Aktuelles Interview

Vogelgrippe: Gefahr nicht unterschätzen!

Die Vogelgrippe hat Österreich noch nicht erreicht. Doch das Sozialministerium hat bereits Maßnahmen erlassen. Welche das sind, erklärt Geflügelfachtierarzt Dr. Peter Mitsch.

Mitsch

Dr. Peter Mitsch ist Fachtierarzt für Geflügel. (Bildquelle: Privat)

Wie nahe an Österreich ist die Vogelgrippe-Gefahr bereits?

Dr. Mitsch: Es gibt Fälle bei Wildvögeln sehr nahe unserer Grenzen. In Bayern wurde sie bei einer nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt erlegten Ente nachgewiesen. In Slowenien wurden verendete Schwäne positiv getestet, in Kroatien war ein Putenmast-Betrieb betroffen.

Wie hoch ist das Risiko einer Seucheneinschleppung derzeit?

Dr. Mitsch: Da heuer mehr Vogelgrippe-positive Wildvögel in Europa gefunden werden als in den letzten Jahren und auch im Ausgangsgebiet der Seuche (Grenzgebiet Russland/Kasachstan) eine große Anzahl von Tieren betroffen war, ist von einem höheren Risiko auch bei uns auszugehen.

Was passiert, wenn die Grippe in einem Geflügelstall auftritt?

Dr. Mitsch: Der betroffene Betrieb wird bei einem Nachweis gesperrt und die Tiere müssen gekeult werden. Rund um den betroffenen Betrieb wird eine Schutzzone (3 km-Radius) und eine Überwachungszone (10 km-Radius) etabliert. Alle geflügelhaltende Betriebe in diesen Zonen werden untersucht, Transporte aus und in die Zonen sind untersagt bzw. nur nach Testung möglich. Wie sich ein eventueller Nachweis auf den Handel auswirkt bleibt abzuwarten.

Was ist, wenn die Krankheit bei uns nur bei Wildvögeln auftritt?

Dr. Mitsch: Je nach Gefährdungslage werden Risikogebiete definiert und in der Geflügelpest-Verordnung veröffentlicht. In dieser Verordnung werden auch die einzelnen Maßnahmen vorgegeben. Diese sollen den Kontakt von Haus- zu Wildvögeln verhindern. Für alle Geflügelhalter gilt eine Anzeigepflicht bei Verdachtsfällen sowie erhöhte Biosicherheitsmaßnahmen. Verendet aufgefundene Greif- und Wasservögel sind auf die Vogelgrippe zu untersuchen.

Wie lange werden die Präventionsmaßnahmen aufrecht sein?

Dr. Mitsch: Das hängt von der Bedrohungssituation bei uns, aber auch von der Situation in den Ländern rund um Österreich ab. Erfahrungsgemäß tritt eine Entspannung erst im Frühjahr ein, wenn die Temperaturen steigen und die Vögel wieder in den Norden wandern.

Biogeflügel darf nur bis 16 Wochen durchgehend in amtlicher Zwangshaft stehen, dann verliert es den Biostatus. Droht wegen der Vogelgrippe-Gefahr eine Stallpflicht über 16 Monate hinaus?

Dr. Mitsch: Dies muss letztlich die Behörde entscheiden. Da die Frist bereits auf 16 Wochen verlängert wurde, ist eher davon auszugehen, dass keine weitere Verlängerung nötig sein wird.

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Das Geflügelpest-Virus ist bei Wildenten im Landkreis Passau (Bayern) nachgewiesen worden. Das Österreichische Gesundheitsministerium mahnt daher zu erhöhter Wachsamkeit.


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