100 Mio. €-Großkredit für MHP vom Tisch

Nach monatelangem Ringen teilte die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) mit, dass die geplante Kapitalspritze in Höhe von 100 Mio. € an das ukrainische Hühnermast-Unternehmen MHP nun endgültig vom Tisch ist.

Ein Teil der riesigen MHP-Geflügelmastanlagen in der ukrainsichen Region Vinnytsia. (Bildquelle: Sreenshot)

Zur Vorgeschichte: MHP ist ein Geflügelmastunternehmen mit Steuersitz auf Zypern und Mastanlagen in der Ukraine. Ursprünglich im Ackerbau tätig, wurde es nicht zuletzt durch Investitionskapital von Entwicklungsbanken zu einem der größten Geflügelkonzerne in Europa aufgebläht. Zwischen 2003 und 2017 erhielt MHP etwa 700 Mio. US-$ an Darlehen von Internationalen Finanzinstitutionen (EBRD und Weltbankgruppe).

Diese beispiellose Unterstützung mit öffentlichen Mitteln ermöglichte es MHP, zu einem Quasi-Monopolisten in der Ukraine zu werden und in der Region Vinnytsia Mastanlagen mit einer Jahreskapazität von 220 Mio. Hühnern zu errichten – mit den entsprechenden negativen Folgen für die lokale Bevölkerung. Ein Beschwerdeverfahren der Anrainergemeinden bei der EBRD ist anhängig.

EU fördert ihre außereuropäische Konkurrenz

Anfang 2019 verlautbarte die EBRD, dem MHP-Konzern neuerlich 100 Mio. € zustecken zu wollen, diesmal für die Übernahme des Geflügelunternehmens Perutnina Ptuj mit Sitz in Slowenien. Als Projektziel nannte die EBRD, „die Strategie der MHP-Gruppe zu unterstützen, ihre Geschäftstätigkeit in die EU und andere Staaten auszudehnen, um ein multinationaler Produzent zu werden“.

Ein seltsames Ziel für eine Entwicklungsbank. Überdies wurde diese Übernahme aber schon im Februar ohne EBRD-Gelder abgeschlossen und die EBRD konnte seither nicht schlüssig erklären, wofür die 100 Mio. € verwendet werden sollten.

Mit Knochentrick massenhafter Export von billigem Mastgeflügelfleisch

Darüber hinaus sorgte MHP in den vergangenen Monaten mehrfach für negative Schlagzeilen. So wurden Aufnahmen aus seinem Gänsestopf-Betrieb publik, die unfassbare Tierquälerei zeigen.

Und MHP sorgte für massiven Unmut, indem es mit einem Trick ein Schlupfloch in den Handelsvereinbarungen zwischen der EU und der Ukraine ausnutzte und über die Quoten hinaus zehntausende Tonnen Hühnerbrustfleisch zollfrei in die EU-Staaten exportierte. In konzerneigenen Betrieben in den Niederlanden und der Slowakei wurden die Knochen bei den Edelteilen dann von den Knochen getrennt.

Kreditentscheidung wegen Kritik mehrmals verschoben

Die Kritik an den EBRD-Plänen wurde maßgeblich auch vom österreichischen Grünen EU-Abgeordneten a.D. Thomas Waitz und der österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG) vorgebracht. Und auch innerhalb der EBRD wuchs der Widerstand.

Die EBRD hat über 60 Anteilseigner und operiert mit öffentlichen Geldern dieser Staaten. Die Mitgliedstaaten der EU halten zusammen fast zwei Drittel der Anteile und damit der Stimmrechte.

Die Abstimmung über die Kapitalvergabe an den MHP-Konzern im Direktorium der EBRD wurde sechsmal verschoben, bevor sie nun endgültig gestrichen wurde.

Forderung nach dauerhaftem Aus von Geldern für Tierqual und Umweltschäden

Nicolas Entrup von der Kampagnenagentur „Shifting Values“, dass maßgeblich über die MHP-Praktiken informiert hatte, begrüßt das Aus für den Großkredit: „Wir fordern die EBRD dazu auf, aus diesem Desaster die richtigen Schlüsse zu ziehen. Öffentliche Mittel dürfen nicht länger für industrielle Tierhaltung vergeben werden. Angesichts der massiven Klima- und Umweltschäden der massenhaften Fleischproduktion – vom milliardenfachen Tierleid ganz zu schweigen – sollte dieser Sektor nicht mehr für Entwicklungsgelder in Frage kommen.“


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