Durchforsten unter Strom

(Bildquelle: topagrar.at)

Die Akku-Technologie ist im Forst bei kleinen Motorsägen für Baumpflege oder Erstdurchforstungen am Markt. Wie praxisreif ist die aktuelle Technik?

Akku-Kettensägen sind heute bereits ausdauernder und leistungsfähiger, als viele erwarten würden. Und einige positive Eigenschaften sprechen eindeutig für die vermehrte Verwendung auch im Profibereich.

Sauberer, abgasfreier Betrieb:

An erster Stelle steht dabei ein sauberer, abgasfreier und vibrationsärmerer Betrieb. Dazu kommt der Vorteil von nahezu geräuschlosen Motoren – der verpflich-tende Gehörschutz wird damit obsolet. Der Maschinenhersteller Husqvarna gibt etwa an, dass der Geräuschpegel seiner akkubetriebenen Geräte um bis zu 13 dB(A) niedriger als der eines benzinbetriebenen Geräts ist. Das ist ein enormer Unterschied.

Bei einer Reduzierung um 3 dB(A) wird der Geräuschpegel in der Regel nur noch als halb so laut empfunden. Dadurch, dass Akku-Kettensägen weniger zu wartende Teile aufweisen und die Stromkosten geringer sind als jene des Treibstoffgemisches, sollten auch die Betriebskosten auf Dauer geringer sein.

Peter Michelitsch, Forstunternehmer aus der Südsteiermark und Vorstand im österreichischen Forstunternehmerverband, rechnet vor: „Bei einem Tagesverbrauch (8 Stunden) von 7 Liter und Jahresverbrauch (200 Tage) von durchschnittlich 1 400 Liter beträgt allein die Mineralölsteuer (im Schnitt 0,52 €/Liter Benzin im Jahr 2016) pro Jahr 721 €. D. h., dass man bei Vollauslastung allein mit diesem Steueranteil den Gegenwert einer neuen Profi-Motorsäge kaufen könnte.“

Akkutechnik im Vormarsch:

Akku-Kettensägen unterscheiden sich von den Benzingeräten im Wesentlichen durch spezielle bürstenlose Elektromotoren mit einem vergleichsweise höheren Drehmoment und Vorteilen in Bezug auf Gewicht und Wirkungsgrad. Daneben gibt es noch speziell abgestimmte Ketten, welche die Akkulaufzeit deutlich verlängern können. Das Hauptaugenmerk liegt aber bei der Stromspeichertechnologie. Gerade bei den Akkus schreitet die Entwicklung schneller voran und lässt für die nahe Zukunft noch deutliche Sprünge bei Leistungsstärke und Effizienz erwarten.

Heute setzen die meisten Hersteller Li-Ionen Zellen des Formats „18650“ ein, d.h. Zellen mit 18 mm Durchmesser sowie 65 mm Bauhöhe. In den vergangenen Jahren hat sich die speicherbare Energiemenge rasant entwickelt. Innerhalb von rund 5 Jahren wurde diese verdoppelt bis verdreifacht. In dieser Geschwindigkeit wird die Entwicklung nicht weitergehen.

Das aktuelle Maximum beim Format „18650“ liegt bei 6,2 Ah beim Standard-Akkupack. Mit einer weiteren Verdopplung ist hier jedoch in keinem Fall mehr zu rechnen. Es wird noch zwei bis drei Schritte geben, dann wird jedoch beim Format „18650“ das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Erwartet wird dies bei rund 8,0 Ah beim Standard-Akkupack.

Neue Zellen, mehr Saft:

Anders sieht es bei den neu auf den Markt kommenden Zellformaten us. Aktuell tauchen am Markt Zellen mit einem Format bis zu „21700“ auf, also Zellen mit deutlich größerem Durchmesser und größerer Bauhöhe. Diese Zellen verfügen über rund 25% mehr Volumen, das heißt im Umkehrschluss, man bekommt rund 25% mehr Aktivmaterial in die Zellen.

Zudem können durch das größere Volumen die Zellen konstruktiv optimiert werden. Alles in allem werden diese Zellen dazu führen, dass Akkupacks mit höheren Strömen belastet werden und längere Laufzeiten erzielt werden können. Dadurch sollten neue Maschinenklassen „mobil gemacht“ werden. Moderne Akkupacks erlauben auch das Schnellladen bei Ladeströmen in einem Grenzbereich von 14 bis 16 Ampere, ohne dass die Lebensdauer leidet.

Erste Produkte für Forst-Profis:

Die Richtung geht in mehr Watt, z.B. rück-tragbare Akkus, die eine längere Betriebsdauer erlauben. Trotz Trend zum umweltfreundlichen Akkugerät sind Akku-Sägen für den Profi-Einsatz im Forst noch nicht reif. Allerdings sind einige Akku-Produkte für Profis bereits nicht mehr wegzudenken Bsp. Akku-Heckenschere, Akkusägen für kleinere Durchforstungen oder Akku-Motorsensen.

Durch die starke Verbreitung ist die Technologie nicht mehr so teuer und der Preis attraktiv. Bei Akku-Motorsägen wird das sicher noch Zeit brauchen. „36 Volt-Akkus haben sich gut bewährt, da mehr Volt nicht unbedingt mehr Leistung bedeutet. Das Gesamtkonzept macht einen Akku erfolgreich“, verweist Doris Vogl, Stihl Österreich. Die Hus-qvarna Group setzt hingegen bei der Verbesserung seiner Akku-Technologie u. a. auf eine Kooperation mit BMZ GmbH, einem der führenden Systementwickler für intelligente Batterielösungen. Ein vor Kurzem unterzeichneter Vertrag soll die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien für die professionelle Forstwirtschaft und Gartengeräte vorantreiben.

Bis zu 600 Schnitte:

Oregon verspricht für seinen 40 Volt-Lithium-Ionen-Akku B 650 E mit 6,0 Ah/216 Wh-Akku bis zu 600 Schnitte durch bis zu 3 Zoll (7,62 cm) starke Äste. Im Vergleich dazu gibt Stihl die Laufzeit seines Lithium-Ionen Pro-Akkus AP-300 Akkus mit bis zu 50 Minuten als Richtwert an, für das Rückentragesystem AR 3000 bis zu 230 Minuten.

Zur Marktübersicht auf Seite 44: Topmodell von Husqvarna ist die mit der KWF-Innovationsmedaille ausgezeichnete Akku-Pflegesäge 536 LiXP. Stihl ist mit zwei Akku-Kettensägen gut aufgestellt. Ab Mai rundet die neue MSA 140C-BQ die Produktreihe im Bereich Hobby/-Garten hin ab. Neu erhältlich bei Dolmar seit dem Frühjahr ist das Modell AS 3835 Z. Weitere Hersteller wie Black & Decker mit seiner GKC3630L20, Fuxtec mit dem Modell redback 40V Akku-Kettensäge E214C, Güde mit der 36 Volt Lithium Ionen-Kettensäge 300/36 Li-ION Set sind am Markt. Dazu kommt etwa noch der japanische Hersteller Ryobi Ltd. Bei diesen Herstellern bleibt abzuwarten, welche Ambitionen sie für die Nische der Forstprofis zeigen werden.

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