Aus dem Heft

Holzpreise: Die Bauern wollen mehr vom Kuchen

Seit Monaten galoppieren die Holzproduktpreise in lichte Höhen. Bei den Waldbauern kommt davon nur wenig und vor allem zeitverzögert an. Viele sind daher frustriert und sauer. Nach Einschätzung von Marktinsidern könnte der Holzpreis aber durchaus die 120 €-Marke erreichen.

Die Holzverarbeiter reiben sich die Hände: Während die Schnittholzpreise enorm anstiegen, zogen die Rundholzpreise nur langsam nach.

Die Holzverarbeiter reiben sich die Hände: Während die Schnittholzpreise enorm anstiegen, zogen die Rundholzpreise nur langsam nach. (Bildquelle: Greil)

"Für uns ist das wie Krieg. Das Holz ist weg und das Geld auch“, beklagt Erwin Rupp-Pöckl, Waldbauer in Waidhofen/Thaya, die perfide Marktsituation. Auch die Preissteigerungen beim Rundholz seit Jahresbeginn würden ihm und seinen Berufskollegen in der Region nicht viel helfen. Tatsächlich hinken die Rundholzpreise im nördlichen Niederösterreich wegen der dortigen massiven Borkenkäferplage seit geraumer Zeit um gut 10 € hinter jenen in (Rest-)Österreich hinterher. „Unverständlicherweise bekommen wir seit Jahren weniger, obwohl es für alle Segmente genügend Abnehmer in der Region bzw. in der Nähe gibt. Beim Verkauf der Fertigware besteht dann sowieso kein Preisunterschied mehr“, zürnt der Waldbauer.

Eine Situation, die Franz Fischer, Obmann der Waldgemeinschaft Raabs sowie vom Waldverband NÖ, bestätigt: „Eigentlich hätten die Rundholzpreise schon ab Mitte 2020 steigen müssen. Doch sie wurden im vierten Quartal nochmals gesenkt.“ Das wäre alles andere als fair von der Industrie gewesen und habe die Unzufriedenheit der Bauern nochmals angefeuert.

„Der zu dieser Zeit schon stark nachgefragte Rohstoff wurde uns unter seinem Wert um billigstes Geld abgenommen und dann damit gute Geschäfte gemacht“, zeigt sich der Landeskammerrat betroffen, „denn die Schnittholzmärkte boomen ja schon länger.“ Vor allem die Exportpreise heben seit Monaten ab: Gab es beim Schnittholzexport früher durchschnittlich 300 €/m³, erlöst die Sägeindustrie nun 500 bis 550 €, berichtet Fischer. „Doch ein gerechtfertigter Anteil wurde uns bis zum heurigen Frühjahr de facto nicht weitergegeben“, so Fischer säuerlich.

Langes Tal der Tränen

Die aktuellen Rundholzpreise haben bis auf das Waldviertel nun die 100 €-Marke erreicht, berichtet die LK Österreich in ihrem aktuellen Mai-Holzmarktreport. Doch damit wird erst am Preisniveau der Jahre 2012 und 2013 gekratzt (siehe Übersicht 1).

Gerade die letzten Jahre waren durch ein massives Aufkommen an Käferholz geprägt – vor allem in niederen Lagen. Hauptbetroffen davon war das Waldviertel. „Unsere Region wurde die letzten Jahre wegen des Schadholzes letztlich dazu missbraucht, um die Rundholzpreise generell niedrig zu halten“, ringt Landwirt Rupp-Pöckl im top agrar-­Gespräch sichtlich nach Fassung.

Diese generelle Problematik zeigt auch der aktuelle Holzeinschlagsbericht des Landwirtschaftsministeriums. Demnach wurden 2020 nur rund 16,80 Mio. Erntefestmeter (Efm) Holz aus den heimischen Wäldern genutzt. Der Holzeinschlag fiel damit um 11,2 % geringer aus als 2019. Mit 8,91 Mio. Efm (53 % des Gesamteinschlages) liegt der Klimawandel-bedingte Schadholzanteil um satte 38 % über dem zehnjährigen Durchschnitt.

Zahlen, die Rudolf Rosenstatter, Obmann der Waldverbände Salzburg und Österreich, nicht überraschten. Für ihn ist der „schwache Holzeinschlag das Ergebnis katastrophaler...