Unlauterem Wettbewerb bei ausländischem Billiggeflügel einen Riegel vorschieben!

Nicht zuletzt der Bericht in der aktuellen top agrar Österreich Nr. 6 über das ukrainische Unternehmen MHP, welches große Mengen an Hühnerbrust-Fleisch billig in die EU liefert und dabei EU-Zollregelungen umgeht, zieht jetzt Proteste der Geflügelbranche nach sich. Die heimischen Geflügelbauern fordern, dass Schlupflöcher für den Import von Geflügelfleisch geschlossen werden. Die Hühnermäster dürfen nicht weiter dem unlauteren Wettbewerb ausgesetzt werden, betont die Landwirtschaftskammer OÖ.

„Wir wollen, dass der Konsument die Herkunft von heimischem Geflügel rasch erkennen kann“, betonen LK-Präsident ÖR Ing. Franz Reisecker und GGÖ Obmann Markus Lukas. (Bildquelle: LK OÖ)

Geflügelfleisch ist bei den Konsumenten im Trend. Wachstumsmotor der Branche ist das Masthendl, das von den österreichischen Hühnermästern ausschließlich in AMA-Gütesiegel-Qualität und GVO-frei produziert wird, so die GGÖ und die LK Oberösterreich in einer Aussendung.

Mit gefinkelten Zuschnitten EU-Zollregelungen umgangen

In den letzten Wochen habe es zahlreiche Berichte über das ukrainische Unternehmen MHP gegeben, welches von der europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) über viele Jahre unterstützt wurde. Durch das Nutzen bestehender Importquoten in die EU hätten große Mengen an Hühnerbrust-Fleisch billig in die EU geliefert werden können. Durch gefinkelte Zuschnitte – konkret das Nicht-Auslösen eines Knochens – seien die EU-Zollregelungen umgangen worden. Eine ähnliche Problematik habe es vor einigen Jahren schon mit „leicht gesalzenem“ Geflügelfleisch aus Brasilien gegeben.

„Die Landwirtschaftskammer fordert daher die EU dringend auf, Schlupflöcher bei den Zolltarifnummern so rasch wie möglich zu schließen, um die heimischen Geflügelbauern nicht weiterhin diesem unlauteren Wettbewerb auszusetzen. Während in Österreich die Standards in der Tierhaltung laufend verbessert werden, sind außerhalb der EU die Haltungsbedingungen bei weitem nicht so streng, außerdem werden oft in der EU nicht mehr zugelassene Medikamente eingesetzt“, informiert Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ.

Für die Landwirtschaftskammer ist die Entwicklung bedenklich, weil mit EU-Geldern ausländische Oligarchen unterstützt werden, welche dann in der Folge Billighühnerfleisch in die EU liefern und somit die heimischen Bauern wirtschaftlich schädigen. „Der steigende Import aus der Ukraine, aber auch aus anderen Drittstaaten, hat zu einem massiven Preisdruck in Europa geführt, der sich auch in Österreich negativ bemerkbar macht“, betont Reisecker.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Geflügelfleisch ist in den letzten Jahren von 9,1 Kilo auf 12,6 Kilo pro Kopf und Jahr gestiegen. In der Versorgungsbilanz für Geflügel sind Masthühner, Truthühner, Enten und Gänse enthalten. Durch hohe Importe bei Truthühnern, Gänsen und Enten beträgt die Inlandsversorgung für Geflügel insgesamt nur 71 Prozent. Der Verbrauch sollte in den nächsten Jahren stabil bleiben. Geflügelfleisch lässt sich rasch und einfach zubereiten, das schätzen nicht nur die Konsumenten, sondern auch die Köche.

Stallbauoffensive von LK-Beratung und GGÖ zeigte Wirkung

Um die rückläufige Inlandsproduktion zu stoppen, initiierten die Landwirtschaftskammer und die Erzeugergemeinschaft Geflügelmastgenossenschaft Österreich GGÖ eine Stallbauoffensive. Gemeinsam mit interessierten Bauern wurden maßgeschneiderte Projekte entwickelt. So entstanden in den letzten Jahren in Oberösterreich und im angrenzenden Niederösterreich auf 42 Betrieben ca. 1,4 Mio. Mastplätze. Einige davon sind noch in der Planungs- bzw. Bauphase. „Durch diese Initiative steigt nun der Eigenversorgungsgrad beim Hühnerfleisch wieder an“, erläutert Reisecker.

Der aktuelle Bedarf der Schlachtbetriebe ist damit abgedeckt, sodass diese in nächster Zeit darüber hinaus keine neuen Mastverträge vergeben werden. Neueinsteiger in die Geflügelhaltung werden in den Bereichen Konsum- und Bruteierproduktion von der LK beraten.

Artikel geschrieben von

Torsten Altmann

Schreiben Sie Torsten Altmann eine Nachricht

Droht jetzt Verbot der Vollspaltenböden?

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen