Wiener Tierschutzverein unterstützt heimische Putenhalter

Kaum zu glauben, aber wahr: Erstmals ergreift ein Tierschutzverein Partei für Österreichs Tierhalter. In diesem Fall für unsere Putenhalter. „Preiskrieg“ bricht heimischer Pute den Hals – titelt der Wiener Tierschutzverein in einer Aussendung. und richtet eindringliche Appelle an Politik, Handelsketten und Wirtschaftskammer.

Durch Dumpingpreise im Handel wird die heimische Putenproduktion gefährdet", so Madeleine Petrovic. (Bildquelle: pixabay.com/Alexas_Fotos )

In der Hühnerhaltung sei Österreich bereits zu einem Vorzeigeland avanciert, so Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins (WTV). Dies sei nur durch eine Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Tierschutz und Wirtschaft möglich gewesen.

Auch bei Puten werde ein ähnlicher Weg angestrebt, der jetzt kurz vor dem Ziel zu scheitern droht. Denn Dumpingprodukte aus Osteuropa, Italien, aber auch Deutschland würden zunehmend die heimischen Geflügelbauern, insbesondere die kleinen Familienbetriebe gefährden. Diese seien dem Preisdruck großer Geflügelfarmen aus dem Ausland nicht gewachsen. Petrovic: „Die Handelsketten, die dieses Fleisch anbieten und sich gegenseitig mit immer noch billigeren Aktionen unterbieten, tun ihr Übriges dazu.“
 
Pöttelsdorfer Schlachthof dicht 
 
Ein erstes bekanntes Opfer dieses „Handelskriegs“ gebe es bereits: So musste der Putenschlachthof Pöttelsdorf per Ende Mai 2018 seinen Betrieb beenden, weil „manche Handelsketten ausländische Billigprodukte ohne Kontrollen durch den Tierschutz als „Eigenmarke“ vertreiben und österreichische Preise unterbieten“,so Petrovic. Die Präsidentin ortet dringenden Handlungsbedarf, damit die heimische Zucht und Haltung von Puten nicht kurz vor Erreichen einer Branchenlösung scheitert. Es gehe um eine Lösung, in der man „wieder ein Stück zurück zur Natur wollte, den Tieren Licht, Luft und Sonne in verpflichtenden Wintergärten garantiert hätte“, so Petrovic.
 
Der Verlust einer österreichischen Qualitätsproduktion wie Pöttelsdorfer nützt jedenfalls nur einigen wenigen Agrarfabriken, vernichtet Arbeitsplätze und macht österreichische Tierschutz-Kontrollen unmöglich.
 
Daher sieht Petrovic die Politik dringend gefordert: „Die Politik muss heimische  Qualitätsproduktionen unterstützen, etwa durch den Einkauf für öffentliche Kantinen, Kindergärten, Schulen, Ämter, Spitäler, Altenheime und Kasernen. Etwas teurere Produkte
einzukaufen spart Geld bei der Arbeitslosenversicherung, der Mindestsicherung und im Gesundheitswesen.“  

Schützt die Wirtschaftskammer ausländische Tierqual-Fabriken?
 
Ein Appell des WTV gehe an bestimmte Handelsketten, sich von Dumping-Produkten aus dem Ausland zu distanzieren. Und schließlich eine ernste Mahnung an die Wirtschaftskammer: Sie möge endlich den vollkommen unverständlichen Widerstand gegen eine ehrliche Deklaration der tierischen Zutaten in verarbeiteten Lebensmitteln aufgeben. Petrovic: „Wen schützt die Wirtschaftskammer? Ausländische Tierqual-Fabriken oder ehrliche, heimische Produzenten?“

Artikel geschrieben von

Beate Kraml

Redaktion

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