Vierbauch: "40 % biologisch bewirtschaftete Flächen sind möglich"

"Eine Verdoppelung der Bio-Flächen in Österreich von 20 auf 40% ist möglich. Diese Chance gilt es zu nutzen, wofür es aber auch einen neuen Schwerpunkt im Österreichischen Programm für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) braucht", erklärte gestern Rudi Vierbauch, Obmann von Bio Austria.

(Bildquelle: )

Biolandbau könnte rund ein Drittel der Folgekosten in der österreichischen Landwirtschaft reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschafter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz und Österreich. Die Forscher haben wissenschaftliche Literatur zum volkswirtschaftlichen Nutzen der Bio-Landwirtschaft durch gesellschaftliche Leistungen zusammengestellt und dabei versucht, soweit wie möglich auf österreichische Studien zurückzugreifen.

Anlässlich der Studienpräsentation in Wien forderte Rudi Vierbauch, Obmann von Bio Austria, von der heimischen Politik eine klare Verankerung der biologischen Landwirtschaft als Priorität in der nächsten Legislaturperiode. Eine Verdoppelung der Bio-Fläche in Österreich sollte als mittelfristiges Ziel festgeschrieben werden."

"Es geht nicht um die Diskussion über Gut und Böse, sondern darum, ob die Landwirtschaft marktfähige Güter abliefert oder nicht. Wenn entsprechende Leistungen nicht monetär abgegolten werden, geht es mit der Landwirtschaft in Richtung Intensivierung, und das Potenzial der Ökologisierung wird gesenkt. Die Politik hat es in der Hand die Richtung der Landwirtschaft zu lenken, warnte Vierbauch. In Österreich gibt es 21.000 Bio-Bauern, dieser Anteil ist weltweit einzigartig. Außerdem ist Bio ein guter Verhandlungstrumpf in Brüssel so wie die Berglandwirtschaft auch, so der Obmann von Bio Austria weiter.

Eine erste vorsichtige Auswertung einer Befragung von mehr als 700 heimischen konventionell wirtschaftenden Landwirten zeige, dass eine Verdoppelung der Bio-Flächen in Österreich von 20 auf 40% möglich sei. Diese Chance gilt es zu nutzen, wofür es aber auch einen neuen Schwerpunkt im Österreichischen Programm für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) braucht, so Vierbauch. Zudem müssten auch die Leistungen der biologischen Landwirtschaft voll abgegolten werden - Mehrkosten und Mindererträge inkludiert.

"Wir brauchen deshalb eine ausreichende Finanzierung, um das volle Potenzial heben zu können, forderte der Obmann. Dazu zähle auch die Überarbeitung des 5%-Bio-Bonus bei der Investitionsförderung. Wem die Ökologisierung ein Anliegen ist, macht Kofinanzierungssätze und die Schwerpunktsetzung in der laufenden Programmperiode erst gar nicht zum Thema. Wir kämpfen für eine Bio-Prämie, die das abgelten soll, was durch den Markt nicht bezahlt wird. Die Diskussion um die Förderung der ersten Hektar halte ich für ein Politikum. Die Prioritäten von Bio Austria liegen woanders, wir sind aber einer solchen Staffelung gegenüber positiv eingestellt, erklärte Vierbauch.

ÖPUL hat noch Potenzial

Im ÖPUL sind eine Vielzahl von Maßnahmen verankert. Dennoch könnten damit nicht alle Ziele abgedeckt werden. Das ÖPUL sei aber bereits ein effizientes Maßnahmenpaket und als Grundlage dieser Gesamtförderung zu sehen, erläuterte Studienautor Christian Schader vom FiBL Schweiz. Die Studie zeigt überdies, dass die Bio-Landwirtschaft nicht nur hochwertige Lebensmittel produziert und zum Umweltschutz beiträgt, sondern auch hilft, die Kosten für die Gesellschaft deutlich zu reduzieren. Selbst bei einer konservativen Schätzung und unter Nichtberücksichtigung vieler Arten von externen Kosten der österreichischen Landwirtschaft belaufen sich diese auf EUR 1,3 Mrd. pro Jahr, so Schader.

Bodenfruchtbarkeit ins Zentrum rücken

"Österreich ist der Motor für die Bio-Landwirtschaft und das Bewirtschaftungssystem ist die Sperrspitze der Nachhaltigkeit, wie etwa die Beispiele Förderung des Humusgehaltes und Vermeidung von Bodenverdichtung und -erosion zeigen, unterstrich Thomas Lindenthal, vom FiBL Österreich. Mit Bio kann man nachhaltig die Welternährung sicherstellen, weil es hier eben auch um die Bodenfruchtbarkeit geht, die durch die konventionelle Landwirtschaft massiv gefährdet wird. Der Boden ist eine zentrale Grundlage für uns alle - seine Fruchtbarkeit steht in diesem Zusammenhang allerdings immer seltener im Zentrum, zur Sicherung der Lebensmittelversorgung ist diese aber essenziell, verdeutlichte der Wissenschafter.

Zudem habe Bio auch sehr gute Karten, wenn es um die gesunde Ernährung geht. Karl Zwiauer, Primar und Leiter der Kinder- und Jugendabteilung am Landesklinikum St. Pölten, ist überzeugt, dass biologische Lebensmittel zu essen die einfachste und effizienteste Art ist, die Schadstoffexposition möglichst gering zu halten. Wie aus den wissenschaftlichen Studien hervorgeht habe die Bio-Landwirtschaft eindeutig geringere negative Umweltwirkungen pro Flächeneinheit. Dies betrifft insbesondere Biodiversität, Nährstoff- und Energieressourcen, Treibhausgasemission, Gewässer- und Luftreinhaltung sowie die Bodenfruchtbarkeit, zeigte Lindenthal auf.

"Der gesellschaftliche Nutzen durch die Erbringung multifunktionaler Leistungen sollte über österreichische Studien gezielt erforscht werden. Dazu braucht es eine komplette Kosten-Nutzen-Analyse der biologischen Landwirtschaft, wofür ein entsprechendes Monitoringsystem erforderlich ist, forderte der Experte vom FiBL Österreich, der auch an der Universität für Bodenkultur Wien tätig ist. Am Beispiel Trinkwasseraufbereitung zeigte er auf, dass Kosten, die etwa durch den Bau von Denitrifikationsanlagen oder tieferen Brunnen entstehen, von der Gesellschaft getragen werden. Dies seien verursachte volkswirtschaftliche Aufwendungen, die in Österreich nicht erfasst sind. Allerdings gibt es auch in der Wissenschaft noch große Lücken, wie man derartige Umweltkosten berücksichtigen kann, monierte Lindenthal abschließend. -AIZ-


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen