Österreichische Eiweißstrategie

Sojaimporte sollen bis 2030 halbiert werden

Die Strategie zur Eiweißversorgung Österreichs hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus präsentiert. "Unser Ziel ist, die heimische Erzeugung weiter auszubauen und die Importe bis zum Jahr 2030 um die Hälfte zu reduzieren", erklärte dazu Ministerin Elisabeth Köstinger.

Österreich ist bei der Eigenversorgung mit pflanzlichem Eiweiß aus Sojaanbau bereits gut unterwegs. Bei der Fütterung liegt diese bei 80 %, wie Köstinger festhielt. Dennoch würden aktuell noch rund 500000 t Sojabohnen und -schrot importiert. Um die Abhängigkeit von Importen weiter zu reduzieren, wurde auf Initiative von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger eine Österreichische Eiweißstrategie erarbeitet.

Im Rahmen eines Gipfels mit Vertretern aus Landwirtschaft und Politik wurde die Strategie kürzlich präsentiert und diskutiert. Im Anschluss daran stellte Köstinger gemeinsam mit dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich, Josef Moosbrugger, und Matthias Krön, Obmann des Vereines Donau Soja, die Ergebnisse in einem Pressegespräch vor.

Ministerin

"Die Sojaanbaufläche wurde seit 2010 mehr als verdoppelt, auf heuer rund 75000 ha", freut sich Elisabeth Köstinger. (Bildquelle: Altmann)

"Der heimische Sojabohnenanbau ist eine Erfolgsgeschichte. Österreich ist der fünftgrößte Sojaproduzent in der EU, seit 2010 haben wir die Anbauflächen mehr als verdoppelt. Unser Ziel ist, die heimische Erzeugung weiter auszubauen und die Importe bis zum Jahr 2030 um die Hälfte zu reduzieren. Dabei geht es einerseits um die Eigenversorgung, andererseits um den Klimaschutz. Der regionale Anbau von Eiweißpflanzen trägt zur Ernährungssicherung bei, verringert den Importbedarf und schützt das Klima. Weniger Importe von Soja aus Südamerika bedeuten Schutz der Regenwälder und weniger Raubbau an Natur und Umwelt", so Köstinger.



Moosbrugger: Vorreiterrolle weiter ausbauen



"Österreich kann seinen Bedarf an pflanzlichem Eiweiß vor allem dank seines wertvollen Grünlands zu über 80% aus der eigenen Produktion decken. Bei Soja sind wir, was den Ackerflächenanteil betrifft, sogar Europameister und wollen diese Vorreiterrolle weiter ausbauen. Das Ziel einer möglichst autonomen Eiweißversorgung tragen wir auch gerne mit, wenn die Rahmenbedingungen passen", unterstrich Moosbrugger.

"Unsere Eiweißstrategie ist der Weg zu diesem ambitionierten Ziel. Entscheidend sind aber nicht nur treffsichere Maßnahmen, sondern auch die Konsumenten. Sie können ihren Beitrag leisten, indem sie auf Produkte mit heimischem Soja setzen. Die verstärkte Unabhängigkeit von Sojaimporten ist daher eine der wichtigsten Zukunftsfragen der kleinstrukturierten Landwirtschaft. Für den Anbau wie auch für die Fütterung werden wir in der zukünftigen Gemeinsamen EU-Agrarpolitik noch stärkere Anreize setzen", betonte Köstinger, die sich auch vom Handel ein klares Bekenntnis zu heimischen Futtermitteln erwartet: "Eines muss klar sein: Wer glaubt, dass importierte Bodenhaltungseier aus Deutschland um 1,30 Euro für zehn Stück nachhaltig oder gentechnikfrei hergestellt werden, der täuscht sich. Es ist ein Sündenfall des Handels, dass erstmals seit zehn Jahren wieder solche Eier in Österreichs Regalen liegen. Dafür fehlt mir jedes Verständnis. Mit solchen Schleuderaktionen werden wir unsere Ziele sicher nicht erreichen", stellte die Ministerin fest.



Mehrkosten müssen vom Markt abgegolten werden



Im Sojaanbau ist Österreich auf der Überholspur: Seit 2010 wurde die Anbaufläche mehr als verdoppelt - heuer sind es bereits mehr als 75.000 ha. Erfreulich ist auch der hohe Bio-Anteil von fast 40%. In den Jahren 2019 und 2020 betrug die Erntemenge mehr als 200.000 t. In Österreich erfolgt der Anbau zur Gänze gentechnikfrei. 50% der inländischen Sojaproduktion werden für die direkte menschliche Ernährung verwendet. Dennoch ist die Alpenrepublik von Importen abhängig - rund 500.000 t Sojabohnen und Sojaschrot werden pro Jahr eingeführt.

Moosbrugger

Um den Sojaanbau noch weiter zu forcieren, braucht es unter anderem klimafitte Sorten, meint Josef Moosbrugger. (Bildquelle: Altmann)

Zudem sind die Preise für heimisches und europäisches (GVO-freies) Soja beziehungsweise Eiweißfuttermittel enorm gestiegen. "Entscheidend ist daher auch, dass die Konsumenten bereit sind, die Mehrkosten für Produkte aus heimischem beziehungsweise europäischem Eiweiß zu tragen. Die Kosten können und sollen nicht allein von den Landwirtinnen und Landwirten oder der öffentlichen Hand getragen werden, sondern müssen mittel- und langfrist ig vom Markt abgegolten werden", unterstrich Moosbrugger.



