Österreichs Legehennenhaltung bald „käfigfrei“

Die Käfighaltung wird in der heimischen Legehennenhaltung mit Ende dieses Jahres der Vergangenheit angehören. Dann endet auch die Übergangsfrist für ausgestaltete Käfige. Die Interessensvertreter fordern jetzt auch ein Importverbot von Käfigeiern.

Die Landwirtschaftskammer OÖ fordert die verpflichtende Kennzeichnung für Verarbeitungsprodukte mit Eianteil im Lebensmittelhandel und in der Gemeinschaftsverpflegung hinsichtlich Herkunft und Haltungsform. (Bildquelle: LK OÖ)

Mit dem Bundestierschutzgesetz wurde die Haltung von Legehennen im herkömmlichen Käfig in Österreich bereits mit Ende 2008 verboten. In der EU gilt das Verbot seit Jänner 2012. Gleichzeitig wurde für Österreich eine Übergangsfrist für schon bestehende sogenannte „ausgestaltete Käfige“ mit höherem Platzangebot, Sitzstangen und eigenem Nest bis 1. Jänner 2020 festgelegt. Acht Betriebe, davon drei in Oberösterreich, die noch im Rahmen der Übergangsfrist ausgestaltete Käfige haben, werden spätestens mit Ende dieses Jahres auf andere Haltungsformen umgestellt haben und dann ist Österreich „käfigfrei“.

Käfigverbot nur in der Schweiz und Österreich

„In den anderen EU-Ländern dürfen ausgestaltete Käfige dagegen auch in Zukunft betrieben werden. Der Marktanteil von Eiern aus dieser Haltungsform beträgt EU-weit 56 Prozent. Österreich ist nun also das einzige EU-Mitgliedsland mit einem hundertprozentigen Käfigverbot. Weltweit gibt es das absolute Käfigverbot für Legehennen somit nur in der Schweiz und in Österreich. Konsequenterweise müsste nun auch der Import von Käfigeiern in Schale und von Verarbeitungsprodukten mit Käfigeianteil wie zB in Back- und Teigwaren oder der Mayonnaise verboten werden“, fordert Landwirtschaftskammerpräsident Franz Reisecker, denn: „Im Tierschutz den nationalen Staaten über die EU-Gesetzgebung hinaus gehend strengere Bestimmungen zu erlauben, ohne das Thema im innergemeinschaftlichen Handel aufzugreifen, führt zu Wettbewerbsverzerrungen und muss als Halbherzigkeit bezeichnet werden.“

Erste Bundesländer reagieren auf diese Situation und verlangen im Bereich der Gemeinschaftsverpflegungen und Marktordnungen (zB bei den Wiener Wochenmärkten) bei Ausschreibungen die Einhaltung der österreichischen Tierschutzbestimmungen. „Ich fordere, es den Mitgliedstaaten europaweit zu ermöglichen, dass sie die national strengeren Tierschutzbestimmungen auch für Importware verpflichtend verlangen können“, so Reisecker. Von EU-weit rund 391 Mio. Legehennen werden 56 Prozent in Käfigen gehalten, im Freiland rund 14 Prozent, und weitere 5 Prozent ökologisch.

Kennzeichnung auch bei Verarbeitungsprodukten

Überall dort, wo die heimischen Konsumenten selbst die Wahl haben und eine klare Kennzeichnung vorhanden ist, fällt die Kaufentscheidung eindeutig zugunsten heimischer Qualitätseier aus. Aber auch in über 800 Lebensmitteln des täglichen Bedarfes sind sie enthalten. Auch die Gastronomie braucht in großem Umfang Eier. „Bei Lebensmitteln wie Nudeln oder Backwaren und in der Gastronomie fehlt eine klare Kennzeichnung hinsichtlich Herkunft und Haltungsform und damit auch die Möglichkeit für den Konsumenten, selbst zu entscheiden, zu welcher Herkunft er greifen möchte", stellt Reisecker fest.

Etwa 13 Prozent des heimischen Eierbedarfes werden durch nicht in Österreich erzeugte Eier, meist aus der Käfighaltung, abgedeckt. Nicht deshalb, weil Österreichs Bauern nicht in der Lage wären, diese Menge selbst zu produzieren, sondern weil Käufer die geringfügig billigeren ausländischen Käfigeier den heimischen Eiern vorziehen.

Diese 13 Prozent entsprechen einer Menge von ca. 324 Millionen Eiern pro Jahr, welche von ca. 1,2 Millionen Legehennen gelegt werden. „Die fehlende verpflichtende Kennzeichnung hinsichtlich Haltungsform und Herkunft bei Verarbeitungsprodukten im Lebensmitteleinzelhandel und in der Gastronomie schwächt die Marktposition österreichischer Erzeuger. Eier aus der EU-rechtlich noch erlaubten Form der Käfighaltung drängen auf den österreichischen Markt und setzen unsere Eierproduzenten einem ruinösen Preiskampf aus.

AMA-Gütesiegel als Ausschreibkriterium

Deshalb fordert die Landwirtschaftskammer OÖ die verpflichtende Kennzeichnung für Verarbeitungsprodukte mit Eianteil im Lebensmittelhandel und in der Gemeinschaftsverpflegung hinsichtlich Herkunft und Haltungsform. Nachdem nun auch Verarbeitungseier wie Flüssigeiprodukte mit dem AMA-Gütesiegel zur Verfügung stehen, besteht auch bei Fertigprodukten die Möglichkeit, Herkunftsland und Haltungsform zu deklarieren. Mit dem Bau des EiVita Werkes in der Steiermark wird nun seit mehr als drei Jahren auch Eitrockenpulver aus heimischer Ware erzeugt. Dieses wird in über 800 Lebensmitteln weiterverarbeitet.

Als wichtiger Schritt muss ein einheitlicher Text für die Ausschreibung von Eiern und Eiprodukten (Schaleneier, gekochte und geschälte Eier, Trockenei und verschiedene Flüssigeiprodukte usw.) erstellt werden. Die Ausschreibungen müssen so erfolgen, dass nur Produkte von Lieferfirmen angeboten werden dürfen, welche den österreichischen Tierschutzstandards entsprechen. Am einfachsten wäre das zu erreichen, wenn das AMA-Gütesiegel als Ausschreibungskriterium aufgenommen werden würde.

Artikel geschrieben von

Beate Kraml

Redaktion

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