Sind Andenlupinen die Eiweißpflanzen der Zukunft?

Ein neues EU-Projekt untersucht die Eignung der Andenlupine auf ihr Ertragspotenzial und die mögliche Verwendung als Biomasseträger sowie Futter- und Lebensmittel. An dem Projekt, das bis 2020 laufen soll, arbeiten auch Wissenschafter des Bio-Instituts der HBLFA Raumberg-Gumpenstein mit.

Andenlupine

Foto: Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein (Bildquelle: )

Welches Ertragspotenzial die Andenlupine nach einer pflanzenzüchterischen Bearbeitung auf extensiven Standorten in verschiedenen europäischen Ländern hat, ist Kernfrage des EU-Projekts „LIBBIO“ (Lupinus mutabilis for Increasing Biomass from marginal lands and value for BIOrefineries, zu deutsch: Erschließung extensiver Standorte durch Andenlupinen – Strategien zur Verbesserung der globale Rohstoffversorgung und Prüfung der Einsatzmöglichkeiten bei Tier und Mensch).

Zudem werden die Verwertungs­möglichkeiten der Andenlupine als Biomasse­träger, als Futtermittel und als Ausgangsstoff für die Lebensmittelindustrie erhoben. Sie hat gegenüber der Süßlupine den Vorteil, eine kräftige Pflanze mit viel Blattmasse zu bilden, was deren landwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit erhöht.

Sortenversuch

Die Sortenfrage spielt auch bei Lupinen eine wichtige Rolle. (Foto: Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein)

Im Ackerbau soll die Anordnung der einzelnen Fruchtfolgeglieder so gestaltet werden, dass  Nährstoffe aus der Vorfrucht für die Nachfrucht nutzbar sind. Ein gutes Beispiel dafür sind Leguminosen, welche Stickstoff im Boden hinterlassen, weil sie die Eigenschaft besitzen, mittels Knöllchenbakterien Luftstickstoff zu binden.

Pfahlwurzel

Mit Hilfe der Pfahlwurzeln können Lupinen Nährstoffe in tieferen Bodenschichten erreichen. Zudem lockern sie den Boden und schließen Phosphor auf. Knöllchenbakterien an den Wurzeln sammeln Stickstoff aus der Luft. (Foto: Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein)

Neben den heimischen Leguminosen wie Erbsen und Ackerbohnen gibt es noch viele verschiedene andere Leguminosenarten, die ebenfalls gut in Ackerbaufruchtfolgen einzugliedern wären. Dazu zählen Lupinen, welche neben ihrem hohen Eiweißgehalt auch mittels einer Pfahlwurzel gut tiefere Bodenschichten aufschließen und somit dort vorhandene Bodennährstoffe, besonders Phosphor, pflanzenverfügbar machen können. Außerdem durchbricht die Lupine mit ihrer Pfahlwurzel Bodenverdichtungen und trägt damit wesentlich zur Bodenverbesserung bei.

Nutzung der Andenlupine

Die Verwertung der Andenlupine erfolgt einerseits über die Samen, die mehr als 20 % Öl und mehr als 40 % Eiweiß enthalten. Auf der anderen Seite wird ihre Nutzung als Grünpflanze angestrebt, sowohl als Tierfutter in Form von Silage, aber auch als Biomasse-Ausgangsstoff für Bio-Raffinerien. Ebenso wird versucht, die einzelnen Fraktionen der Lupine zu analysieren und möglicherweise für die Lebensmittelindustrie nutzbar zu machen. Gerade das Lupineneiweiß kann als Ersatz für Sojaeiweiß verwendet werden, wobei deren gesteigerter Bedarf durch die starke Zunahme von sich vegetarisch und vegan ernährenden Personen hervorgerufen wird.

Die Anspruchslosigkeit der Andenlupine den Standort betreffend erlaubt deren Anbau auf sehr extensiven Flächen, die sonst von der Nahrungsmittelproduktion ausgeschlossen sind. Schon im Hinblick auf die sich immer weiter verknappende landwirtschaftliche Fläche stellt die Andenlupine eine ideale Kulturpflanze dar, deren Anbau in Südamerika über Jahrhunderte Grundlage die Nahrungssicherung der dort lebenden Bevölkerung garantiert hat.
In Mitteleuropa soll die Andenlupine als Sommerkultur Eingang finden, in den Mittelmeerländern als Winterkultur.

Im Rahmen dieses EU-Projektes sollen am Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein sowohl pflanzenbauliche Versuche auf verschiedenen Standorten durchgeführt werden als auch zeitlich versetzt Fütterungsversuche. Das Projekt ist bis 2020 für vier Jahre anberaumt und hat Projektpartner aus acht europäischen Ländern, die Projektleitung liegt in Island. Von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein sind diese Projektmitarbeiter beteiligt: Waltraud Hein, Hermann Waschl, Daniel Lehner (Bio-Institut) und Renate Mayer (Akquisition).

Waltraud Hein

Waltraud Hein arbeitet als Bio-Pflanzenbauspezialistin des Bio-Instituts der HBLFA Raumberg-Gumpenstein im EU-Projekt mit. (Foto: Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein)


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