vorjahr waren es 27,1 Mio. t. Die Erträge dürften auf dem Durchschnittsniveau der letzten fünf Jahre liegen. Da die Anbaufläche aber im Vergleich zum Vorjahr um 0,7% ausgedehnt wurde, fällt die Menge heuer etwas höher aus, so die aktuelle Prognose der Vereinigung der nordwesteuropäischen Kartoffelanbauer (NEPG).

Die prognostizierten Erträge in den großen europäischen Erzeugerländern wären zu normalen Zeiten gerade bedarfsdeckend. In der Saison 2020/21 dürfte jedoch das Angebot die aufgrund der Corona-Pandemie schwächere Nachfrage überschreiten. Wegen der großen Unsicherheit auf den globalen Absatzmärkten für Pommes frites durch den Wegfall des Außer-Haus-Konsums wird es laut NEPG weiterhin zu Problemen am EU-Markt kommen, da die nicht abgeholten Mengen in andere Segmente drängen dürften. Viele Erzeuger hoffen, durch Einlagerungen etwas Druck aus dem Markt nehmen zu können. Hinsichtlich der mittlerweile europaweit prall gefüllten Läger wird die Entlastung aber überschaubar bleiben.

Abnahme der Anbauflächen?

Trotz der Corona-bedingt zunehmenden Warenabflüsse in Richtung Haushalte und Privatabnehmer rät die NEPG den Landwirten, ihre Speisekartoffelflächen für das kommende Jahr zu reduzieren und auf preislich attraktivere Kulturen zu wechseln. Solange der Absatz in Richtung Hotel, Gastronomie und Großveranstaltungen nicht signifikant anzieht, sei weder am europäischen Kartoffelmarkt insgesamt noch in dieser Nutzungsrichtung eine spürbare Entspannung in Sicht, wird betont.

In Österreich hat sich laut MFA-Auswertungen der AMA die Produktionsfläche von Frühkartoffeln heuer um 11% sowie bei Speisekartoffeln um 6% erhöht und ist damit dem europäischen Trend gefolgt. Mit 2% ist der österreichische Anteil an der NEPG-Produktionsfläche aber sehr gering und spielt auf internationaler Ebene nur eine untergeordnete Rolle.


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