Thema des Monats

Erfolgsmodell Familienforst

Der WWF will Wälder im Kampf gegen den Klimawandel großflächig außer Nutzung stellen und die Holzernte drastisch reduzieren. Im aktuellen Kommentar erklärt Stefan Zwettler, Leiter Abteilung Forst und Energie der LK Steiermark, welche Gefahren damit verbunden wären.

Zwettler

Stefan Zwettler, Leiter Abteilung Forst und Energie, LK Steiermark. (Bildquelle: LK/Musch)

Aktuell bringen sich namhafte Umweltorganisationen in Stellung, um den österreichischen Wald zu „retten“. Was sie vorhaben, offenbart beispielsweise der kürzlich vom WWF veröffentlichte erste „unabhängige“ Waldbericht für Österreich 2020 – mit dem Titel „Wald in der Krise“. Das Ziel: Wälder großflächig außer Nutzung zu stellen und die Holzernte drastisch zu reduzieren.

Dass dies dringend nötig sei, belegen die Autoren mit fragwürdigen Zahlentricks: So befinden sich laut dem Bericht nur 11 % des Österreichischen Waldes in einem guten Zustand. Bei dieser Zahl geht der WWF allerdings von einer Waldausstattung von 93 % aus, wie es sie in einem nacheiszeitlichen, unbewohnten Österreich gegeben haben mag. Das ist natürlich blanker Unsinn. Vielmehr müsste man in der Berechnung von der tatsächlichen aktuellen Waldausstattung in Höhe von 48 % ausgehen. Und dann liegt der Wert des guten Zustandes deutlich höher, und zwar bei 25 %. Damit ist diesem Anklagepunkt die Grundlage entzogen.

Naive Realitätsverweigerung ist auch die Forderung des WWF, die technisierte Holzernte einzuschränken, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das hieße im Prinzip nichts anderes, als weg mit Harvester, Krananhänger & Co. und den „Holzknecht wieder herauszuholen“. Und das Postulat, Schadholz nach Windwurfereignissen auf den Flächen zu belassen, „rundet den unabhängigen“ Waldbericht ab. Unterm Strich würde man damit doch einer Borkenkäferkatastrophe freien Lauf lassen.

„Der Wald der Zukunft muss ökologische, ökonomische und soziale Grundsätze gleichermaßen berücksichtigen.“

Nicht genug damit, stößt auch Greenpeace mit seiner „Europäischen Waldvision“ ins selbe Horn wie der WWF. Die selbsternannten „Waldretter“ fordern, die Nutzung des Forstes in Österreich sowie Schweden, Finnland, Deutschland, Polen und Frankreich auf 50 % des Zuwachses einzuschränken. Begründet wird dies mit dem Ziel, die CO2-Bindung für Europa zu verdoppeln. Was fehlt, ist aber eine konstruktive und wissenschaftlich untermauerte Analyse, ob das überhaupt funktioniert. Ja, Wald speichert Kohlenstoff (C). Große Stilllegungskonzepte hingegen erweisen sich aber nur allzu schnell als Hochrisikokonzepte und der Wald wird zur C-Quelle.

Biodiversität ist selbstverständlich die Grundlage unseres wirtschaftlichen Handelns. Das Erfolgsrezept unserer Breiten lautet nachhaltige Familienforstwirtschaft. Dahinter stehen 145.000 Eigentümer. Wir haben ein ausreichendes Netz an Schutzgebieten und ein klares Bekenntnis zu einem integrativen Naturschutz. Auch eine Ausweitung kleinflächiger Waldreservate über Vertragsnaturschutz ist vorgesehen. Wir werden jedes Jahr besser.

Eine verantwortungsvolle, nachhaltige Nutzung des Rohstoffes Holz für stoffliche und energetische Zwecke und die Stärkung der Widerstandskraft unserer Wälder sind Teil der Lösung im Kampf gegen den Klimawandel und für eine Klimaneutralität bis 2040. Die Schwarz-Weiß-Malerei von WWF und Greenpeace bringen uns nicht weiter. Das Erfolgsmodell für Europa beruht auf echter Fachexpertise. Diese versteht es, ökologische, ökonomische und soziale Grundsätze in einer ausgewogenen Balance zu halten.