Kommentar

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Eine von den "Vier Pfoten" in Auftrag gegebene Studie des FiBL macht die Tierhaltung wieder einmal zum Klimasünder. Und Tageszeitungen greifen diesen Ball gleich wieder einmal auf. Dies forciert natürlich die Verunsicherung unter den Verbrauchern. Dass die wahren Klimakiller aber ganz woanders zu suchen sind, zeigt der Kommentar von Torsten Altmann.

"Denn Sie wissen nicht, was sie tun" - An diesen Titel des berühmten Films mit James Dean muss ich unweigerlich denken, wenn ich die aktuelle Berichterstattung in vielen Medien über unsere Landwirtschaft verfolge. Man hört fast täglich, die Landwirtschaft ist Klimakiller Nr. 1: Kühe, Pflanzenschutzmittel, Gülle etc. – all dies ist Schuld am vermeintlich bevorstehenden Untergang unserer Welt, könnte man fast meinen.

Jüngstes Beispiel: Etliche Tageszeitungen haben sich zuletzt der Thematik Tierhaltung als Klimakiller angenommen. Alle zitieren eine von den „Vier Pfoten“ in Auftrag gegebene Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL Österreich), wonach die Tierhaltung für große Mengen der Treibhausgase verantwortlich gemacht wird. Die Studie hat auch gleich die passenden Lösungen parat: Wenn der Fleischkonsum von derzeit 60 kg pro Person um zwei Drittel verringert würde, könnten in Österreich im Ernährungsbereich 28 % der Treibhausgase eingespart werden. Eine vegane Ernährung brächte sogar 70 % Einsparung. „No na“, was soll bei so einer Studie auch anderes herauskommen?

Dabei zeigt eine andere, ganz aktuelle Studie der BOKU, dass die Viehhaltung das Klima viel weniger beeinflusst als bisher angenommen. Danach liegt die Klimawirkung des Treibhausgases Methan pro kg Rindfleisch um 40 %, pro kg Milch sogar um 50 % niedriger als aus früheren Studien bekannt.

Zudem ist bei der Diskussion um die Klimakiller nie die Rede davon, wie viel Treibhausgase z. B. die Flugzeuge über uns und der Verkehr auf unseren Straßen erzeugen. Laut Umweltbundesamt machte der Anteil des Verkehrs, inkl. Flugzeuge, 2020 fast 45 % des Gesamtausstoßes an Treibhausgasen aus, der der Landwirtschaft nur knapp 17 %. Zudem hat die Landwirtschaft laut dieser Studie die Emissionen seit 1990 um 16 % verringert, der Verkehr hat seither um 50 % mehr ausgestoßen. Vermutlich ist es am einfachsten, den Sündenbock in der Landwirtschaft zu suchen.

Die Schlussfolgerung aus den Ergebnissen der FiBL-Studie lautet: Pflanzliche Ernährung könnte den Weg zu den Klimazielen ebnen. Offenbar soll hier versucht werden, Druck auf Wirtschaft und Politik zu machen, um Transformationsprozesse einzuleiten. Schließlich sind vegane ­Produkte industriell gut herzustellen − und sie versprechen im Handel profitable Margen. Dafür benötigt es noch ein gesundes Image, dazu ein perfektes Marketing und fertig ist ein neues Ernährungskonzept!
Doch schon das gesunde Image hat einen Haken. Denn es wird gerne verschwiegen, dass es mit einer rein veganen Ernährung oftmals zu Mangelerscheinungen kommen kann. Dazu zählen Ernährungsexperten z. B. vermehrte Infektanfälligkeit, Wachstumsverzögerung bei Kindern, Sehstörungen, Osteoporose etc.

Unterm Strich tragen solche Medienberichte dazu bei, die Menschen zu verunsichern, wie eine gesunde und nachhaltige Ernährung aussehen kann. Ihnen sei an dieser Stelle versichert: Die österreichische Landwirtschaft in ihrer jetzigen Ausprägung kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten − vorausgesetzt man lässt sie. Denn es wird auf höchstem Niveau produziert. In kaum einem anderen EU-Land wird so viel Wert auf Qualität, Tierwohl, Klima- und Umweltschutz gelegt wie in Österreich. Diese Meldungen gehören in die Medien!

Das Wichtigste zum Thema Österreich freitags per Mail!

Mit Eintragung zum Newsletter stimme ich der Nutzung meiner E-Mail-Adresse im Rahmen des gewählten Newsletters und zugehörigen Angeboten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu.