Geflügelwirtschaft

"Wir brauchen 2 Cent mehr pro Ei"

Die hohen Futterpreise bei jahrelang gleichbleibenden Produzentenpreisen und teilweise sinkenden Endverbraucherpreisen bedrohen die Existenz der österreichischen Legehennenhalter. Eine Anhebung der Produzentenpreise sei jetzt dringend notwendig.

Seit über einem Jahr steigen die Futtermittelpreise im Inland, auch die neue Ernte bringt keine Entspannung der Preissituation. Die Folgen der COVID-Pandemie, gepaart mit Ernteausfällen aufgrund von extremen Witterungsverhältnissen wie Hitze und Trockenheit sowie Überschwemmungen verursachen ständige Korrekturen der Ernteprognosen nach unten. Corona-bedingte Spekulationen an den Börsen tun ihr Übriges dazu, dass die Futtermittelpreise ständig steigen. Die hohen Futterpreise bei jahrelang gleichbleibenden Produzentenpreisen und teilweise sinkenden Endverbraucherpreisen bedrohen nun die Existenz der österreichischen Legehennenhalter. Sie schlagen daher Alarm: Immer mehr Betriebe sehen ihre Existenzgrundlage bedroht. Eine Anhebung der Produzentenpreise sei jetzt dringend notwendig, wird betont.

Mehrere Faktoren beeinflussen den Eierpreis

Die österreichischen Eierproduzenten arbeiten nachweislich nach den EU-weit strengsten Standards und bieten den heimischen Konsumenten Frischeier höchster Qualität zu einem leistbaren Preis. In den letzten Jahren wurden die Margen allerdings durch steigende Produktionskosten laufend geringer. Zeitgleich nahmen die Aktionen bei Eiern im Handel zu und führten insgesamt zu einem Preisverfall, verbunden mit einer Verminderung der Wertigkeit von Eiern. Betrachtet man die offiziellen Preismeldungen der Agrarmarkt Austria (AMA), so weisen diese für Bodenhaltungseier für 2020 eine Preisreduktion von 8% im Vergleich zum Jahr 2010 aus. In den letzten zehn Jahren wurden allerdings wesentliche qualitätsverbessernde Maßnahmen umgesetzt. Dazu zählen die Umstellung auf gentechnikfreie Fütterung oder das Verbot von Regenwald-Soja im Hühnerfutter. Andererseits sorgt die Österreichische Eierdatenbank seit 2012 für die eindeutige Rückverfolgbarkeit der Eier vom Erzeugerbetrieb bis zum Verkaufsregal im Handel. Der Einsatz von Tierarzneimitteln konnte dank sorgsamer Betreuung der Tiere um mehr als die Hälfte reduziert werden.

Preisanhebung jetzt notwendig

"Sollte jetzt keine Preisanpassung an die realen Produktionskosten bei Eiern gelingen, dann verlieren viele kleine und mittelgroße heimische Betriebe ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage. Die Futterkostensteigerungen sind bei gleichbleibenden Eierpreisen für sie wirtschaftlich nicht mehr zu verkraften. Hinzu kommt, dass auf Grund des nach wie vor geringen Absatzes in der Gastronomie weiterhin große Mengen an Eiern zu sehr niedrigen Preisen in der eierverarbeitenden Industrie verwertet werden müssen", betont Franz Kirchweger, Obmann der österreichischen Frischeiererzeuger.

"Unsere Partner im Handel sind jetzt aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen - im Interesse der Bäuerinnen und Bauern, aber auch der Konsumentinnen und Konsumenten. Die Erzeugerpreise müssen nun um mindestens 2 Cent pro Ei angehoben werden. Ich bin davon überzeugt, dass die heimischen Verbraucher bereit sind, diesen nachvollziehbaren Mehrpreis für ein so hochwertiges, regional erzeugtes Lebensmittel auch zu bezahlen", so Kirchweger.

Keine Preisanhebungen in den letzten zehn Jahren

Betrachtet man die Preismeldungen der AMA, so sieht man, dass es seit 2010 außer bei Bio-Eiern de facto weder für Konsumenten noch für Bauern eine Preisanpassung gegeben hat. Bei Freiland- und Bodenhaltungseiern zeigt sich eine reale Preisminderung und bei Bio-Eiern blieb die Teuerung unterhalb der Inflationsrate. "Wir tragen eine große Verantwortung für die Tiere und in weiterer Folge für die Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher. Unsere Bäuerinnen und Bauern verdienen für ihre Arbeit mehr Wertschätzung, die sich besonders auch in dieser Krisensituation im Preis widerspiegeln muss", stellt der Obmann der ZAG - Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft, Franz Karlhuber, fest.