Maikäfer biologisch bekämpfen

Tirol setzt auf Pilzgerste

Mit dem Einsatz von Pilzgerste zur biologischen Bekämpfung konnten die Engerlinge in Tirol und damit die Schäden stark minimiert werden. Über den aktuellen Stand informiert die Landwirtschaftskammer in Innsbruck.

Im Ebenen wird die Pilzgerste mit einem eigenen Gerät und einem Traktor ausgebracht. (Bildquelle: LK Tirol)

Gerade im Tiroler Oberland ist es aufgrund massiven Maikäferbefalls immer wieder zu großen Ernteausfällen in der Landwirtschaft gekommen. Schon 1993 hat man in Tirol begonnen, die Engerlinge mit Pilzgerste zu bekämpfen. Die Gerstenkörner, die als Träger für den Pilz fungieren, werden in den Boden eingebracht, wo sich der Pilz entwickelt und den Larvenbestand dezimiert. Das Land Tirol und die Landwirtschaftskammer arbeiten hier eng mit der Universität Innsbruck zusammen, wo ein Forschungsprojekt zur Pilzgerste läuft. „Wir haben bereits langjährige Erfahrung mit dem Verfahren und entwickeln es ständig weiter. Aktuell forschen wir an einer Methode zur Ausbringung in Steilflächen. Diese soll mit dem Motormäher in flüssiger Form erfolgen. Bisher war die Applikation dort nur händisch möglich“, erklärt Hermann Strasser, Mikrobiologe an der Universität Innsbruck.

Forschung

Am Institut für Mikrobiologie der Universität Innsbruck wird intensiv an der Weiterentwicklung der Pilzgerste geforscht. (Bildquelle: LK Tirol)

Gerade an Hängen ist es wichtig, den Maikäferbestand zu minimieren, wie Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler betont: „Engerlingbefall wirkt sich negativ auf die Hangstabilität aus. Mit der Pilzgerste-Aktion leisten wir einen wesentlichen Beitrag, um das Risiko von Muren und Hangrutschen zu reduzieren. Das Land Tirol sieht seine finanziellen Mittel in diesem Projekt daher gut investiert.“ Die Kosten von 480 Euro pro Hektar teilen sich Land, Gemeinde und Landwirt zu je einem Drittel. Heuer werden tirolweit etwa 1450 Hektar mit Pilzgerste behandelt. Das Verfahren muss auf einer Fläche alle sechs Jahre angewendet werden, damit der Schutz nachhaltig wirkt.

Absicherung für landwirtschaftliche Flächen

Wie wichtig die Pilzgerste-Aktion vor allem für die Landwirte ist, führt LK-Präsident Josef Hechenberger aus: „Der Maikäfer führt zu enormen Schäden im Grün- und Ackerland, aber auch im Obst- und Kleingartenbereich. In den besonders trockenen Sommern 2018/2019 ist er erstmals auch in noch höhere Lagen, etwa nach Längenfeld, vorgedrungen. Das hat zu großflächigen Ernteausfällen geführt. Ich freue mich, dass es uns durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit von Gemeinden, Land, Landwirtschaftskammer, Maschinenring und Universität gelungen ist, hier rasch zu reagieren und in den darauffolgenden Jahren auf zusätzlichen Flächen Pilzgerste auszubringen. Damit wird der Ertrag nachhaltig abgesichert ist.“

Für die Ausbringung der Pilzgerste ist der Maschinenring zuständig. „Wir kümmern uns um die fachgerechte Lagerung und organisieren die Verteilung. Auch die Einarbeitung in den Boden mittels Schlitzgeräten erledigen wir. Unsere Mitarbeiter sind dafür eigens geschult“, erklärt Gottfried Gabl, Geschäftsführer des Maschinenring Oberland abschließend.


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