Strategie mit drei Schwerpunkten



Die erarbeitete Eiweißstrategie enthält drei Schwerpunkte: Erstens geht es um die Steigerung der Anbauflächen und damit die Forcierung des Anbaus von heimischen Eiweißfuttermitteln. Der zweite Schwerpunkt betrifft die Reduktion von Eiweiß in der Fütterung. Wenn dies gelingt, so bedeutet das weniger Sojabedarf, weniger Stickstoff im Wirtschaftsdünger, weniger Belastung des Grundwassers, weniger Ammoniak-Emissionen und damit auch erheblich weniger Geruch. Dafür gibt es eine eigene ÖPUL-Maßnahme als Prämien-Option zur Anwendung einer stark eiweißreduzierten Fütterung. Der dritte Schwerpunkt betrifft den Aufbau der Absatzmärkte und die dauerhafte Abgeltung der Mehrkosten für europäisches Eiweiß durch Marktteilnehmer und Konsumenten. So sollen beim AMA-Gütesiegel die Bereiche mehr Tierwohl und nachhaltige europäische Eiweißfuttermittel miteinander verknüpft werden.

"Ein verstärkter Eiweißpflanzenanbau kommt nicht nur der Ernährungssicherung, Wertschöpfung, dem Arbeitsmarkt und dem Klimaschutz zugute, er wirkt sich auch positiv auf die landwirtschaftlichen Grundlagen aus. Eiweißpflanzen erweitern Fruchtfolgen, sparen durch ihre Fähigkeit zur Stickstoffbindung Düngemittel ein, verbessern die Bodenfruchtbarkeit und vermindern die Erosion. Sie sind somit wahre Multitalente der Pflanzenwelt, von denen wir verstärkt profitieren sollten", erläuterte Moosbrugger.

"Die Landwirtschaftskammern setzen im Bildungs- und Beratungsbereich bereits einen großen Schwerpunkt in diesem Bereich. Es war uns sehr wichtig, unser Know-how in die Eiweißstrategie-Entwicklung einzubringen. Wir bedanken uns bei Bundesministerin Köstinger für diese wertvolle Initiative, konkrete Chancen und Handlungsfelder herauszuarbeiten und den Sektor somit voranzubringen. Der Ausbau der Eigenversorgung ist außerdem wichtig, um den extremen Preisvolatilitäten am Markt etwas entgegenzusetzen und dadurch Planbarkeit und Verlässlichkeit für unsere Betriebe zu erhöhen", so der LK-Präsident.



Krön: Bewusstseinsbildung für heimische Qualitätseiweißproduktion



"Österreich hat durch die gute Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Verarbeitungswirtschaft und Politik beim Sojaanbau in Europa eine Vorreiterrolle eingenommen. Wir sind stolz darauf, dass diese Erfolgsgeschichte auch unmittelbar mit dem Namen Donau Soja in Verbindung gebracht wird. Gleichzeitig müssen wir aber heute handeln, um morgen weiter erfolgreich zu sein. Daher gilt es, bestehende Partnerschaften im Sinne der gesamten Wertschöpfungskette auszubauen und neue zu entwickeln. Außerdem sollte die Bewusstseinsbildung für die Vorteile der heimischen Qualitätseiweißproduktion verstärkt werden", erklärte Krön.

Krön

"Unser Ziel ist die Eiweißwende", sagte Matthias Krön. "Schließlich haben wir uns über Jahre wie ein Süchtiger daran gewöhnt, die Übersee-Sojabohne zu brauchen." (Bildquelle: Altmann)



"Wir begrüßen das Ziel, die Sojaimporte, die zumeist nicht den hohen heimischen Produktionsstandards entsprechen, bis 2030 mit einer Vielzahl an Maßnahmen zu halbieren. Donau Soja tritt dafür ein, dass die verbleibenden Importe nach Österreich in Zukunft zumindest nach denselben Anforderungen hergestellt werden, die für die heimischen Landwirte gelten. Das würde Fairness, Fruchtfolge, Klimaschutz, Artenvielfalt und die europäische Wirtschaft stärken und gleichzeitig Regenwälder und Naturflächen in Südamerika vor weiteren Brandrodungen schützen. Nach wie vor wird ein Teil des heimischen Qualitätssojas exportiert, während für Futtermittel, insbesondere in der Schweinemast, Gentechnik-Soja aus Südamerika importiert wird. Auch im Masthühnerbereich sollte österreichisches beziehungsweise europäisches zertifiziertes Soja verfüttert werden", forderte Krön. Die Mehrkosten müssten selbstverständlich von allen Gliedern der Wertschöpfungskette fair abgegolten werden, da mit dieses System nachhaltig funktioniert.

Die Eiweißstrategie des BMLRT kann auf www.bmlrt.gv.at als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

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