Lebensmittelhandel

Immer lautere SOS-Rufe der Eierbauern

Alarmstimmung bei den österreichischen Eierproduzenten: Die explodierenden Produktionskosten gefährden viele Familienbetriebe. Wenn der Handel nicht endlich die Kosten voll ausgleicht, drohen Betriebsschließungen und das Ende der GVO-freien Fütterung.

ie österreichischen Eierproduzenten haben noch immer mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen, zudem bedrohen die seit Monaten steigenden Futterpreise zunehmend die Existenzen der bäuerlichen Familienbetriebe. Die Produzentenpreise hingegen sind jahrelang gleich geblieben. Seit Monaten verweist die Branche auf nötige Preissteigerungen.

"Eine adäquate Anhebung der Erzeugerpreise ist dringend notwendig, um auch in Zukunft das gentechnikfrei und klimafreundlich erzeugte österreichische Frühstücksei genießen zu können", mahnen die EZG Frischei und die Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Geflügelwirtschaft (ZAG) erneut in einer gemeinsamen Aussendung.

Preisverfall statt Wertschätzung

"Die heimischen Eierproduzenten sind Vorreiter in Sachen artgerechte Tierhaltung, gentechnikfreie Fütterung, Lebensmittelsicherheit, Qualität sowie transparente Herkunft. Sie erzeugen Frischeier höchster Qualität zu einem leistbaren Preis. Der Selbstversorgungsgrad steigt seit der Umsetzung des Käfigverbots kontinuierlich an. Das bedeutet für die Konsumenten Sicherheit bei der Lebensmittelversorgung. Außerdem zeigt es, dass die Eierproduzenten voll und ganz hinter dem 'Österreichpaket für Tierschutz, Nachhaltigkeit, Regionalität und Sicherheit' stehen, stellte EZG-Obmann Franz Kirchweger fest.

Doch diese Leistungen werden nicht honoriert: "Offizielle AMA-Preismeldungen weisen bei Bodenhaltungseiern für 2020 sogar eine Preisreduktion von 8% im Vergleich zu 2010 aus", gibt Kirchweger zu bedenken.

"Die gentechnikfreie Fütterung der Hennen, und hier vor allem europäisches Soja aus dem Donauraum, macht unsere Eiproduktion zur klimafreundlichsten Europas. Doch die Preisdifferenz zwischen gentechnisch verändertem und gentechnikfreiem Soja steigt seit vielen Jahren stark an. Statt den Landwirten diese Preisdifferenz auch abzugelten, wurden im Handel vermehrt Eier zu Aktionspreisen angeboten. Preisverfall statt Wertschätzung - so sieht eine faire Partnerschaft nicht aus", kritisiert zudem ZAG-Obmann Franz Karlhuber.

Ohne sofortiger Preisanpassung sterben Familienbetriebe

"Erfolgt jetzt keine reale Preisanpassung an die tatsächlichen Produktionskosten bei Eiern, dann verlieren viele heimische Familienbetriebe ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage", warnt Kirchweger. Fairness und Verantwortung des Handels seien jetzt gefragt und das müsse sich auch im Erzeugerpreis widerspiegeln. Daher ist der gesamte finanzielle Mehraufwand für den Einsatz des Donau-Soja-Futters abzugelten.

Denn "das 'Österreichpaket für Tierschutz, Nachhaltigkeit, Regionalität und Sicherheit' bei den Frischeiern gibt es nicht zum Nulltarif", ergänzt ZAG-Frontmann Karlhuber.

Tatsächlich geht es um eine Erhöhung von nur 2 Cent pro Ei. Kommt es zu keiner Verbesserung der Erzeugerpreissituation dürften viele Betriebe ihre Produktion einschränken bzw. vollkommen aussteigen. Zudem gibt es – auch wenn dies die Vertreter der Eierbauern noch nicht laut aussprechen – weitere Eskalationsstufen ind er Branche: Etwa den Ausstieg aus der Donau-Soja-Verfütterung oder gleich den gänzlichen Ausstieg aus der GVO-freien Eierproduktion. Aber will das der LEH wirklich?

Eindringliches Schreiben an die LEH-Bosse

Die Verbände jedenfalls haben den Chefs der großen LEH-Ketten die präkare Situation und Existenznöte der Eierbauern auch in einem persönlichen Schreiben vor Augen geführt, so die ZAG gegenüber top agrar.