Erneuerbare Energie: Schutz gegen herannahende Energiekrise

"In einigen Jahren wird es voraussichtlich Engpässe in der Öl- und Gasversorgung verbunden mit exorbitanten Preissteigerungen geben. Nur durch den beschleunigten und vorausschauenden Ausbau erneuerbarer Energien kann eine drohende Energiekrise abgewendet werden", erklärte heute Dr. Heinz Kopetz, Präsident des Österreichischen und Europäischen Biomasse-Verbandes, auf der 14. Österreichischen Biomassetagung in Grieskirchen/Oberösterreich.

Heinz Kopetz appellierte auf der Biomassetagung an die Verantwortlichen in Österreich, ein neues, wirklich engagiertes Ökostromgesetz zu beschließen. Ziel müsse es sein, die Stromproduktion aus Erneuerbaren bis 2020 um 50 % zu erhöhen. (Bildquelle: )

Dass die globale Ölförderung kurz davor steht, ihr Maximum zu erreichen -; bezeichnet wird dies mit dem Begriff Peak Oil" (Ölfördermaximum), verdeutlichte Kjell Aleklett, Präsident von ASPO, der Association for the Study of Peak Oil: Zum jetzigen Zeitpunkt werden rund 86 Mio. Barrel Öl pro Tag gefördert, jedoch schon etwa 87 Mio. Barrel nachgefragt -; dazu steigt die Nachfrage derzeit mehr als 2 % pro Jahr; im besten Fall (bei hohen Fördermengen) lassen sich bis etwa 2015 etwa 93 Millionen Barrel pro Tag erreichen. Im schlechtesten Fall haben wir das Ölfördermaximum bereits erreicht und können das Produktionsniveau noch für einige Jahre aufrechterhalten!" In diesem Zusammenhang verwies Kopetz auf den Energieausblick der Internationalen Energieagentur in Paris. Danach wird bis 2020 die Ölförderung aus den derzeit aktiven Ölfeldern wegen Erschöpfung der Vorräte um mehr als 30 % zurückgehen. Dieser Ausfall könnte nur durch große Investitionen in neue Felder kompensiert werden.

Drei Sofortmaßnahmen notwendig!

"Angesichts der Wirtschaftsflaute, des Einbrechens der Ölpreise und der Finanzkrise werden diese Investitionsprogramme derzeit alle zusammen gestrichen, so Kopetz. Daher seien Engpässe verbunden mit exorbitanten Preissteigerungen abzusehen. Daher schlägt der Österreichische Biomasse-Verband drei Sofortmaßnahmen vor:Umgehende Einführung eines zeitlich befristeten, flexiblen Zuschlags zur Mineralölsteuer auf fossile Brenn- und Treibstoffe in einer Höhe, die einem Rohölpreis von 120 Dollar/Fass entspricht. Mit den Einnahmen soll vor allem der Umbau zu erneuerbaret Energie im Wärmebereich forciert werden. Der Zuschlag soll auslaufen, sobald der Ölpreis über 120 Dollar ansteigt.Weitere Verbesserung und Vereinheitlichung der Investitionsförderung für Biomasse und Solarthermie auf 30 % für Unternehmen und 40 % für Private (die durch die Bezahlung der Mehrwertsteuer ohnehin die Hälfte der Förderung selbst finanzieren).Ein neues Gesetz für Strom aus erneuerbarer Energie anstelle des aktuellen Ökostromgesetzes mit dem Ziel, die Stromerzeugung aus Erneuerbaren bis 2020 um knapp 50 % zu erhöhen.Die aktuelle Gesetzgebung habe den Ökostromausbau zum Erliegen gebracht. Österreich werde immer mehr zum Nettostromimporteur. Die Stromimporte entsprächen schon der Jahresproduktion eines mittleren Atommeilers. Mit der aktuellen Strompolitik forciere Österreich den Ausbau des Atomstroms und die Zunahme der CO2-Emissionen."Die größten Chancen für Energie aus Biomasse liegen darin, Öl und Gas in der Wärmeversorgung zu ersetzen und 10 % des Treibstoffbedarfs mittels Biotreibstoffen abzusichern. Gerade die Preisentwicklung in diesem Jahr zeigt, dass diese 10 % Biotreibstoffe sehr wohl mit der Lebensmittelversorgung in Einklang zu bringen ist, zeigt sich Kopetz überzeugt.

Oberösterreich zeigt, wie es gehen kann

In Oberösterreich liegt der Anteil an erneuerbare Energie am Gesamtenergieverbrauch laut Ludwig Schurm, Obmann des Biomasseverbandes OÖ, bei über 30 % und damit weit über den aktuellen Zahlen der EU und Österreich. Besonders hervorzuheben sei dabei der Sektor Raumwärme mit einem Anteil von 41 % Ökowärme. Bis 2030 wolle Oberösterreich den Energiebedarf für Raumwärme und Strom zur Gänze durch erneuerbare Energie decken. Etwa ein Drittel aller in Österreich installierten Biomasseheizanlagen befinden sich in unserem Bundesland, so Schurm auf der Tagung. Insgesamt gebe es in diesem Bundesland über 300 Biomassegemeinschaftsanlagen, ebenso viele gewerbliche Biomassegroßanlagen und über 32.000 Einzel- oder Kleinfeuerungsanlagen, die mit Hackschnitzel, Scheitholz oder Pellets betrieben werden. Über drei Millionen  Schüttraummeter bäuerliches Waldhackgut, 700.000 Raummeter Brennholz und 100.000 Tonnen Pellets werden verbraucht: Brennstoff im Gesamtwert von über 100 Millionen Euro - Wertschöpfung und Geld, das in der Region bleibt, so Schurm.

Bis 2025 mindestens 50 % Erneuerbare Energien

Im Rahmen einer längerfristigen Energiestrategie schlägt der Österreichische Biomasse-Verband vor, dass sich Österreich das Ziel setzt, bis 2025 mindestens 50 % des Energiebedarfs aus heimischen, erneuerbaren Quellen zu decken und alle Investitionen in diese Richtung gelenkt werden sollten. Damit würde Österreich nicht nur die kommende EU-Richtlinie erfüllen, sondern auch die erforderliche CO2-Reduktion erreichen. Ein Masterplan Energie und Klima 2025 soll die notwendigen Schritte zur Erreichung dieses Zieles im Detail aufzeigen.

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